Bei fließenden Ampere klingelt die Kasse, aber nicht die der Verbraucher. Neben dem Gaspreis haben sich auch die Kosten für Strom durch die Auswirkungen des Ukraine-Krieges konstant erhöht. Natürlich bleibt Karlsruhe davon ebenfalls nicht verschont. Dabei ist der Strompreis keineswegs einheitlich gestiegen und beschreibt bei verschiedenen Anbietern verschiedene Aufwärtskurven.

Aber inwieweit sind die Strompreise überhaupt schon angestiegen und mit welchen Erhöhungen müssen die Bürger noch rechnen? Eprimo, die EnBW und die Stadtwerke Karlsruhe meldeten sich dabei zu Wort. Fest steht: Ein Ende der Preissteigerungen ist nicht abzusehen.
Strompreise steigen bis Oktober zwischen 30 und 35 Prozent
"Neben den Gaspreisen steigen auch die Strompreise zum 1. Oktober im Schnitt um 35 Prozent. Das bedeutet bei einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden eine monatliche Mehrbelastung von 33 Euro", sagt eine Sprecherin der Stadtwerke.

Die EnBW erhöhe bis zum 1 Oktober um 31,1 Prozent und bei Eprimo sei der genaue Preisanstieg in Karlsruhe momentan nicht genau zu bestimmen. Auch nicht, wie lange die Preissteigerungen andauern werden.

"Für die aktuelle Strompreisentwicklung gibt es eine Reihe von Gründen. Dazu zählen die weltpolitische Entwicklung, der Anstieg der Rohstoffpreise und die anhaltende Dürre in weiten Teilen Europas. Ob und wann hier eine Entspannung eintritt, können wir nicht voraussagen", sagt ein Sprecher der Firma Eprimo. Die Stadtwerke und die EnBW stimmen diesem Statement zu.
Ein Domino-Effekt am Energiemarkt
Was allerdings sehr wohl ersichtlich ist, sind die genaueren Gründe der Preiserhöhung. Denn diese liegen nicht nur am steigenden Gaspreis. Während die Stadtwerke angeben, dass nur 18 Prozent der eingekauften Elektrizität durch Gas erzeugt werde, erzeugt Eprimo gar keinen Strom durch Gas. Die EnBW macht dahingehend keine Angaben. Viel eher sei es auf dem internationalen Energiemarkt zu einem Domino-Effekt gekommen, woraus diese enormen Preisanstiege resultierten.

"Unabhängig von der Erzeugungsform gilt: Der Strom wird an den Energiebörsen gehandelt. Hier kaufen die Anbieter wie die EnBW den Strom für ihre Kunden ein. An den Börsen bestimmen verschiedene Marktfaktoren wie Beschaffungskosten oder Angebot und Nachfrage die Preise für Strom", so die EnBW im Gespräch mit ka-news.de.
"Da Strom aus Gas und Kohle in der aktuellen Situation teurer ist, steigt die Nachfrage auch nach Strom aus anderen Erzeugungsformen, etwa aus Wind- und Solarenergie. Steigende Marktpreise wirken sich demnach immer auch alle Strompreise aus."
Selbst Strom aus erneuerbaren Energien wird teurer
Diesem Phänomen sei es auch geschuldet, dass Anbieter wie Eprimo, deren Elektrizität zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien generiert wird, ihre Preise nicht niedrig halten können.

"Ein Anstieg der Strompreise beruht fast immer auf steigenden Beschaffungskosten und steigenden staatlichen Umlagen. Daher ist es leider im Allgemeinen nicht möglich, Ökostrom vergünstigt zu beschaffen", erklärt der Eprimo-Sprecher. Diese steigenden Beschaffungskosten seien auch der Grund, warum Eprimo nicht mit Gewinnen am steigenden Strompreis rechne.
Keine gesteigerten Umsätze durch den Strompreis?
"Da Eprimo den Strom für die Kunden selbst zu Marktpreisen beschafft und staatliche Umlagen weiterreichen muss, führen steigende Strompreise nicht zu höheren Gewinnen." Mit dieser Aussage stimmen auch die Stadtwerke im Wesentlichen überein. "Wir geben nur die gestiegenen Einkaufskosten weiter. Unser Absatz erhöht sich dadurch nicht", sagt ihre Sprecherin.

Bei der EnBW habe sich zwar an manchen Stellen, etwa beim Ausbau regenerativer Energien, der Gewinn erhöht, die gestiegenen Beschaffungskosten für Gas drückten die Nettoeinkünfte allerdings. Dennoch sorge der Konzern alles in allem "auch in einem volatilen und schwierigen Marktumfeld für Stabilität und Robustheit – auch im Sinne unserer Kunden." Wie hoch die Gewinne ausfallen, gibt der Sprecher dabei aber nicht Preis.
Können die Kunden entlastet werden?
Wenn die drei Lieferanten nun aber hauptsächlich den Marktpreis weitergeben, stellt sich die Frage, ob es überhaupt möglich ist, ihre Kunden zusätzlich finanziell zu entlasten. Gerade Haushalte mit geringem Einkommen bedürfen immerhin besonderer Hilfe. Laut Aussagen der drei Sprecher verfolgten die jeweiligen Energielieferanten dahingehend unterschiedliche Ansätze.

"Eprimo hat bereits eine preisdämpfende Einkaufsstrategie. Wir bieten aber auch Zusatzangebote für eigene Solarstromerzeugung auf Balkon oder Hausdach sowie Beteiligungsmöglichkeiten an Solar-Parks an. Leider ist die Bedürftigkeit einzelner Haushalte für uns als Energieversorger jedoch weder erkennbar noch überprüfbar", so der Sprecher des Grünstrom-Lieferanten.
Planung, Prämien und Pakte
Sehr wohl aber planen EnBW und Stadtwerke, einkommensschwächeren Kunden gesondert unter die Arme zu greifen. "Bei finanziell schwer belasteten Haushalten wird die EnBW in der kommenden Heizperiode keine Sperrungen bei Strom und Gas durchführen. So soll verhindert werden, dass diese durch Sperrungen in eine zusätzliche Notlage geraten", erklärt der Konzernsprecher.
Weiterhin sollen EnBW-Kunden, die innerhalb eines Jahres 10 Prozent ihres Gasverbrauchs eingespart haben, eine Prämie von 100 Euro erhalten. Die Stadtwerke wiederum zielen sogar auf 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs ab. Sie nämlich berufen sich auf den #EnergiePakt.

"Im Rahmen des Paktes wollen wir zum 01. Oktober die prozentualen Abschläge unserer Kunden anpassen. Damit wird eine hohe Belastung und Nachzahlung nach der nächsten Jahresrechnung vermieden", so die Sprecherin. "Und es wird innerhalb des Projekts natürlich Beratungsangebote zum Energiesparen geben. Dies ist insgesamt die einzige und wirkungsvollste Methode, die sehr hohen Energiepreise etwas abzumildern".
