"Als Stadträte lassen wir den Blick natürlich regelmäßig durch Deutschland schweifen", sagt Friedemann Kalmbach, Vorsitzender der Fraktionsgemeinschaft Freie Wähler und Für Karlsruhe im Gespräch mit ka-news.de.

Inspiration aus Berlin, Köln und München

"Als wir uns nach Ideen für die Verkehrswende und die etwas trostlose Innenstadt umgesehen haben, stießen wir auf die Fahrradtaxis in Städten wie Berlin, Köln und München", sagt er.

Friedemann Kalmbach, Stadtrat der Freie Wähler/FÜR Gemeinderatsfraktion
Friedemann Kalmbach, Stadtrat der Freie Wähler/FÜR Gemeinderatsfraktion | Bild: Roland Fränkle

Ein Konzept, das sich der Vorsitzende auch bestens für die Fächerstadt , spezifisch um die Kaiserstraße, vorstellen könnte. Daher möchte die Fraktionsgemeinschaft Freie Wähler und Für Karlsruhe (FW/FÜR) einen Antrag an den Gemeinderat stellen, damit künftig auch die Fächerstraßen von Fahrradtaxis befahren werden.

"Fahrradtaxis sind vielfältig einsetzbar"

"Uns überzeugt besonders,  wie vielfältig ein Fahrrad-Taxiservice wäre, sowohl im Alltag der Karlsruher als auch für den Tourismus", so Kalmbach weiterhin.

"Man stelle sich vor jemandem sind die Einkaufstüten nach einem Bummel in der Innenstadt zu schwer und damit auch zu mühsam, sie in die Tram zu tragen. Oder jemand kennt den weg nicht genau und möchte sich vor ein spezifisches Geschäft in der Kaiserstraße fahren lassen. Und Fahrräder erreichen viel mehr Orte als Autos."

Fahrrad-Taxi
Könnte der Anblick eines Fahrrad-Taxis auch bald in Karlsruhe Gang und Gebe sein? | Bild: pixabay/misskodak

Natürlich müsse in diesem Fall erst einmal geprüft werden, ob die Fußgängerzone in der Innenstadt überhaupt für Fahrrad-Taxis geöffnet werden kann, doch sollte dies der Fall sein "wären sie eine sehr günstige Möglichkeit, sowohl ökologisch im Sinne der Verkehrswende als auch ökonomisch für die Stadt, denn ein Fahrrad ist im Vergleich zu allen anderen öffentlichen Verkehrsmitteln besser erschwinglich und benötigt auch keinen Kraftstoff", sagt der Fraktionsvorsitzende.

"Jeder könnte einen Fahrrad-Taxiservice betreiben"

Zu diesen Vorteilen des Fahrrads käme laut Kalmbach auch noch weniger Bürokratie und Zugänglichkeit beim größten Teil der Bevölkerung hinzu. "Ein gutes Fahrrad ist im Durchschnitt für 2.500 Euro zu bekommen und benötigt keine Zulassung. Theoretisch könnte also jeder einen Fahrrad-Taxiservice betreiben oder angestellt sein, so lange er einen Gewerbeschein hat", ergänzt der Freie Wähler.

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Insofern halte es die Fraktion für sinnvoll, zunächst einen Fahrrad-Taxiservice in der Innenstadt und vielleicht um den Hauptbahnhof einzurichten und ihn je nach Resonanz auch auf andere Areale des Fächers auszuweiten. "Für Städtetouren wäre ein Fahrrad-Taxiservice auch gut machbar. Und die Kuriosität der Fahrradtaxis würde bestimmt auch Touristen anlocken", so Kalmbach.

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Alles in allem würde ein Fahrrad-Taxiservice für die Stadt nicht nur ökologisch und ökonomisch lukrativ, sondern würde sie auch attraktiver werden lassen. Man dürfe allerdings nicht vergessen, dass ein solches Projekt auch koordiniert sein will.

KVV als Betreiber der Fahrradtaxis?

Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) wäre dabei die naheliegendste Anlaufstelle, in der ein Fahrrad-Taxiservice eingebunden und reguliert werden könnte. "Dort sind wir allerdings flexibel und immerhin sind wir ja auch noch im Ideenstadium", sagt Kalmbach. "Als Betreiber könnten wir uns auch durchaus eine externe Firma vorstellen, welche infrage kommt, müssen wir aber noch prüfen und ausarbeiten", meint er weiter. 

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Aus verschiedenen Gründen würde der Stadtrat allerdings eine Partnerschaft mit dem KVV bevorzugen. Nicht nur könnte der Verkehrsverbund einen hypothetischen Taxiservice somit besser mit ihrem Verkehrskonzept takten, man könne so auch besser an die Fahrer denken. Immerhin standen einige fahrradbasierte Lieferservices in jüngerer Vergangenheit in der Kritik von Ausbeutung und Überanstrengung.

Wie verhindert man die Ausbeutung der Fahrer?

"Viele der kleinsten Fahrradunternehmen in Deutschland beuten sich ja gewissermaßen selbst aus, um auf dem Arbeitsmarkt mithalten zu können. Bei größeren Betrieben kommt es natürlich immer auf das Unternehmen und dessen Leitung an. Würde man der KVV die Leitung eines Fahrrad-Taxisservice anvertrauen, könnten wir als Stadt zumindest einen gewissen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen nehmen", meint Kalmbach.

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All das und weitere Faktoren - inklusive, wo die Fahrräder parken oder die genauen Kosten - sei bisher aber nur ein Gedankenexperiment. "Wir haben gerade erst den offiziellen Antrag zu so einem Taxiservice vor den Gemeinderat gebracht", erklärt der Fraktionsvorsitzende. "Wir müssen also erst einmal abwarten, was die Stadt sagt."

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Grundsätzlich sei Kalmbach aber guter Dinge, dass der Antrag innerhalb des Gemeinderates Anklang finden werde. "Gerade bei Grünen und CDU dürften die umwelttechnischen und wirtschaftlichen Vorteile sicher gut ankommen. Ich glaube also, dass ein solcher Fahrrad-Taxiservice auf lange Sicht durchaus denkbar ist."