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Karlsruhe: (Nicht mehr) leuchtende Beispiele: Wie Discos, Handel und Kultur in Karlsruhe Energie sparen wollen

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(Nicht mehr) leuchtende Beispiele: Wie Discos, Handel und Kultur in Karlsruhe Energie sparen wollen

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    (Nicht mehr) leuchtende Beispiele: Wie Discos, Handel und Kultur in Karlsruhe Energie sparen wollen
    (Nicht mehr) leuchtende Beispiele: Wie Discos, Handel und Kultur in Karlsruhe Energie sparen wollen Foto: Thomas Riedel

    Seit rund einer Woche ist das EnergieSparpaket der Bundesregierung in Kraft. Ein großer Teil dieser Energiesparmaßnahmen betreffe unter anderem die Beleuchtung und Beheizung des öffentlichen und wirtschaftlichen Raumes.

    Türen zu Geschäften, Clubs und öffentlichen Einrichtungen dürfen nicht mehr offen stehen, es darf maximal auf 19 Grad auf Arbeitsplätzen und öffentlichen Gebäuden geheizt werden, Fassaden dürfen nicht mehr bestrahlt werden und Leuchtreklamen bleiben ab 22 Uhr dunkel. All das gelte bis zum 28. Februar. Die Stadt Karlsruhe gab bereits bekannt, welche Maßnahmen zur Energieeinsparung ihrerseits getroffen werden. 

    Auch das Karlsruher Nachtleben wird sich, zumindest was seine Fassade angeht, wandeln müssen - in Bereichen wie dem Einzelhandel bis zu Clubs und Diskotheken. Das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) etwa, ebenso das Ettlinger Tor Center (ECE), die Postgalerie und auch der Club Agostea mussten sich schon auf die Beschlüsse aus Berlin einstellen, allerdings jeder auf seine Weise, wie die  jeweiligen Einrichtungen gegenüber ka-news.de bestätigen.

    Weniger Licht, weniger Akklimatisierung

    So schalte das ZKM zum Beispiel ab 22 Uhr "die Video-Stele in der Lorenzstraße ab. Außerdem haben wir zum Beispiel in den klimatisierten Bereichen wie in den Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen sowie im Foyer die Temperatur angehoben, sodass für die Klimatisierung weniger Energie verbraucht wird", erklärt ein Sprecher.

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    (Symbolbild) Foto: Thomas Riedel

    "Über die Nachtabschaltung der Anlagen wird weitere Energie eingespart. Gänzlich auf eine Klimatisierung können wir aus konservatorischen Gründen im Ausstellungsbereich nicht verzichten." Eine Philosophie wie diese verfolgen auch Karlsruhes Einkaufszentren.

    Manche Beleuchtung ist nötig

    Das ECE zum Beispiel werde sämtliche Reklameanzeigen an der Außen- und Innenfassade zur vorgeschriebenen Zeit deaktivieren, erklärt die Managerin des Einkaufszentrums, Anne Klausmann. Außerdem sei das ECE schon "seit Monaten damit beschäftigt, eine geringere Kühlung des Gebäudes und mit sinkenden Außentemperaturen reduzierte Beheizung zu installieren. Außerdem jegliche nicht unbedingt erforderliche Beleuchtung im Center reduziert." 

    Anne Klausmann, Center-Managerin des Ettlinger Tors.
    Anne Klausmann, Center-Managerin des Ettlinger Tors. Foto: Klausmann

    Ähnlich verhalte sich auch die Postgalerie, die seit dem 1. September ihre alten Kältemaschinen gegen neue, energiesparende Modelle austauscht und sämtliche Fassadenbeleuchtung zum Nachteinbruch deaktiviert lässt. Bei der Innenbeleuchtung jedoch sehe die Postgalerie auch die Notwendigkeit, das Licht anzulassen.

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    (Symbolbild) Foto: Paul Needham

    "Die Sicherheit der Kundschaft ist wichtig; aufgrund von Gastronomie ist die Beleuchtung innerhalb des Gebäudes auch zu späteren Stunden in der Nacht erforderlich", sagt die technische Leiterin der Postgalerie, Ines Thiemann.

    Ines Thiemann, technische Leiterin der Postgalerie.
    Ines Thiemann, technische Leiterin der Postgalerie. Foto: Sandra Jacques

    Clubs ohne Licht?

    Doch wo in einem Einkaufszentrum wie der Postgalerie ein verhältnismäßig kleiner Anteil des Betriebes außerhalb der Tageslichtzeiten stattfindet, sind Clubs wie etwa das Agostea in Karlsruhe, das seit Mai wieder eröffnet hat, auf eine durchgehende Beleuchtung angewiesen. "Wir planen bereits den Energieverbrauch im Agostea komplett umzustrukturieren", sagt Angelika Desch, leitende Angestellte der Diskothek.

