Wer regelmäßig von Karlsruher Stadteilen wie Daxlanden oder Mühlburg in Richtung Rheinhafen blickt, der wird sich vermutlich schon an die perlweiße Rauchsäule gewöhnt haben, die Tag für Tag von Block 7 des Dampfkraftwerks aufsteigt. Diese Rauchsäule ist Antriebskraft und Nebenprodukt der Stromerzeugung aus dem Kraftwerk und sie ist - wie von den meisten Kritiker angemerkt - sichtbare CO2-Emission.

Der Blick auf das Rheinhafen-Dampfkraftwerk von Daxlanden aus.
Der Blick auf das Rheinhafen-Dampfkraftwerk von Daxlanden aus. | Bild: Lars Notararigo

Um dieser CO2-Emission Herr zu werden, beschloss die EnBW vor dem Ukraine-Krieg Block 7 des RDK abzuschalten - ab Mitte 2022 sollte die markante Rauchschwade ein Bild der Vergangenheit werden. 

Als die Politik Europas aber durch den Krieg aufgerüttelt wurde, sah sich der Energiekonzern gezwungen, diese Entscheidung aufgrund von drohender Ressourcenknappheit zu überdenken. Und so wird Block 7, laut Aussagen seiner Sprecherin, "mindestens bis Ende des Winters 2023/2024 weiterbetrieben."

Mit Eingreifen der Bundesregierung

Mit diesem Statement ist eine Frage, über die sehr viel diskutiert und auch spekuliert wurde, von offizieller Seite beantwortet. Block 7 bleibt also ein fester Bestandteil des Stromhaushaltes. Eine Entscheidung, die laut EnBW mit einem langen Prozess an Abwägung von "für und wider" verbunden war. Letztendlich aber habe das akute Risiko eines Energieengpasses überwogen - und nicht nur die EnBW selbst war an dieser Entscheidung beteiligt.

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Die immer dünner ausfallende Gasversorgung aus Russland habe die Bundesregierung zum Beschluss eines Gesetzes bewegt - dem sogenannten Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz (EKBG). "Das EKBG tritt voraussichtlich noch im Juli in Kraft und verbietet die Stromerzeugung durch Gas und setzt den Fokus wenigstens zeitweilig auf den verstärkten Einsatz von Kohlekraftwerken für elektrische Energie", so die Sprecherin.  

25 neue Mitarbeiter für das RDK

"Aus diesem Grund wird seitens EnBW aktuell mit Hochdruck daran gearbeitet, die Kohleblöcke in der Netzreserve und am Markt intensiv auf den Betrieb im Winter vorzubereiten. Dabei geht es auch um die verstärkte Beschaffung und den Transport von Kohle sowie den Flächenbedarf für die Lagerung von zusätzlichen Kohlemengen ", sagt sie. Um all das zu bewerkstelligen, sei in ganz Baden-Württemberg neues Personal für die Kohlekraftwerke der EnBW nötig.

Blick über Rappenwört und das Rheinstrandbad, im Hintergrund das Naturschutzgebiet angrenzend zu Daxlanden.
Blick über Rappenwört und das Rheinstrandbad, im Hintergrund das Rheinhafen-Dampfkraftwerk. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"In den Steinkohle-Kraftwerksblöcken der EnBW in Baden-Württemberg sind aktuell zirka 670 Mitarbeiter beschäftigt, zu denen insgesamt 50 neue Mitarbeiter rein für Steinkohle-Stromerzeugung hinzukommen werden. Die Hälfte davon wird voraussichtlich im RDK zum Einsatz kommen. Zu den 240 Beschäftigten am Rheinhafen in Karlsruhe kommen also 25 Mitarbeiter für die Steinkohleverarbeitung hinzu."

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Für beendet könne man das Zeitalter des Kohlestroms vonseiten der EnBW also nicht erklären. Nun stellt sich aber die Frage, wie der Konzern die fortgesetzte Nutzung von Steinkohle-Energie die eigenen Klimaziele in Einklang bringen will.

