Es herrscht ein reges Getümmel am Dienstagabend in der Wikingerstraße 13 am Rheinhafen. Grund dafür ist ein lebensgroßes Bahnmodell der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) in der Tramtrain Halle.
"Also ich finde, dass die Bahn noch zu viel schwarz hat. Die dürfte gerne wieder gelb und rot sein", sagt zum Beispiel Besucher Friedgard mit Blick auf die Außenansicht der Bahn. Was sie in diesem Moment noch nicht weiß: die neuen Bahnen werden wieder in ihren klassischen Farben erstrahlen. "Karlsruhe ist einfach auf rot und gelb gepolt", bestätigt Nicolas Lutterbach, Pressesprecher der VBK, auf Nachfrage von ka-news.de.
Doch neben der Farbe hat Friedgard noch ein weiteres Anliegen. Die Schlaufen an den Haltestangen seien etwas zu hoch angebracht worden. "Ich komm da kaum dran und so klein bin ich jetzt auch nicht", sagt sie.

Per Kopfnuss durch die City?
Ihr Mann Herbert kritisiert außerdem die Anbringung der Steckdosen. Diese befinden sich im Modell an der Außenwand eines Viererplatzes. "Das ist total unpraktisch! Wenn ich da mein Handy lade und mein Gegenüber steigt aus, dann ist doch die Gefahr gegeben, dass er mir das Kabel aus Versehen runterreißt" sagt er. Allgemein gefalle ihm die Aufteilung der Vierersitzplätze nicht ganz so gut. "Die sind einfach zu dicht aneinander angebracht. Die Bahn muss nur mal abrupt bremsen und man verpasst sich gegenseitig eine Kopfnuss."

Helle Beleuchtung top, Komfort flop
Etwas euphorischer zeigt sich Familie Kretzschmar, die sich das neue Modell gemeinsam mit Sohn und Tochter betrachten. "Also mir gefällt die Optik schon sehr gut und wenn die Bahnen wieder gelb und rot werden, noch umso mehr", sagt Mutter Kretzschmar. Auch die helle Beleuchtung sei ein Pluspunkt.
Einen Wermutstropfen gibt es dann laut Familie Kretzschmar aber doch: Die Griffe an den Sitzen. Hier sollte sich an der alten Bahnflotte orientiert werden. "Naja, aber vielleicht kommen da ja auch noch andere Sitze rein", überlegt Vater Kretzschmar.
Ebenso sei der gemütliche Komfort bei den Sitzen nicht zufriedenstellend. "Das liegt aber bekanntermaßen an den Brandschutzvorkehrungen. Die lassen eine dickere Polsterung nicht zu", so Kretzschmar weiter.

Zum Thema Farbwahl hat auch Elvira Wandel eine Idee. "Es wäre doch vielleicht ganz geschickt, die Sitze in unterschiedlichen Farben zu gestalten und so Benutzerkategorien deutlich zu machen", überlegt sie. So würde direkt ersichtlich, dass beispielsweise ein grüner Sitzplatz für ältere Menschen gedacht ist. "Und langweiliger würde es durch so einen Farbklecks sicher nicht werden", ergänzt sie schmunzelnd.
Außerdem könne man sich, was den Ein-und Ausstieg anbelange, an Paris orientieren. "Dort, steigt man im vorderen Bereich ein und im hinteren Bereich aus. So ein Geknubbel, wie es hier manchmal an den Türen ist, muss ja nicht sein."
Bessere Kennzeichnung der Sitzplätze
Probe gesessen haben auch Emilio und Santiago. Die zwei seien, laut ihrer Mutter, regelrecht vernarrt in alles, was mit Schienen und Bahnen zu tun hat. "Also mir gefällt das Modell schon ganz gut, aber natürlich könnte man hier und da noch was ändern", sagt Emilio. Besonders gefalle ihm, dass die Bahnen höher seien. "Da fällt einem nicht die Decke auf den Kopf", sagt er.

Sein Bruder Santiago stimmt ihm zu und ergänzt: "Ich finde es voll toll, dass die Plätze für Rollstuhlfahrer jetzt noch besser gekennzeichnet werden und Fahrradfahrer oder auch Kinderwägen einen Platz haben." Emilio merkt dabei allerdings an, dass sich die Haltegriffe direkt im Nacken befänden, was alles andere als bequem und sicher sei.

Fazit der Karlsruher zum Bahnmodell
Alles in allem scheinen die Karlsruher aber zufrieden mit dem neuen Stadtbahnmodell. "Wir freuen uns schon auf die erste Fahrt mit der neuen Bahn", sagt Emilio zum Abschied. Am 24. (10 bis 13 Uhr) und 25. Januar (18 bis 20 Uhr) gibt es für alle die, die es diese Woche nicht geschafft haben, nochmal die Möglichkeit, Probe zu sitzen.
Wann kommen die neuen Bahnen für Karlsruhe?
Die AVG bekommt ihre neuen barrierefreien Bahnen mit Toilettenkabine ab 2025. Die VBK erwartet die ersten Niederflur-Straßenbahnen für den stufenlosen Einstieg in der Innenstadt ab 2026. Mit den Neufahrzeugen werden ältere Modelle ersetzt.
