Eine Freude für den Fahrgast, ein Graus für das Geschäft. Ungefähr so könnte man die Etablierung des 9 Euro Tickets beschreiben. Zwar wird dieses über den Bund bezahlt, der dafür rund 2,5 Milliarden Euro locker gemacht hat, doch der KVV und Oberbürgermeister Frank Mentrup sehen diese Idee durchaus kritisch - trotz über 40.000 verkauften Tickets.

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Steigende Betriebs- und Energiekosten

Der Grund: Das billige Ticket könnte unter anderem falsche Vorstellung über weitere Verbilligungen nach dem Auslaufen des Tickets hervorrufen und somit für ein "böses Erwachen" bei den Kunden sorgen.

Des Weiteren decke der Bund zwar mit dem Geld die jetzt entstandenen Kosten des 9 Euro Tickets, allerdings nicht die steigenden Betriebs- und Energiekosten, die im Rahmen  der Mobilitätswende entstehen.

Alexander Pischon, Geschäftsführer der AVG, VBK, KASIG und des KVV
Alexander Pischon, Geschäftsführer der AVG, VBK, KASIG und des KVV | Bild: christian ernst

"Nach dem Auslaufen des 9 Euro Tickets sind wir nicht in der Lage, diese günstigen Preise in einer ähnlichen Art und Weise fortzuführen. Wenn keine weiteren Finanzmittel kommen, kann man das in dieser Richtung auch nicht weiterführen. Wir sind deshalb von der Aktion nur mittelmäßig begeistert", erklärt der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH (VBK), Alexander Pischon, auf einer Pressekonferenz am Mittwochmorgen. 

Keine Kapazität für weitere Vergünstigungen

Auch der Oberbürgermeister sieht das "Signal" des 9 Euro Tickets kritisch: "Wenn wir schon jetzt mit den Kapazitäten nicht zurechtkommen und der Bund vielleicht so ein Experiment auf Dauer einführen will, dann muss der Bund nicht nur die Reduzierung der Fahrpreise übernehmen, sondern auch die Kosten für den Ausbau und den Betrieb. Das Angebot verbessern und gleichzeitig alles billiger machen, das können wir uns als Träger des ÖPNV nicht leisten."

Der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz.
Der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz. | Bild: Uli Deck/dpa/Archivbild

Ein weiteres Problem: Die Einführung des 9 Euro Tickets wird zu einem Ansteigen der Frequenzen führen und das wiederum zu überfüllten Bahnen. Speziell in den Sommerferien sei mit einer höheren Auslastung zu rechnen. Allerdings verfüge der KVV nicht über genügend Spielraum bei den zusätzlich benötigten Wagons. 

Preiserhöhungen im Sommer geplant

Vielmehr müsste zum 1. August sogar eine Tarifanpassung von zirka 2,34 Prozent gerechnet werden. Dies sei das Resultat einer neuen Berechnung, die der KVV-Aufsichtsrat aufgesetzt habe. Zusammengesetzt aus Energie-, Personal und Materialkosten. Doch diese Erhöhungen hätten durchaus ihre Gründe, wie der OB in der Pressekonferenz weiter ausführt.

Die Bundesregierung hat Ende März 2022 ein Energie-Entlastungspaket vorgestellt.
Die Bundesregierung hat Ende März 2022 ein Energie-Entlastungspaket vorgestellt. Darin ist unter anderem ein zeitlich begrenztes 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr vorgesehen. | Bild: Felix Hörhager/dpa

"Wir wollen nicht, dass der Eindruck entsteht, dass wir hinter dem 9 Euro Ticket mal eben eine Tarifanpassung durchführen. Aber es gibt einfach eine Notwendigkeit, dass wir regelmäßig Tarifanpassungen vornehmen. Denn wir haben trotz der Anpassungen weiterhin ein hohes Betriebskostendefizit und das wird in den nächsten Jahren mit der Inflation weiter zunehmen", berichtet Mentrupt und ergänzt:

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"Um die Anpassung kommen wir nicht herum. Diese müsste normalerweise noch deutlich höher ausfallen, um die gestiegenen Preise aufzufangen. Aber der Aufsichtsrat hat entschieden, den im vergangenen Jahr eingeschlagenen Kurs, jährlich und dafür moderat zu erhöhen, fortzusetzen", so der OB weiter.

Ausgenommen von den Erhöhungen seien "ausdrücklich" die neuen Produkte des KVV, die erst im Dezember eingeführt wurden. Darunter fallen beispielsweise der Luftlinientarif und Homezone. 

Die Erhöhungen im Überblick:

  • Einzelfahrscheine
    Waben 1 bis 3 bleiben im Preis stabil. Lediglich die Waben zwischen 4 und 7 um 10 Cent pro Ticket angehoben. Kinderfahrkarten sind ausgenommen.
  • Tageskarten
    Die Tageskarte für eine Person im Bereich bis zu drei Waben bleibt preislich gleich. Die Citykarten für zwei bis fünf Personen werden leicht angepasst. Die Preise der Regiokarten sollen für jede Nutzerzahl "moderat" angehoben werden.
  • Monatskarten
    Bei Monatskarten sollen Anpassungen vorgenommen werden, die jedoch unterhalb des Indexwertes von 2,34 Prozent bleiben