Wie kann, soll oder wird die Zukunft der Karlsruher Innenstadt aussehen? Um diese Frage zu klären, gab die Stadtverwaltung Karlsruhe das IQ Leitprojekt Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt (ÖRMI) im August 2020 in Auftrag.

Abschlussbericht zur Zukunft der Innenstadt

Jetzt, etwas mehr als zwei Jahre später, wurden die Ergebnisse der Untersuchungen dem Gemeinderat vorgestellt. Das Stadtparlament nahm den 110-Seiten starken Katalog in der Dezember-Sitzung zur Kenntnis. 

August 2020: Karlsruhes Oberbürgermeister bei der Vorstellung zum Start des IQ Leitprojektes ÖRMI.
August 2020: Karlsruhes Oberbürgermeister bei der Vorstellung zum Start des IQ Leitprojektes ÖRMI. | Bild: Melissa Betsch

Der Bericht "präsentiert Planungsüberlegungen, Empfehlungen und Strategien und stellt den Rahmen für die zukünftige Entwicklung der Innenstadt hinsichtlich der Aufteilung des öffentlichen Raumes und der Mobilität dar" und soll "als visionärer Rahmenplan für die Weiterentwicklung der Innenstadt" dienen, wie es in der entsprechenden Beschlussvorlage der Stadtverwaltung heißt. 

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Heißt auch: Die im Katalog vorgestellten Ideen und Konzepte sind nicht endgültig. "Bei der Fortschreibung des Aktionsplans City 2020 bis 2026 werden die Konzepte priorisiert und gegebenenfalls budgetiert. Diese Fortschreibung soll im Frühjahr 2023 in die Gremien eingebracht werden", heißt es im Bericht weiter.

Mehr Platz für Mobilität, Grün und Leben in Karlsruhe

Doch worum geht es konkret? Der Abschlussbericht ist unter der Überschrift "Platz für mehr Grün, Leben und gesunde Mobilität", in den Unterlagen der Dezember-Sitzung des Gemeinderates zu finden (TOP 32)

Die zentralen Bestandteile sind:

  • drei Fokusbereiche für die Innenstadt: Platz für mehr gesunde Mobilität, Platz für mehr Grün und Platz für mehr Leben
  • Best Practice Beispiele aus aller Welt, die auf Karlsruhe übertragen werden können 
  • fünf beispielhafte Konzeptentwürfe (Lupen)
  • Durchführung zweier Reallabore bereits während des Bearbeitungszeitraumes des Projektes
  • Beteiligungskonzept mit Auftaktveranstaltung, Zukunftswerkstatt, zwei Expertenkolloquien, online-Beteiligungsmöglichkeiten und Abschlussveranstaltung
Die Lammstraße in Karlsruhe sieht aktuell so aus.
Die Lammstraße in Karlsruhe sieht aktuell so aus. | Bild: Thomas Riedel

Weiterhin werden fünf Konzepte für die Innenstadt vorgestellt. Sie betreffen konkret:  

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In diesem Artikel geht es um die Ideen, welche für die Karlstraße erarbeitet wurden. Wichtig: Es handelt sich hierbei um Vorschläge und Konzepte. Endgültig sind diese Visionen nicht.

Fallbeispiel Lammstraße in Karlsruhe

Das Konzept für die Lammstraße findet sich unter dem Kapitel "Platz für mehr Grün." Vom äußeren Rand des Zoos in der Beiertheimer Allee soll über das Konzerthaus,  die Badenwerkstraße und eben die Lammstraße eine "grüne Verbindung" bis zum Schlossvorplatz entstehen. Die Lammstraße soll so von einer "grauen Straße zur grünen Promenade" werden. 

Die Lammstraße in Karlsruhe sieht aktuell so aus.
Die Lammstraße in Karlsruhe sieht aktuell so aus. | Bild: Thomas Riedel

Laut Bericht ergeben sich auf der Lammstraße folgende Probleme: 

  • grau und versiegelt, ohne oder nur mit kommerziellen Sitzgelegenheiten
  • keine Aktivität und kein Platz zum Flanieren
  • fehlende attraktive Erdgeschossnutzungen mit Publikumsorientierung und wenig Grün, wirken trotz Sitzgelegenheiten nicht einladend
  • keine kontinuierliche attraktive Verbindung über die Kriegsstraße hinweg
  • ungenutzte Grünflächen und monotones Abstandsgrün vor den Wohngebäuden
  • in die Jahre gekommene Beschilderungen und Orientierungshilfe

Neben der Via Triumphalis als urbane historische Achse zum Schloss und der Ritterstraße als wichtige Nord-Süd-Radverbindung hat "die Lammstraße  eine wichtige Bedeutung für den Fußverkehr mit Verbesserungspotenzial als grüne Promenade", heißt es im Bericht.

