Im Juli war die Karlstraße zum Reallabor geworden: In einem zeitbegrenzten Experiment wurde die Straße zur Fahrradstraße; Autofahrer mussten sich unterordnen. Es wurden außerdem Elemente zum Flanieren und Verweilen eingerichtet.

Wie erfolgreich war das Reallabor?

Im November kehrte auf der Karlstraße die alte Verkehrsführung ein: Die Fahrstreifen waren wieder für Autos freigegeben. Sie kehrte nach dem Reallabor-Experiment zu ihrem ursprünglichen Zustand zurück. 

Karlstraße-Nord am 11. Januar 2023
Bild: Jeremy Gob

Wie erfolgreich war das Experiment? Im Sommer 2023 soll die Evaluation zum Reallabor zur Verfügung stehen. Kritik am Projekt gab es aber schon im Vorfeld der Ergebnisse: Im August meinten die Fraktionen von Grüne und CDU: "Das Reallabor an der nördlichen Karlstraße läuft nicht so, wie es soll." 

Treffpunkt für Kultur und Unterhaltung

Trotz Kritik und der noch zu erwartenden Evaluation, ist sich die Stadtverwaltung Karlsruhe in einem Punkt sicher: Langfristig soll die Karlstraße-Nord zu einem Pol von Gastronomie, Kultur und Spiel werden. Kurzum soll eine Umgebung geschaffen werden, die zum Verweilen einlädt.

Querschnitt der heutigen Karlstraße-Nord auf Höhe des Stadtmuseums.
Querschnitt der heutigen Karlstraße-Nord auf Höhe des Stadtmuseums. | Bild: Stadt Karlsruhe, ÖRMI-Abschlussbericht

"Wir wollen, dass aus der Karlstraße-Nord ein Treffpunkt für die nachbarschaftliche Gemeinschaft aus Kultureinrichtungen, Studierenden, Geschäften, Gastronomie und Bewohner*innen wird", heißt es im ÖRMI-Abschlussbericht.

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Über weitere möglichen Ziele und Maßnahmen heißt es im Abschlussbericht zur Karlstraße: "Aufgrund ihrer Randlage zum kommerziellen Zentrum der Innenstadt benötigt der öffentliche Raum hier langfristig besondere Aufmerksamkeit."

Das Potenzial der Karlstraße-Nord nutzen 

Um langfristig eine relevante Rolle im öffentlichen Raumnetzwerk der Stadt nicht nur beizubehalten, sondern auch weiterzuentwickeln, sollen die in der Karlstraße-Nord liegenden Potenziale genutzt und neue Ansätze und Ideen getestet werden.

Sieht so die Zukunft aus? Ein möglicher neuer Querschnitt für die Karlstraße-Nord auf Höhe des Stadtmuseums.
Sieht so die Zukunft aus? Ein möglicher neuer Querschnitt für die Karlstraße-Nord auf Höhe des Stadtmuseums. | Bild: Stadt Karlsruhe, ÖRMI-Abschlussbericht

Eines der Potenziale läge in der Karlstraße als lebendiger Treffpunkt, der einen Ausgleich zum eigenen Zuhause und dem Arbeitsplatz bieten könne, so die Stadt. "Ziel ist es, die Straße zu aktivieren und mehr Begegnungs- und Aneigungsflächen für Karlsruhe zu schaffen." Der Fokus läge dabei vor allem auf Fußgängern und dem Radverkehr.

Schon heute: Mehr Fußgänger als Autofahrer

Laut Abschlussbericht wird der Bereich in der Karlstraße-Nord pro Stunde von rund 750 Fußgängern frequentiert - und für dieses Klientel soll ein attraktives Angebot geschaffen werden. Im Vergleich sind in der gleichen Zeit 123 Autos unterwegs. Dies ergab eine Verkehrszählung am 15. September 2021.

Karlstraße-Nord am 11. Januar 2023
Bild: Jeremy Gob

Tendenziell habe sich der Verkehr also gewandelt. Im Bericht heißt es: "Bereits heute gibt es mehr Fußgänger als Kfz-Verkehr in der Straße und es gibt Potenzial für die Aktivierung der wertvollen Flächen vor dem Stadtmuseum."

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Um das Potenzial der Laufkundschaft besser auszuschöpfen, sollen neue Grünkorridore die städtischen Grünflächen in Nord-Süd und Ost-West Richtung miteinander verbinden. Damit einher ging die Schaffung von kostenfreien Sitzgelegenheiten und Verweilmöglichkeiten.

Zukunft der Karlstraße-Nord in Karlsruhe

Damit dieses Ziel verwirklicht werden kann nennt das Stadtplanungsamt in dem Abschlussbericht einige Maßnahmen. Manche davon wurden bereits während des Reallabors probeweise umgesetzt und ausgetestet.

