So lange ist es noch nicht her, da wäre ein solches Aufgebot dicht an dicht gedrängter Menschen  wie am Pfingstsamstag undenkbar gewesen. Doch nicht nur aus coronatechnischer Sicht ist die schiere Masse an Fahrgästen, die sich durch das 9-Euro-Tickets am vergangenen Pfingstsamstag am Karlsruher Bahnhof einfanden, problematisch gewesen.

Zahlreiche Menschen, zum Teil mit Fahrrädern, steigen am Berliner Hauptbahnhof in einen Regionalzug der Linie RE5 nach Rostock.
Der Andrang in die Züge war ungewohnt groß. | Bild: Monika Skolimowska/dpa

Menschen verstopften die Bahnen, die Bahnsteige, die Durchsagen gingen unter und einige Personen überquerten die Gleise, wie die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) berichten.

Enormes Reiseaufkommen 

Zwar musste laut Angaben der Bundespolizei während des Pfingstwochenendes zu keiner Zeit eingegriffen werden, doch dass das jetzige Reiseaufkommen die Kapazitäten der Bahnunternehmen sprengt, ist auch ihre Einschätzung. 

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Langfristig ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass es weniger wird, denn die Verkehrswende wird vermutlich nicht nur der Deutschen Bahn, sondern auch den VBK die Kunden in die Bahnen spülen. Was also tun, um sich vorzubereiten?

Pfingstwochenende lief gut für die VBK

Die Deutsche Bahn selbst gab ka-news.de zu ihren Plänen bezüglich zukünftigen Kundenservice keine Rückmeldung. Dafür erklärt aber die VBK, wie das 9-Euro-Ticket ihr Tagesgeschäft und die nähere Zukunft gestalten könnte.

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"Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden mit den Erfolgen des Neun-Euro-Tickets", sagt die Pressesprecherin der Verkehrsbetriebe, Sarah Fricke. "Seit der Einführung haben wir sehr viel mehr Kunden und natürlich wünschen sich alle Verkehrsunternehmen mehr Zulauf", sagt sie. 

"Dem Pfingstverkehr war von unserer Seite aus sehr gut beizukommen. Die ausflugsattraktiven Linien, etwa die S8 in Richtung Murgtal, wurden dabei natürlich am stärksten genutzt", erklärt sie gegenüber ka-news.de

Eine Stadtbahn fährt zwischen Rastatt und Kuppenheim auf der Murgtalbahnstrecke.
Eine Stadtbahn des Karlsruher Doppelsystems fährt zwischen Rastatt und Kuppenheim auf der Murgtalbahnstrecke. | Bild: Uli Deck/dpa

An ihre Belastungsgrenze sei die VBK an Pfingsten aber nicht gekommen. "Genau genommen hat uns auch das Neun-Euro-Ticket noch nicht zu 100 Prozent auf das Niveau von vor Corona gebracht. Wir haben also immer noch ein wenig Puffer, was Personal und Bahnen angeht", so Fricke. Dass dieser aber im Kontext der Verkehrswende nicht lange halten wird, sei den Verkehrsbetrieben mehr als bewusst.

"Wir brauchen eine verstärkte Infrastruktur an vielen Stellen"

"Lange vor Einführung des Tickets war uns natürlich klar, dass die Verkehrswende für uns sehr viel mehr Kunden bedeuten wird. Aber damit wir die zukünftigen Aufgaben auch stemmen können, brauchen wir mehr Bahnen, mehr Personal und vor allem eine verstärkte Infrastruktur in und um Karlsruhe", wie Fricke erklärt. "Zum Beispiel braucht es mancherorts einen zweigleisigen Ausbau des Schienennetzes."

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Als Beispiel nennt sie die Strecke nach Leingarten und Schwaigern, die mit der Karlsruher S-Bahn zu erreichen sei. "Dort ist bereits ein Projekt angelaufen, um die Gleisinfrastruktur zu erweitern. Sie soll dort in beiden Richtungen zweigleisig ausgebaut werden, sodass mehr Züge fahren und aneinander vorbei können." Hierbei sei die Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) zuständig, um die Strecke ins Karlsruher Schienennetz einzubinden,

Mehr Tram-Trains für Karlsruhe?

Gerade diese Verbindung in die Fächerstadt stelle die Verkehrsbetriebe vor besondere Herausforderungen. "Karlsruhes Zweisystem-Schienenbahn funktioniert nicht mit  gewöhnlichen S- oder Straßenbahnen, sondern Zügen, die die Aufgabe von beidem erfüllen können. Sogenannten Tram-Trains", sagt Fricke. "Im Hinblick auf die Verkehrswende müssen wir genügend davon einsatzbereit halten."

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Erste Bestellungen seien dabei schon vor dem 9-Euro-Ticket angemeldet worden. "Im Januar gaben wir bekannt, dass wir zusammen mit sechs anderen Verkehrsunternehmen einen Auftrag an die Firma Stadler in der Schweiz aufgegeben. Diese sollen bis 2026 mindestens 148 Fahrzeuge an VBK und AVG liefern. Hierbei muss aber gesagt werden,  dass diese nur als Ersatz für veraltete Modelle dienen wird", sagt Fricke.

Wie viel Ausbau benötigt wird ist noch unsicher

Aktiv vermehrt werde die Zahl der Bahnen in Karlsruhe dadurch nicht. "Natürlich werden wir die Bahnen durchaus vermehren müssen, sollte sich die Nachfrage der nächsten Jahrzehnte durch die Verkehrswende weiter erhöhen. Gleichzeitig müssen wir dann aber auch die Infrastruktur weiter ausbauen und neues Personal anwerben und ausbilden", spricht Fricke für die Verkehrsbetriebe.

Das 9-Euro-Ticket soll ab heute dabei helfen, die Menschen in Deutschland dauerhaft zum Umstieg auf die Bahn zu bewegen.
Das 9-Euro-Ticket soll ab heute dabei helfen, die Menschen in Deutschland dauerhaft zum Umstieg auf die Bahn zu bewegen. | Bild: Bodo Marks/dpa

Wie viel Ausbau letztendlich nötig sein wird, müsse in den kommenden Jahrzehnten ermittelt werden, wie Fricke weiterhin erklärt: "Auch da sind die VBK drauf und dran, Daten zu erheben und auszuwerten.

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Natürlich werden wir das Neun-Euro-Ticket als Modellversuch für einen erhöhten ÖPNV berücksichtigen. In nächster Zukunft werden wir erst einmal sondieren, wie es den normalen Pendelverkehr beeinflusst."

Inwieweit sich der Pendelverkehr in Zusammenhang mit der Deutschen Bahn weiterentwickelt, wird in diesem Artikel ergänzt, sofern sie auf die Anfrage von ka-news.de reagiert.