Der Entschluss des Aufsichtsrates der Stadtwerke steht fest. Ab dem 1. April dieses Jahres werden sämtliche Tarife für eine Gasversorgung um 4,05 Cent angehoben. Das gelte sowohl für Neukunden, denen derzeit grundsätzlich nur ein Grundpreis angeboten werden könne als auch für langjährige von den Stadtwerken versorgte Gasnutzer.

"Sie werden keine günstigere Alternative finden"

"Die Erhöhung äußert sich natürlich je nach Tarif und Bedarf anders", sagt Markus Schneider, Pressesprecher der Stadtwerke Karlsruhe im Gespräch mit ka-news.de. "Bei einem Einfamilienhaus mit einem Bedarf von 20.000 Kilowattstunden wird der Gaspreis um schätzungsweise 45 Prozent steigen. Eine Dreizimmerwohnung mit 3.000 bis 5.000 Kilowattstunden weniger, muss vielleicht nur 40 Prozent mehr bezahlen." Dabei würden derzeit ausschließlich Kunden in Karlsruhe beliefert.

Grundversorger werden kritisiert, weil sie bei Neukunden teilweise extrem hohe Energietarife fordern.
Grundversorger werden kritisiert, weil sie bei Neukunden teilweise extrem hohe Energietarife fordern. | Bild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Gerade diese Karlsruher Kunden nehmen die Preissteigerung aber mit entschiedener Abneigung auf, wie verschiedene Leser ka-news.de gegenüber mitteilen. So schreibt einer davon: "Was ich eine Frechheit finde ist, dass wir in Deutschland, egal ob Strom oder Gas, geschröpft werden. Im europäischen Umfeld sind wir in Deutschland immer noch Spitzenreiter was das Thema Kosten betrifft."

Einschätzungen wie diese sind unter den Lesern jedoch nicht universell. So schreibt Instagram-Nutzer Tobias Pfalzgraf: "Die Stadtwerke sind im Vergleich zu anderen Anbietern so günstig, dass sich ein Wechsel zu ihnen lohnt." Damit gingen die Stadtwerke auch voll konform, weshalb sie auch keine Kundenverluste fürchteten.

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"Selbst unter den Preissteigerungen werden die Stadtwerke langfristig im Mittelfeld der Gaskosten liegen. In ganz Deutschland werden die Gaspreise ab Frühjahr nämlich in die Höhe schnellen. Vermutlich sogar in ganz Europa, wo Deutschland auch in diesem Kontext bisher einen Durchschnittsplatz belegte", sagt Schneider. "Es wird wohl kaum möglich sein, innerhalb Deutschlands ein signifikant günstigeres Angebot zu finden", so Schneider. Die Ursachen dafür lägen gleichsam im wirtschaftlichen, wie im politischen Sektor.

"Eine historische Preissteigerung"

"Wir sprechen hier von einer historischen Preissteigerung des Rohstoffes Erdgas. Um ganze 40 Prozent schlugen die Einkaufskosten auf - so etwas habe ich in all meiner Zeit hier noch nicht erlebt. Dabei spielen die niedrigen Gasvorräte Europas, der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, die hohe Nachfrage in Asien und noch einige andere Faktoren eine Rolle", erklärt Schneider. "Teilweise konnten die Stadtwerke Karlsruhe diese Probleme aber begrenzen."

Energieberg der Stadtwerke Karlsruhe
Der Energieberg der Stadtwerke Karlsruhe. | Bild: Stadtwerke Karlsruhe

Diese kauften ihre Bestände nämlich sowieso "an vier festgesetzten Terminen im Jahr vor und konnten im August - vor der Kostenexplosion - einen guten Preis erzielen. Durch diese Strategie gelingt es uns grundsätzlich, einen stabilen Preis anzubieten. Wir sind nie die billigsten auf dem Markt - aber auch nie die teuersten", so der Pressesprecher. Anders stehe die Sachlage aber bei sogenannten "Billiganbietern", einem weiteren gewichtigen Grund für deutschlandweite Gaspreissteigerungen.

Der Domino-Effekt durch "Billiganbieter"

"Viele sogenannte 'Billiganbieter' setzten darauf, die Gasbestände sehr kurzfristig einzukaufen und so einen Niedrigpreis bieten zu können. Das war für viele Kunden mit geringerem Einkommen auch sehr attraktiv", so Schneider. "Mit den steigenden Gaspreisen konnten sich viele dieser 'Billiganbieter' ihr eigenes Konzept aber nicht mehr leisten."

Ein Gaszähler hängt im Keller eines Einfamilienhauses. Wirtschaftsminister Habeck will, dass Deutschland in Zukunft weniger abhängig von ...
(Symbolbild). | Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

So haben - laut Bundesnetzagentur - 41 Energielieferanten im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet. "Andere haben die Verträge ganz einfach nicht mehr erfüllt und die Gasbestände - trotz Kaufverhältnis mit Kunden - zu höheren Preisen an der Börse verkauft. Daher ermittelt nun die Staatsanwaltschaft in einigen Fällen und viele Kunden von 'Billiganbietern' standen durch gebrochene Verträge und Insolvenzen ohne Gasversorgung da." Kunden, die nun keine andere Wahl hatten, als sich an die Stadtwerke zu wenden.

"Wir werden nicht von der Preissteigerung profitieren"

Nun seien die Stadtwerke als staatliche Einrichtung dazu verpflichtet, den Grundbedarf an Energie zu decken. Somit müssten sie die Kunden, die ihre Gasversorgung durch "Billiganbieter" verloren haben in ihr Netz einbinden. "Um bei den sinkenden Gasbeständen alle Kunden versorgen zu können, müssen wir die Preise noch weiter erhöhen", erklärt der Pressesprecher weiterhin.

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"Wir als Stadtwerke werden aber wohl kaum davon profitieren, denn trotz steigender Kundenzahlen und angepassten Preisen müssen auch wir den steigenden Kosten des Erdgases beikommen." Andere Ressourcen seien laut Schneider allerdings nicht betroffen. Zumindest die Strompreise der Stadtwerke werden sich nach Schneiders Einschätzung in einem stabilen Bereich bewegen.