"Der S-Bahn-Lärm an der Kurve Richtung Stadt und an der Haltestelle Poststraße ist unglaublich und in der gesamten Wohnung zu hören. Wir sind noch nicht Mal die am meisten betroffenen Personen. Mit der neuen S-Bahn-Führung fahren meines Wissens auch noch mehr Bahnen durch diese Kurve, was die Häufigkeit deutlich erhöht", schreibt ka-Reporter Matthias in einer Mail an die Redaktion von ka-news.de.

ka-Reporter beschweren sich über Schienen-Lärm in Karlsruhe

Es geht um das Quietschen der Karlsruher Straßenbahnen, wenn diese um eine Kurve fahren. Wie Matthias berichtet, sei er kürzlich in die Rüppurrer Straße in Nähe der Haltestelle Poststraße gezogen und werde nun täglich mit dem Lärm der Bahnen konfrontiert.

Eine Bahn auf der Kaiserstraße. (Archiv: Februar 2018)
Eine Bahn auf der Kaiserstraße. (Archiv: Februar 2018) | Bild: Thomas Riedel

Matthias ist nicht der erste ka-Reporter, der über Lärm-Probleme der Karlsruher Bahnen berichtet. Im April 2022 berichtete ein anderer ka-Reporter Ähnliches aus Knielingen. "Es ist eine Qual, so zu leben", hieß es damals im Gespräch mit ka-news.de. Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) erkannten das Problem und luden zum Austausch mit den Bürgern. 

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Eine kurzfristige Lösung gab es damals nicht. Im Dezember kündigten die VBK dann an, mit einer technischen Neuerung an den Bahnen für eine geringere Lautstärke sorgen zu wollen. Im Frühjahr 2023 soll die Maßnahme an den Bahnen umgesetzt werden.

Schmiermittel auf Öl-Basis soll helfen

Mit der Maßnahme soll über eine neue technische Vorrichtung ein biologisch abbaubares Schmiermittel auf Öl-Basis während der Fahrt auf die Räder der Bahnen gegeben werden. In der Folge soll die Reibung zwischen Rad und Schiene und damit das Quietschen reduziert werden, wie Nicolas Lutterbach, Sprecher der VBK im Gespräch mit ka-news.de erklärt. 

Video: Melissa Betsch

Zum Zeitpunkt des Gesprächs habe die Umsetzung der Maßnahme noch nicht begonnen, auch ein genauer Termin für den Start stehe aktuell nicht fest. Nur der Zeitraum "Frühjahr 2023" bleibt angepeilt. 

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Akustische Wunder oder Bahnen, die nach der Aufrüstung schleichend durch die Fächerstadt fahren, dürfen die Karlsruher aber nicht erwarten. Schließlich handle es sich bei dem quietschen um ein physikalisches Phänomen und trete weltweit bei Straßenbahnen auf, so Lutterbach.

Trockenheit sorgt für mehr und lauteres quietschen

Außerdem werde der Schienenlärm von mehreren Faktoren beeinflusst. Rauigkeit, Spurweite, Schienenneigung, Kurvenradius, Schienenprofil, Radprofil, Verschleiß und das Wetter würden das Quietschen fördern oder mindern.

Schienensituation in Knielingen
Bild: Melissa Betsch

"Trockenheit führt zum Beispiel eher dazu, dass es in Kurven laut quietscht und im ländlichen Bereich sprich wo die Kurvenradien größer sind als in der Stadt, ist das Quietschen weniger ein Problem als in Karlsruhe", meint Lutterbach.

Lärm-Hotspots in Karlsruhe

In Karlsruhe trete das Problem vor allem in Knielingen im Bereich der Wendeschleife auf und auch im Kurvenbereich in der Tullastraße. Auch das neue unterirdische Gleisdreieck am Marktplatz sei anfällig für das Quietschen der Bahnen. "Lärm ist aber auch immer eine subjektive Wahrnehmung", so der VBK-Sprecher.

Eine Bahn fährt am Marktplatz um eine Kurve.
Eine Bahn fährt am Marktplatz um eine Kurve. | Bild: Elena Sausen

Hinzu kommt: Durch das Karlsruher Zwei-Schienen-Modell entstehe im komplexen Zusammenspiel aus Schiene und Rad eine "wenig vergleichbare Komplexität", wie aus Unterlagen der September-Sitzung des Karlsruher Gemeinderates zu entnehmen ist.

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Weiter heißt es dort: "In Kurven muss das äußere Rad einen längeren Weg zurücklegen als das Innere. Die Räder sind jedoch starr gekoppelt, sodass die Wegedifferenz durch konische Radprofile ausgeglichen werden muss. Bei sehr engen Radien reicht die Konizität nicht aus: So kommt es einerseits zum sogenannten Stick-Slip-Effekt, also Schlupfbewegungen längs und quer mit Quietschgeräuschen und andererseits einem Anlaufen des Spurkranzes der vorderen Achse gegen die bogenäußere Schiene."

Während der Sommerferien 2021 war an der Kreuzung Poststraße / Ettlinger Straße eine Großbaustelle. (Archiv: September 2021)
Während der Sommerferien 2021 war an der Kreuzung Poststraße / Ettlinger Straße eine Großbaustelle. (Archiv: September 2021) | Bild: Stadt Karlsruhe

Auch die Sicherheit spiele bei der Installation der Schmieranlagen eine wichtige Rolle, wie Lutterbach erklärt. "Die Neuerung bedarf einer gesetzlichen Genehmigung, da Bahnen auch mal schnell zum Stehen kommen müssen. Wir können die Räder also nicht unbegrenzt schmieren."

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Alternativ werden laut Lutterbach deswegen auch stationäre Schmieranlagen im Schienenbereich genutzt. Diese Anlagen seien schon länger im Einsatz und würden entweder auf ein Schmiermittel auf Wasser- oder Öl-Basis setzen. Ziel sei auch hier die Verbesserung des Rad-Schiene-Kontaktes.

Manche Anlagen im Winter abgeschaltet

Nachteil: Im Winter müssen Anlagen, welche auf wasserbasiertes Schmiermittel setzen, abgeschaltet werden. Dies war auch bei den Anwohnern in Knielingen Thema. "Auch wenn wir in Karlsruhe selten strenge Winter haben, sind die Anlagen direkt an den Rädern deutlich flexibler", meint Lutterbach. Unterirdisch - an den Marktplatz-Haltestellen - soll bald eine feste Schmieranlage in Betrieb gehen. 

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"Das Thema der quietschenden Bahnen beschäftigt uns schon über Jahre und wir sind dazu auch mit anderen Städten im Austausch", so Lutterbach. "Es ist auch im Interesse der VBK das Quietschen und Lärm zu reduzieren, denn das Quietschen bedeutet verschleiß und Verschleiß bedeutet Kosten", so Lutterbach abschließend.