Sieht so die Zukunft der Lammstraße in Karlsruhe aus? Mit mehren Maßnahmen soll hier die Aufenthaltsqualität gesteigert werden und die ...
Sieht so die Zukunft der Lammstraße in Karlsruhe aus? Mit mehreren Maßnahmen soll hier die Aufenthaltsqualität gesteigert werden und die Straße zu einer grünen Promenade werden. | Bild: Stadt Karlsruhe, ÖRMI-Abschlussbericht

Wie wichtig die Lammstraße für den Fußverkehr tatsächlich ist, zeigt ein Vergleich zwischen den drei Nord-Süd-Routen. So wurden bei einer Verkehrszählung am 16. Mai 2019 (Donnerstag) zwischen 12 Uhr und 20 Uhr 8.619 Fußgänger in der Lammstraße verzeichnet.

Die Lammstraße ist wichtig für Fußgänger - Autos sollen bleiben

Auf der Via Triumphalis wurden dagegen 7.197 Fußgänger gezählt und auf der Ritterstraße 6.675. "Die Lammstraße ist Teil der wichtigen Wegeverbindung vom Bahnhof zum Schloss mit großer Bedeutung für den Fußverkehr. Über die Lammstraße wird der Bahnhof mit dem Schloss verbunden und entlang der Straße finden sich kulturelle Einrichtungen, Einzelhandel sowie beliebte Grünflächen", heißt es im Bericht.

Die heutige Lammstraße im Querschnitt.
Die heutige Lammstraße im Querschnitt. | Bild: Stadt Karlsruhe, ÖRMI-Abschlussbericht

Die Umgestaltung der Lammstraße sei eine Chance, "eine attraktive grüne Verbindung mit Vorrang für den Fußverkehr zu schaffen." Dem Rad- und Autoverkehr soll weiterhin eine Durchfahrt ermöglicht werden, aber auf separaten und reduzierten Flächen. Die Lammstraße soll in der Zukunft zum Flanieren einladen.

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Langfristig - so verspricht sich der Bericht -  kann auf der Lammstraße ein "vollwertiger Shared Space eingeführt und getestet werden, in dem sich alle Verkehrsteilnehmer die Verkehrsflächen in Schrittgeschwindigkeit teilen."

Mehr Bäume an der Lammstraße

Erreicht werden soll diese Version unter anderem durch mehr entsiegelte Grünflächen, öffentliches Straßenmobiliar und eine geförderte Aufenthaltsqualität beispielsweise auf dem Friedrichsplatz. Ferner soll die Erdgeschosszone durch Gastronomie, Einzelhandel oder Gewerbe belebt werden und so Aktivität und Lebendigkeit vor den Gebäuden erhöhen.

Ein Vorschlag für einen zukünftigen Querschnitt der Lammstraße auf Höhe des Friedrichplatzes.
Ein Vorschlag für einen zukünftigen Querschnitt der Lammstraße auf Höhe des Friedrichplatzes. | Bild: Stadt Karlsruhe, ÖRMI-Abschlussbericht

Ein Entwurf für die neue Lammstraße auf Höhe des Friedrichsplatzes sieht so beispielsweise zwei neue Baumreihen, statt wie bisher einer vor. Fußgänger sollen einen separaten Gehweg bekommen, Radfahrer und Autofahrer könnten sich eine Fahrbahn teilen.

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Karlsruhe nimmt sich ein Beispiel an Melbourne und Kopenhagen

Die möglichen Lösungsansätze des Berichtes für "Mehr Grün" orientieren sich an den Fallbeispielen Melbourne (Australien) und Kopenhagen (Dänemark). So erkenne beispielsweise die 2012 für Melbourne entwickelte "Urban Forest Strategy" den sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Beitrag, den Pflanzen und Grünflächen für die Stadt leisten würden.

Die Lammstraße in Karlsruhe sieht aktuell so aus.
Die Lammstraße in Karlsruhe sieht aktuell so aus. | Bild: Thomas Riedel

Die Strategie verfolge einen ganzheitlichen und vielfältigen Ansatz zur Steigerung des Grünanteils in Parks, Naturschutzgebieten und privaten Gärten, entlang von Eisenbahnlinien, Wasserwegen, Hauptverkehrsstraßen und Wohnstraßen.