"Das Erreichen der Klimaziele ist stark gefährdet"  

"Bei der von der Bundesregierung beschlossenen Stromproduktion durch Kohle, lässt sich mittelfristig ein deutlicher Anstieg kohlebedingter CO2-Emissionen erwarten. Diese Emissionen fließen in die Klimabilanz der EnBW mit ein. Somit wird das Erreichen der Klimaziele, insbesondere in der Energiewirtschaft, stark gefährdet", erklärt die Sprecherin.

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"Wie alle Akteure der Energiebranche, befinden wir uns aktuell leider in einem Spannungsdreieck aus den drei Anforderungen: Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit der Energie. Kurzfristig muss es zunächst darum gehen, sich gegen potenzielle Energieknappheiten abzusichern und dabei Privathaushalte und Industrieunternehmen bestmöglich zu schützen." Langfristig, so betont sie, müsse man die Energiewende umso schneller vollziehen.

Erdgas als klimafreundliche Brückentechnologie?

"Die EnBW strebt bis 2030 die Halbierung der CO2-Emissionen an und möchte bis 2035 als Gesamtunternehmen vollständig klimaneutral werden", kündigt die Sprecherin des Konzerns an. Um das zu erreichen, sei eine flächendeckende Umrüstung auf Erdgas als Elektrizitätsquelle nötig, sobald die Bundesregierung die Ressource wieder freigibt.

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"Solch eine Umstellung von Kohle auf klimafreundlicheres Erdgas ist auf dem Weg zur Klimaneutralität eine Brückentechnologie. Es ist ein notwendiger Zwischenschritt, da die Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien wie Wind- oder Solarenergie nicht ausreicht, um den Energiebedarf zu decken", sagt sie weiterhin. "Gas ist bereits heute der klimaschonendste fossile Energieträger und leistet einen sofortigen Beitrag zum Klimaschutz."

Auch Windräder müssen entworfen, entwickelt und verbessert werden.
Werden Windkraftwerke nicht ausreichen? | Bild: Pixabay/Pexels

Der Ausstoß von CO₂ werde mit einer Umstellung auf Erdgas um 63 Prozent reduziert. Ebenso würde die Emission von Stickoxiden reduziert und die Ausdünstung von Schwermetallen ganz wegfallen.

Wann wird auch Karlsruhe durch Erdgas mit Strom beliefert?

Ob und wann sich die beschriebenen Vorteile des Erdgases auch in Karlsruhes Rheinhafen-Dampfkraftwerk niederschlagen, könne aber noch nicht mit verbindlicher Präzision festgelegt werden.

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"Wie bei allen unseren konventionellen Kraftwerken prüfen wir regelmäßig, ob sich ein Betrieb wirtschaftlich lohnt. Für Block 8 des Rheinhafen-Dampfkraftwerks rechnen wir damit, dass dieser erst Anfang der 2030er-Jahre stillgelegt wird und bis dahin zuverlässig und umweltschonend zur Stromerzeugung für das Land und Fernwärmeerzeugung für Karlsruhe beiträgt", sagt die Sprecherin. 

"Auch Erdgas ist nur eine Übergangslösung"

Bis ins Jahr 2030 sei eine Reduktion des CO2-Ausstoßes durch die Nutzung von Erdgas also sehr gut denkbar. Vollständige Klimaneutralität sei aber auch mit einem vergleichsweise klimaschonenden Zündstoff  wie Erdgas nicht zu erreichen - immerhin ist es trotz allem ein fossiler. kohlenstoffhaltiger Energieträger.

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"Letzten Endes ist das Erdgas nur eine Übergangslösung. Perspektivisch ist der Einsatz von Wasserstoff oder anderen grünen Gasen geplant, um den Energiebedarf des Südwestens und darüber hinaus zu decken", schließt die Sprecherin. Wann  genau sich der Strom im großen Stil aus Wasserstoff speisen wird, kann aber, wie viele Fragen zur Energieversorgung, erst von einer eintretenden Zukunft beantwortet werden.