    Angelika Desch, leitende Angestellte und Personalzuständige des Club Agostea Karlsruhe.
    Angelika Desch, leitende Angestellte und Personalzuständige des Club Agostea Karlsruhe. Foto: Agostea Karlsruhe

    Die Außen- und Innenbeleuchtung werden davon aber wohl kaum betroffen sein, wie sie fortfährt: "Dauerhaft beleuchtet sind bei uns eigentlich nur Ein- und Ausgänge. Und diese Beleuchtung ist sicherheitsrelevant und wird deshalb erhalten werden. Dafür werden wir aber an anderer Stelle sparen. Wir werden die Kühlung der Getränke unter der Woche abschalten, die Lichtimpulse reduzieren und müssen uns auch über den Energieverbrauch der Musik Gedanken machen", so Desch.

    Der Mainfloor des Clubs Agostea in Karlsruhe (Symbolbild).
    Der Mainfloor des Clubs Agostea in Karlsruhe (Symbolbild). Foto: Agostea Karlsruhe

    Wo wie viel effektiv einzusparen sei, müsse aber noch getestet werden. "Wir folgen den Anordnungen der Bundesregierung natürlich, sind aber noch am Austesten, wie wir sie bestmöglich umsetzen." Das Erlebnis für die Discobesucher solle nämlich dasselbe bleiben. Entsprechend würden auch die Preise gleich bleiben.

    Das schließe auch für die Eintrittspreise mit ein, bei denen das Agostea keine Erhöhungen plane. Ein Aspekt, der die Frage aufwirft, wie die anderen hier aufgeführten Betriebe mit ihren Preisen umgehen werden.

    Wird es zu Preissteigerungen für Kunden kommen?

    Genau genommen könnten dahingehend noch keine konkreten und verbindlichen Aussagen getroffen werden: "Es sind nicht nur die gestiegenen Energiekosten, sondern auch alle anderen gestiegenen Kosten, die der Postgalerie und den Mietern Sorge bereiten. Ob die Mieter deshalb Preisanpassungen vornehmen, liegt bei ihnen selbst", sagt technische Leiterin Thiemann dazu.

    Innerhalb des Ettlinger Tor Centers komme man zu einem ähnlichen Ergebnis, wie Klausmann bestätigt. Inwiefern die eingemieteten Geschäfte ihre Preise erhöhen werden, sei nicht vorauszusagen. Das gelte vor allem für die zentralistisch Geführten ketten. Eine Anfrage von ka-news.de an die Vertreter der in Karlsruhe ansässigen Ketten wie Mediamarkt und Thalia brachte ebenfalls kein Ergebnis.

    Selbst das eng mit der Stadt kooperierende ZKM wisse auf die Frage, ob die Preise erhöht werden keine direkte  Antwort: "Wir sind gerade dabei, einen 3-Stufen-Krisenplan zu erarbeiten. Dieser Krisenplan ist eine Zusammenstellung möglicher Maßnahmen. Auch in Bezug auf den Ausgleich der Kosten. Welche wir dann wirklich anwenden werden, bleibt abzuwarten", erklärt ein dortiger Sprecher.

    Optimismus trotz Abstrichen?

    Bei all diesen Komplikationen könnte man meinen, dass die verschiedenen Betriebe eher pessimistisch gegenüber den kommenden Monaten eingestellt sind. Tatsächlich aber sehe das Agostea in den Maßnahmen der Bundesregierung keine größeren Probleme. "Wir rechnen nicht mit Umsatzeinbußen durch diese Maßnahmen, immerhin sind sie ja auch sinnvoll, um zu sparen. Genauer gesagt haben uns die Corona-Auflagen sehr viel empfindlicher getroffen", so Desch.

    ZKM und ECE sind ebenfalls nicht der Ansicht, das die Energiesparmaßnahmen ihr Tagesgeschäft negativ beeinflussen wird. Klausmann rechne sogar damit, dass "das Ettlinger Tor Center Energieeinsparungen im fünfstelligen Bereich" erwirtschaften kann. Nur Thieman begegnet den Maßnahmen mit Skepsis, wie sie stellvertretend für die Postgalerie erklärt:

    "In einem Center soll sich die Kundschaft wohlfühlen. Es soll nicht zu heiß und nicht zu kalt sein und die Waren der Einzelhändler sollen attraktiv aussehen. Dafür benötigen wir Beleuchtung. Man kann an gewissen Schrauben etwas drehen, aber um den Einzelhandel in den jetzigen Zeiten zu unterstützen, ist die Aufgabe der Postgalerie für eine angenehme Atmosphäre zu sorgen", sagt sie. Wie einfach oder schwer diese Aufgabe wird, könne aber nur die Zukunft zeigen.

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