Es ist der Zugang zu einer der wichtigsten Verkehrsadern von Ost nach West in Karlsruhe: Die Henriette-Obermüller-Straße mündet direkt in die Ludwig-Erhard-Allee und bietet dank Ampelsystem sicheres Geleit von den Wohnblocks zu den Hauptstraßen. Das gilt seit dem 4. Mai allerdings nicht mehr nur für den Kraftverkehr, sondern auch für Fahrräder, denn: Die Abbiegespur nach rechts wurde in einen Fahrradstreifen umfunktioniert. 

Hentiette-Obermüller-Straße/Ludwig-Erhard-Allee
Auf der Henriette-Obermüller-Straße müssen sich Rechtsabbieger nun die Spur mit Fahrradfahrern teilen. | Bild: Lars Notararigo

Bei vielen Radfahrern, deren Arbeits- und Freizeitwege häufiger über die Henriette-Obermüller-Straße führen, wird die Begeisterung nun allerdings ein wenig gedämpft. So etwa bei ka-Reporterin Stefanie: "An sich ist der neue Fahrradstreifen auch für mich als Radfahrerin großartig. Immerhin profitieren auch Fußgänger davon, weil weniger Radfahrer auf den Gehweg ausweichen", erklärt sie im Gespräch mit ka-news.de. "Ein Problem sind aber die Autofahrer."

"Autofahrer nutzen Radweg als Abbiegespur"

Diese nämlich würden seit der Einführung der Fahrradspur nur wenig Rücksicht bezüglich der zweigeteilten Verkehrsführung zeigen. "Als Radfahrer stehe ich regelmäßig hinter irgendwelchen Autos, die sich weiterhin auf der rechten Seite, dem jetzigen Fahrradweg, einordnen und ihn als Abbiegespur nutzen", so die ka-Reporterin weiter.

Hentiette-Obermüller-Straße/Ludwig-Erhard-Allee
Hat die neue Verkehrsführung Platz für Autos und Fahrräder? | Bild: Lars Notararigo

"Wenn sich einige Autofahrer dann korrekt mittig einordnen, kommt es immer wieder zu der Situation, dass sich wild schimpfende Hintermänner oder -frauen mit ihren Wagen vorbeizudrängeln versuchen, ohne auf etwaige Radfahrer zu achten - schließlich war da ja mal eine Abbiegespur", so Stefanie ärgerlich. Verkehrschaos an der Henriette-Obermüller-Straße? ka-news.de macht sich vor Ort selbst ein Bild über die Lage.

Einige Autofahrer biegen vom Radstreifen aus ab

An der Kreuzung angekommen fällt tatsächlich auf: Innerhalb einer einzelnen Stunde überfahren gleich mehrere Autofahrer die Linien des neuen Radwegs. Dieser ist allerdings gestrichelt, wodurch die Fahrer sich nicht außerhalb der Straßenverkehrsordnung bewegen, sofern der Streifen nicht gleichzeitig von einem Radler benutzt wird. Aber: Auch beim Halten an der roten Ampel achten die ankommenden Autofahrer nicht auf den Fahrradstreifen.

Hentiette-Obermüller-Straße/Ludwig-Erhard-Allee
Rechts abbiegende Fahrzeuge ordnen sich auf dem Fahrradstreifen ein. | Bild: Lars Notararigo

Auch ein ankommendes Motorrad lässt sich keineswegs von der Nutzung des eigentlich für Fahrräder reservierten Verkehrsstreifens beirren.

Hentiette-Obermüller-Straße/Ludwig-Erhard-Allee
Bild: Lars Notararigo

Konflikte mit Fahrrädern sind allerdings währenddessen nicht zu beobachten. Obwohl der ein oder andere Autofahrer bei einer roten Ampel zu einem Drittel im Fahrradstreifen steht, überholen die meisten Radler die anhaltenden Kraftfahrzeuge recht unbehelligt und fahren vor zu ihrem eigenen Haltepunkt.

Hentiette-Obermüller-Straße/Ludwig-Erhard-Allee
Bild: Lars Notararigo

Konflikte von drängelnden oder überholenden Fahrzeugen, wie von der ka-Reporterin beschrieben, kann ka-news.de an diesem Tag nicht beobachten. Dennoch wendet sich die Redaktion an die Stadt, um herauszufinden, ob ihr eben jene Problematik bekannt ist.

"Ein 'Verkehrsführung geändert'-Schild ist unnötig"

Tatsächlich sei diese schon an die Stadtverwaltung herangetragen worden: "Es gab bereits vereinzelt Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Die Stadt wird die Situation beobachten", sagt ein Sprecher dazu.

Einen Vorschlag der ka-Reporterin, in diesem Zusammenhang ein "Verkehrsführung geändert"-Schild an der Kreuzung aufzustellen, halte man aber für unnötig.

Hentiette-Obermüller-Straße/Ludwig-Erhard-Allee
Ein Abbieger kann sich auch neben einem geradeausfahrenden Auto einordnen, ohne auf den Fahrradstreifen zu wechseln. | Bild: Lars Notararigo

"Erfahrungsgemäß dauert es eine gewisse Zeit, bis sich die Verkehrsteilnehmenden auf die neue Verkehrssituation eingestellt haben. Außerdem handelt es sich beim vorhandenen Autostreifen um eine sogenannte unechte Zweistreifigkeit, bei der zwei Kraftfahrzeuge weiterhin nebeneinander auf dem überbreiten Fahrstreifen stehen können, was sich recht bald einpendeln wird. Eine zusätzliche Beschilderung ist also nicht erforderlich", so der Sprecher der Stadt.

Ob sowohl Radler als auch Autofahrer sich nach dem problematischen Start tatsächlich so bald mit der neuen Situation anfreunden können, bleibt wohl erst einmal abzuwarten.

 
Mehr zum Thema fahrradfahren-karlsruhe: Auf dem Sattel durch die Fächerstadt