Karlstraße-Nord am 11. Januar 2023
Bild: Jeremy Gob

Die Maßnahmen sind unter anderem:

  • Die Verlegung und Schaffung zusätzlicher Fahrradabstellplätze in die Karlstraße
  • Anlegen von geeigneten Pflanzen (in Gruben oder Kübeln), um die unterirdischen Leitungen zu umgehen.
  • Gastronomie in der gesamten Straße soll die lokalen Geschäfte unterstützen.
  • Die Straße soll weiterhin Zugang für den Radverkehr ermöglichen, allerdings soll die Gestaltung ein langsames Tempo vermitteln.
  • Auflösung der Trennwirkung der Karlstraße für Fußgänger.
  • Schaffung eines Freiluft-Kulturraums durch die Zusammenarbeit zwischen dem Stadtmuseum, dem Literaturmuseum, dem Buchhandel und anderen interessierten Akteuren.
  • Lichtinstallationen um den Straßenraum auch bei Nacht zu beleben und für ein höheres Sicherheitsgefühl zu  sorgen.
  • Aktivierung der Fassaden im Bereich Kaiserstraße 146. durch einen Raum für Veranstaltungen und möglicherweise eine Fahrradbibliothek.
Karlstraße-Nord am 11. Januar 2023
Bild: Jeremy Gob

Um die Herausforderungen zu ermitteln, wurde eine Verkehrsuntersuchung der Karlstraße-Nord vorgenommen. Aus dem im Mai 2021 veröffentlichten Bericht geht dabei hervor, dass "eine Erweiterung der Fußgängerzone in der Karlstraße zwischen Amalienstraße und Akademiestraße zu einer engräumigen und auch weiträumigeren Verteilung der südnordgerichteten Verkehre führen würde."

Keine Auswirkungen auf den Verkehrsfluss

Wobei keine alternative Strecke derart zusätzlich belastet werde, dass dies zu deutlichen Problemen in der Verkehrsabwicklung führen würde. Kurz gesagt: Der Verkehr würde - laut Bericht - auch weiterhin so flüssig  laufen wie im Moment. 

Karlstraße-Nord am 11. Januar 2023
Bild: Jeremy Gob

Neben der Frage um die Infrastruktur behandelt der Abschlussbericht auch zwischenmenschliche Herausforderungen. Konfliktmanagement, ein offener Dialog und Sensibilisierung sollen im Zuge der Neugestaltung zu einem regen Austausch mit allen Beteiligten führen.

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Das bedeutet auch, dass die Stadt auf "Rücksicht statt Verbote" baut. "Am Ende sollen so sichere und barrierefreie Plätze sowie gefahrenfreie Fußverkehrsflächen und -verbindungen geschaffen werden", so die Stadt.

Immer mittwochs beleuchtet ka-news.de die Zukunft von Karlsruhe. Hier geht's zum ersten Teil der Serie: 

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Der gesamte ÖRMI-Abschlussbericht als pdf-Datei zum Download. Das Konzept zur Karlstraße-Nord startet auf Seite 56:

Dateiname : ÖRMI-Abschlussbericht
Dateigröße : 206754064
Datum : 11.01.2023
Download : Jetzt herunterladen
ÖRMI-Abschlussbericht
Was steckt hinter dem IQ Leitprojekt Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt (ÖRMI)?

Das IQ Leitprojekt Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt (ÖRMI) wurde im August 2020 von der Stadtverwaltung Karlsruhe beauftragt. Die Ergebnisse des Projekts liegen seit Dezember 2022 in Form eines 110 Seiten langen Kataloges vor und können auf der Website der Stadt Karlsruhe eingesehen werden. 

Das Ziel von ÖRMI ist es, die Chancen und Herausforderungen für den öffentlichen Raum und die Mobilität der Innenstadt Karlsruhe integriert zu betrachten und umsetzungsorientierte Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Dabei wird die Innenstadt immer in Verbindung mit und in Abhängigkeit vom Rest der Stadt beziehungsweise ihrer Umgebung betrachtet.

Die Innenstadt ist nicht nur für Menschen gedacht, die dort leben oder arbeiten, sondern auch für alle, die in der Region leben. Durch die Auswertung verschiedener Analysen, die in der Innenstadt durchgeführt wurden, sowie Online-Befragungen und die Resultate einer Zukunftswerkstatt wurden sowohl Karlsruher als auch Menschen aus umliegenden Städten am Projekt beteiligt. 

Teil des Abschlussberichtes sind fünf sogenannte Lupen. Für diese Lupen wurden mögliche Konzepte für die Zukunft der Karlsruher Innenstadt entwickelt. Die Lupen sind: 

In einer Serie wirft ka-news.de einen Blick auf diese Modelle und damit auf die zukünftige Gestaltung der Innenstadt Karlsruhe. Wichtig ist: Diese Modelle sind nicht endgültig, sondern gelten als eine Art Orientierungshilfe für die Gestaltung Karlsruhes.

Einzig das Konzept für die Kaiserstraße-Ost zwischen Durlacher Tor und Berliner Platz wurde bereits im Dezember 2022 im Gemeinderat diskutiert. Die Stadtverwaltung wurde damit beauftragt, die entsprechenden Planungsschritte für diesen Bereich einzuleiten. Die Arbeiten sollen 2027 abgeschlossen sein. 

 

 
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