Elf leicht verletzte Beamten verzeichnet die Karlsruher Polizei nach ihrem Einsatz am Samstag. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen - etwa 25 gewaltbereite, selbsternannte "Nationalisten" und rund 40 angriffslustige Demonstranten der linken Szene hatten es auf die Polizisten abgesehen - warfen laut OB Mentrup mit Eiern, Böllern und Farbbeuteln. "Die Bediensteten kamen glücklicherweise mit Prellungen und Fleischwunden davon und sind nach dem Wochenende wieder einsatzbereit", erklärt Leitender Polizeidirektor, Roland Lay, am Montag im Rathaus.

"Es wäre unverhältnismäßig gewesen, die Nazis marschieren zu lassen"

"Das hat uns gezeigt, dass der Verbotsantrag der Stadt im Vorfeld richtig war - neben den brutalen Angriffen hatten wir es auch mit Verfassungswidrigkeit anderer Art zu tun", resümiert Oberbürgermeister Frank Mentrup. Mit dieser Aussage bezieht er sich auf einige volksverhetzende Sprüche auf den Plakaten der Nazis: Im Anschluss an den Demonstrationstag sei laut der Stadt eine Welle mit Bildern von Holocaust-Leugnern und plakatierten Kriegsverbrechern durch die deutsche Medienlandschaft.

Schon kurz nach Ankuft der rund 200 Rechts-Demonstranten am Bahnhofsvorplatz sei es laut Mentrup zu Ausschreitungen gekommen, hatten sich doch im Laufe des Vormittags 2.500 Bürger versammelt, um den Ankömmlingen keinen Weg in die Karlsruher Innenstadt zu lassen. "Wir hatten letztlich die Wahl, die harmonisch auftretenden Demonstranten gewaltvoll zurückzudrängen, um die Nazis marschieren zu lassen, oder nachzugeben und, etwa zwölf mal weniger, auf Krawall gebürstete Menschen stehen zu lassen", so Bürgermeister Wolfram Jäger. Schließlich beschlossen die Behörden, die angemeldete Nazi-Demo abzusagen und ihnen lediglich eine stationäre Veranstaltung zu genehmigen. "Alles andere wäre unverhältnismäßig gewesen", so Polizeidirektor Lay.

Rechte kündigen juristische Schritte gegen Karlsruhe an

Den Rechten sei so eine lokale Kundgebung geblieben, ihren Karlsruher Gegnern hingegen offenbar der Triumph: "Hand in Hand haben wir gezeigt, wofür Karlsruhe steht", so OB Mentrup. Es sei schön gewesen zu sehen, wie engagiert sich die Bürger am Samstag gegen den Extremismus in der Fächerstadt eingesetzt hätten. So falle die Bilanz, trotz einigen Vorkommnissen, die sowohl von rechten, als auch von linken Extremisten ausging, positiv aus - man wolle in sich künftig in ähnlichen Situationen erneut für ein Verbot von rechten Demonstrationen in Karlsruhe aussprechen und maximal eine stationäre Kundgebung wie die am Samstag bewilligen. "Wir haben ja gesehen, zu was die fähig sind", betont Mentrup.

Doch dieses Thema könnte in Karlsruhe schneller wieder anstehen, als es dem OB und der Stadt lieb sind: Einige beteiligte Nazis hätten bereits im Internet gedroht, rechtliche Schritte gegen das spontane Demonstrationsverbot der Behörden am Samstag einzuleiten - "wir sehen uns bald wieder", soll es provozierend seitens der rechten Szene geheißen haben. Auf diese Ankündigung reagiert Mentrup am Montag gelassen: "Abwarten - die sollten sich das genau überlegen."

Derzeit mache dem OB nämlich eine andere Erfahrung vom Samstag Sorgen: "Dass die rechten Demonstranten ihren Protest kurzerhand nach Bruchsal verlagern, hatten wir nicht erwartet", so Mentrup. Nun müsse laut OB künftig damit gerechnet werden, dass angekündigte Proteste in der Region auch auf umliegende Ortschaften ausufern könnten. Karlsruhe müsse also stets bereit sein, ungewollte Besuche abwehren zu können.

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