Ab dem ersten September, kommendem Donnerstag also, dient das millionenfach verkaufte 9-Euro-Ticket höchstens noch als Souvenir. Ab dann nämlich werden auch die Monatstickets wieder zu ihrem gewohnten Kostenrahmen zurückkehren. Damit endet für viele Kunden eine große Entlastung, weshalb bereits Gespräche über Nachfolgeprogramme geführt werden.

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Aus dem Fahrkartenautomat des KVV werden bis auf weiteres wohl nur noch teurere Monatstickets kommen. | Bild: Thomas Riedel

So spricht sich die SPD-Fraktion des Bundestages laut diverser Medienberichte dafür aus, ein langfristig günstiges Öpnv-Ticket ins Leben zu rufen, dass bundesweit gültig sein soll. Etwa ein 49-Euro-Ticket oder auf regionaler Ebene sogar ein 29-Euro-Ticket. Dies würde die Bahnkunden ohne Zweifel entlasten. Doch könnten sich regionale Transportfirmen ein solches Ticket überhaupt leisten?

"Die Kosten für Verkehrsunternehmen explodieren"

Immerhin sprach der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bereits von mehr Kosten und weniger Einnahmen, die mit dem 9-Euro-Ticket einhergingen. In welchen Dimensionen war der KVV also mehrbelastet? Wäre er bereit, auch langfristig ein günstiges Monatsticket sowie das 49 oder 29 Euro Ticket anzubieten? "Nicht ohne Hilfe", sagt ein Sprecher des Verbundes.

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"Eine preisgünstige Anschlusslösung an das 9-Euro-Ticket kann es nur geben, wenn der Bund diese auch finanziert. Das Land und die kommunalen Aufgabenträger können dies finanziell nicht alleine stemmen. Allein durch die rasant steigenden Energiepreise sowie höhere Personal- und Materialkosten explodieren derzeit die Kosten für die Verkehrsunternehmen", sagt er.

Im kommenden Jahr ist mit Tariferhöhungen zu rechnen

"Mit Blick auf die notwendige Verkehrswende muss der Bund die im Koalitionsvertrag verankerte Erhöhung der Regionalisierungsmittel nun auch umsetzten und hier schnellstmöglich zu einer Lösung kommen. Ansonsten reden wir demnächst nicht über dauerhaft günstigere Tickets, sondern über notwendige Preissteigerungen und Angebotskürzungen", erklärt er weiterhin. "Anders ist die für die Verkehrswende nötige Ausbau des Angebots nicht zu stemmen."

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Bereits zum 1. August habe es bei mehreren Tarifen des KVV eine Preissteigerung von 2,34 Prozent gegeben. "Die seitdem rasant gestiegenen Kosten für Energie oder Material für unsere Infrastruktur sind hierin noch nicht berücksichtigt. Für das kommende Jahr ist bei der Tarifpassung sicherlich dann von anderen Werten auszugehen."

Das heißt: ab dem 1. September erstmal wieder die regulären Preise für ein Monatsticket (gültig im Stadtgebiet Karlsruhe beziehungsweise zwei Waben) gezahlt werden, wofür inzwischen 69,50 Euro fällig werden. Zuvor kostete das Monatsticket noch 68 Euro. 

9-Euro-Ticket Fazit kommt im Herbst

Von größeren finanziellen Entlastungen für Kunden des Öpnv kann also vorerst nicht die Rede sein. Doch wenn sich die Preise in naher Zukunft schon verteuern, hat sich das Ticket denn wenigstens im Sinne der Verkehrswende gelohnt? Teils teils, so der Sprecher des KVV.

In Baden-Württemberg bleibt die Maskenpflicht im ÖPNV weiter bestehen. Allerdings ist ab dem 3.
(Symbolbild) Ab September wird das 9-Euro-Ticket bundesweit nicht mehr beim KVV angeboten. | Bild: Nicolas Lutterbach /KVV

"Für eine abschließende Bilanz ist es sicherlich noch zu früh. Wie das 9-Euro-Ticket tatsächlich genutzt wurde und ob es dadurch zu einer nachhaltigen Verlagerung des Verkehrs vom Auto auf den Öpnv gekommen ist, wird derzeit aber bundesweit untersucht. Fundierte Ergebnisse dieser Studie sind im Laufe des Herbstes zu erwarten", so seine Worte.

Positive Aspekte des 9-Euro-Tickets aus Sicht des KVV

Grundsätzlich sehe der KVV aber durchaus einige positive Aspekte, die das 9-Euro-Ticket mit sich gebracht hat. "Eine spürbare Zunahme der Fahrgastzahlen konnten wir vor allem in Bahnen an Wochenenden auf beliebten Ausflugsstrecken verzeichnen. Trotzdem konnten wir die Nachfrage aber gut mit den vorhandenen Fahrzeugkapazitäten abdecken", heißt es gegenüber ka-news.de.

Fahrstuhl Europaplatz (Richtung Mühlburger Tor).
Mit den Angeboten des KVV kann man vom Karlsruher Stadtgebiet aus in die schönsten Ausflugsziele der Region fahren. | Bild: Jeremy Gob

Die gesellschaftliche Wirkung, die das 9-Euro-Ticket entfaltete, dürfe natürlich ebenfalls nicht vergessen werden: "Das Ticket war insofern ein Erfolg, weil es die politische und gesellschaftliche Diskussion um die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs und dessen Rolle bei der erforderlichen Verkehrswende belebt hat".

Wie verträgt sich ein günstiger Tarif mit Corona?

Mehr Kunden und mehr Aufmerksamkeit für öffentliche Verkehrsmittel seien also wichtige Erfolge, die mit dem 9-Euro-Ticket verzeichnet werden konnten. Besonders der Kundenaspekt hatte dabei aber den Vorteil, dass die monatlichen neun Euro im Sommer angeboten wurden. Ein potenzielles Nachfolgeticket würde auch im kommenden Winter gültig sein - und in den letzten zwei Wintern stiegen die Corona-Zahlen merklich an.

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Personalausfall ist bei den Verkehrsunternehmen des KVV keine Neuerscheinung und wurde gerade durch Corona nur noch verschlimmert. Was also, wenn die Corona-Zahlen steigen, immer mehr Personal ausfällt, aber gleichzeitig mehr Fahrgäste von günstigen Tarifen in die Bahnen gezogen werden? Könnten der KVV zu viele Kunden für zu wenig Personal bekommen?

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Dazu könne sich die KVV erst im konkreten Fall äußern: "Solchen Szenarien möchten wir erst dann als besprechen, wenn diese sich einigermaßen konkret abzeichnen beziehungsweise tatsächlich eingetreten sind."