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Grüne Infrastruktur werde dabei auch an Wänden und Dächern umgesetzt. Für Standorte, an denen die Umsetzung aufgrund von unterirdischen Leitungen oder Platzmangel erschwert ist, wurden spezielle Lösungen entwickelt.

Wie groß ist das Potenzial in Karlsruhe?

Auch Kopenhagen sei ein inspirierendes Beispiel für einen ganzheitlichen Einsatz grüner Initiativen. So arbeite die dänische Hauptstadt seit 2009 daran, eine "Metropole für Menschen" zu schaffen und bis 2025 CO2-neutral zu sein.

Kreative Lösung: Aufgrund von Platzmangel wurde für Stadtbäume in Melbourne ein neues Konzept entwickelt: Ein speziell entwickelter ...
Kreative Lösung: Aufgrund von Platzmangel wurde für Stadtbäume in Melbourne ein neues Konzept entwickelt: Ein speziell entwickelter Pflanzkübel fängt Regenwasser auf und filtert es, während die Bäume bewässert werden. | Bild: Stadt Karlsruhe, ÖRMI-Abschlussbericht

"Dazu gehört auch die Aufwertung des öffentlichen Raums einschließlich privater Innenhöfe, die von Grau zu grün umgestaltet wurden. Das Hafenwasser wurde gereinigt, um das Schwimmen im Stadtzentrum zu ermöglichen und ein Zeichen für eine lebenswerte Stadt zu setzen", heißt es.

50.000 Quadratmeter neue Stadtlandschaft in Kopenhagen schützen vor dem Klimawandel

Mehr als 10.000 Menschen hätten sich an den 170 Bürgerinitiativen des Projekts beteiligt, um Grünflächen, nutzbare städtische Räume und ein klimagerechtes Quartier zu schaffen. So würden in der dänischen Metropole 50.000 Quadratmeter neue Stadtlandschaft gewonnen, welche vor den Folgen des Klimawandels schützen und ein angenehmeres und lebenswerteres Umfeld für die Bewohner schaffen würde.

Alle Bilder der Lammstraße als Galerie:

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Der gesamte ÖRMI-Abschlussbericht als pdf-Datei zum Download. Das Konzept zur Lammstraße startet auf Seite 36:

Dateiname : ÖRMI-Abschlussbericht
Dateigröße : 206754064
Datum : 11.01.2023
Download : Jetzt herunterladen
ÖRMI-Abschlussbericht
Was steckt hinter dem IQ Leitprojekt Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt (ÖRMI)?

Das IQ Leitprojekt Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt (ÖRMI) wurde im August 2020 von der Stadtverwaltung Karlsruhe beauftragt. Die Ergebnisse des Projekts liegen seit Dezember 2022 in Form eines 110 Seiten langen Kataloges vor und können auf der Website der Stadt Karlsruhe eingesehen werden. 

Das Ziel von ÖRMI ist es, die Chancen und Herausforderungen für den öffentlichen Raum und die Mobilität der Innenstadt Karlsruhe integriert zu betrachten und umsetzungsorientierte Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Dabei wird die Innenstadt immer in Verbindung mit und in Abhängigkeit vom Rest der Stadt beziehungsweise ihrer Umgebung betrachtet.

Die Innenstadt ist nicht nur für Menschen gedacht, die dort leben oder arbeiten, sondern auch für alle, die in der Region leben. Durch die Auswertung verschiedener Analysen, die in der Innenstadt durchgeführt wurden, sowie Online-Befragungen und die Resultate einer Zukunftswerkstatt wurden sowohl Karlsruher als auch Menschen aus umliegenden Städten am Projekt beteiligt. 

Teil des Abschlussberichtes sind fünf sogenannte Lupen. Für diese Lupen wurden mögliche Konzepte für die Zukunft der Karlsruher Innenstadt entwickelt. Die Lupen sind: 

In einer Serie wirft ka-news.de einen Blick auf diese Modelle und damit auf die zukünftige Gestaltung der Innenstadt Karlsruhe. Wichtig ist: Diese Modelle sind nicht endgültig, sondern gelten als eine Art Orientierungshilfe für die Gestaltung Karlsruhes.

Einzig das Konzept für die Kaiserstraße-Ost zwischen Durlacher Tor und Berliner Platz wurde bereits im Dezember 2022 im Gemeinderat diskutiert. Die Stadtverwaltung wurde damit beauftragt, die entsprechenden Planungsschritte für diesen Bereich einzuleiten. Die Arbeiten sollen 2027 abgeschlossen sein. 

 
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