In Karlsruhe genießt der Radverkehr bereits einen hohen Stellenwert. Nicht umsonst wurde die Fächerstadt im vergangenen Jahr bei einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) zur "fahrradfreundlichsten Kommune" zwischen 200.000 und 500.000 Einwohnern gewählt. Neben der Stadt erreichte auch der Landkreis Karlsruhe eine Spitzenposition. Er schaffte es auf Rang drei. 

Mehr Freiheiten für Radler in Einbahnstraßen? 

Ein Erfolgsfaktor, der beim ADFC-Ranking die Spitzenposition für Karlsruhe sicherte, waren die Einbahnstraßen. Seit 2014 sind viele dieser Straßen auch in Gegenrichtung für den Radverkehr geöffnet. "Karlsruhe erreichte mit jeweils 1,9 die beste Teilnote bei der Erreichbarkeit des Stadtzentrums und in Gegenrichtung geöffneten Einbahnstraßen", hieß es damals in einer Mitteilung des ADFC. 

Freie Fahrt für Drahtesel: Michael Obert hat 2014 erstmals die Gegenrichtung in Einbahnstraßen in Weihersfeld-Dammerstock offiziell für ...
Freie Fahrt für Drahtesel: Michael Obert hat 2014 erstmals die Gegenrichtung in Einbahnstraßen in Weihersfeld-Dammerstock offiziell für den Radverkehr freigegeben. | Bild: rh

Laut Stadtwiki sind in der Fächerstadt die Hirsch-, Karl-, Leopold-, Marien-, Melanchthon-, Schützen- und der südliche Teil der Douglasstraße für den Radverkehr auch in Gegenrichtung geöffnet. Doch damit soll es nicht getan sein. Die Fraktion von Die Linke im Karlsruher Gemeinderat wünscht sich nämlich weitere Öffnungen der Einbahnstraßen für den Radverkehr. 

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Nach Wunsch der Stadträte sollen nämlich alle Einbahnstraßen in Karlsruhe in Gegenrichtung für Radfahrer geöffnet werden. "Alle noch nicht für den Radverkehr in Gegenrichtung befahrbaren Einbahnstraßen werden für diesen bis Ende des Jahres 2022 freigegeben. Für jede Straße, bei welcher eine Freigabe aus Sicht der Stadtverwaltung nicht möglich ist, legt die Verwaltung bis Ende des Jahres 2022 eine detaillierte Begründung hierzu vor", schreibt die Fraktion in einem Antrag an den Gemeinderat. 

Fokus liegt auf der Südstadt

Weiter heißt es: "Gerade in der Südstadt finden sich aktuell noch einige Einbahnstraßen, die nur in eine Richtung für den Radverkehr freigegeben sind - hier ist etwa die Schützenstraße zu nennen. Die Situation ist in dem Stadtteil für durchquerende Radfahrer daher besonders unübersichtlich." Mit der Umsetzung würde auch ein Punkt aus dem "Karlsruher Programm für Aktive Mobilität" umgesetzt werden. 

Südstadt Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

In dem Programm heißt es unter anderem: "Der Radverkehr im Nebenstraßennetz wird vorrangig auf der Fahrbahn geführt. Hierfür sind Fahrradstraßen und Fahrradzonen einzurichten, Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung zu öffnen sowie die Durchlässigkeit von Sackgassen für den Radverkehr zu gewährleisten und zu kennzeichnen."

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"Mir dem Programm für Aktive Mobilität gibt es bereits einen politischen Auftrag an die Verwaltung, uns geht es nun darum, die Maßnahmen in möglichst kurzer Zeit umzusetzen. In Sachen Einbahnstraßen ist bereits schon viel passiert, doch wir wollen ein wenig Druck machen, da wir denken, der Antrag könnte in kurzer Zeit umgesetzt werden ", erklärt Mathilde Göttel von der Linken Fraktion im Gespräch mit ka-news.de.

Viele Radfahrer wissen nicht wo sie durch dürfen und wo nicht

Gerade die Südstadt sei nach Ansicht der Stadträtin für eine solche Maßnahme geeignet. "Die Südstadt ist ein zentraler Stadtteil mit vielen Einbahnstraßen. Die Schützenstraße ist nicht die einzige und wenn man in der Südstadt unterwegs ist, wissen viele Radfahrer nicht wo sie durchfahren dürfen und wo nicht."

Mathilde Göttel (Die Linke), Stadträtin im Gemeinderat Karlsruhe.
Mathilde Göttel (Die Linke), Stadträtin im Gemeinderat Karlsruhe. | Bild: Lars Notararigo

Die Südstadt sei der konkreteste Fall und hier könnten Änderungen schnell und einfach durchgeführt werden. Auch die nördliche Karlstraße wäre laut Göttel eine geeignete Stelle. "Die Karlstraße ist seit Jahrzehnten eines der schlimmsten Hindernisse für Radfahrer von Norden und der Oberbürgermeister hat bereits angekündigt, dass es hier einen Verkehrsversuch geben soll", so die Stadträtin.

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Dass durch die Maßnahme das Risiko für Unfälle steigen könnte, sehe Göttel nicht. Einbahnstraßen seien nicht das große Risikogebiet für Unfälle. Verkehrsteilnehmer würden  sich entgegenkommen und sehen und in den meisten Straßen sei höchstens Tempo 30 erlaubt.

Antrag kommt in den Planungsausschuss

"Das manche Straßen bisher nicht freigegeben wurden, liegt wohl daran, dass man den Durchfluss für den Kfz-Verkehr nicht stören wollte. Das kann meiner Meinung nach langfristig aber nicht als Argument dienen", sagt Göttel.

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Der Antrag der Fraktion steht auf der Tagesordnung für die Februar-Sitzung des Gemeinderates, wird dort aber nicht behandelt. Sondern erst im Planungsausschuss im April vorberaten und kommt dann eventuell zurück in den Gemeinderat. "Die Verwaltung wird uns dann eine Antwort geben und je nachdem wie diese ausfällt, kommt der Antrag zurück in den Gemeinderat oder nicht. Bisher haben wir von der Stadt noch nichts gehört", erklärt Göttel abschließend.  

 

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