Chatten, Posten, Klicken zum Nulltarif - was die Nachbarmetropole Pforzheim bereits vormachte, holt die selbst ernannte Internethauptstadt Karlsruhe nun nach.

WLAN: "Wenn wir es machen, dann machen wir es richtig"

Dass man für das 100.000 Euro teure Web-Projekt zunächst Überzeugungsarbeit leisten und stark kritisierte Wartzezeiten überbrücken musste, die laut den Initiatoren der "schwierigen juristischen Lage" geschuldet seien, steht am Dienstag bei der Einweihung des WLAN-Angebots im Hintergrund: "Wir sind schneller und besser als Pforzheim", erklärt Oberbürgermeister Mentrup - "bei uns gilt eben: Wenn wir es machen, dann machen wir es richtig." Laut ihm werben die Vorreiter zwar mit viel, allerdings werde vor Ort trotz toller Versprechen wenig geboten - "anders als in Karlsruhe."

Insgesamt sechs Monate haben die Projektverantwortlichen, darunter das Stadtmarketing, Inka, das Cyber Forum und das KIT, an dem Netz für alle getüftelt. Surfen können Karlsruher Bürger, Touristen und Business-Reisende nun zunächst an ausgewählten Orten in der Stadt verteilt - kostenloses WWW gibt es ab Dienstag somit beispielsweise am Friedrichsplatz, am Schlossplatz und am Bahnhofsvorplatz.

Online-Pornos via Stadt-WLAN verboten

"Wir freuen uns über das effiziente Ergebnis, aber zufrieden sind wir noch nicht", betont Norbert Käthler, Geschäftsführer des Stadtmarketings Karlsruhe. In Zukunft will man das ganze Stadtgebiet erreichen - so stehen unter anderem Durlach und Mühlburg als Hotspots noch aus. Während das KIT seinen 35.000 Anhängern schon seit Jahren freies Internet zur Verfügung stellt, sollen darüber hinaus bald auch andere Karlsruher Hochschulen an das Stadt-Netz angeschlossen werden.

"Nutzen kann KA-WLAN jeder", sagt Matthias Hornberger, Vostandsvorsitzender des Cyberforums - "der Internet-User meldet sich ganz einfach auf seinem Laptop, Smartphone oder Tablet im KA-WLAN-Netz an und registriert sich einmalig mit Name, E-Mail-Adresse und Handynummer." Schließlich werde er dann per Mail auf eine Log-In-Seite der Stadt geleitet, auf der er dann Benutzername und Passwort festlegt. Und wie funktioniert KA-WLAN genau?Informationen dazu und mehr gibt es seit Dienstagmorgen bei ka-news.

Mentrup gibt zu: "Wir waren uns zuerst nicht sicher, ob Karlsruhe ein freies W-Lan-Netz braucht"

"Trotz des großen und weitreichenden Angebots, ist KA-WLAN so datenarm und niederschwellig wie nur möglich programmiert", betont KIT-Professor und -Vizepräsident Alexander Wanner. Neben der normalen Internetnutzung, kann der User ab sofort auch ohne Registrierung auf vereinzelte Webseiten zugreifen - so beispielsweise auf den ÖPNV-Fahrplan des KVV oder auf den mobilen Stadtführer. Im Park sitzen, Käffchen trinken - und Online-Pornos schauen? "Nein, das geht nicht", warnt Hornberger am Montag - "jugendgefährdende Webseiten über KA-WLAN nicht zu erreichen."

Karlsruhe - Hauptstadt für Innovation und Forschung: "Jetzt werden wir dem Ruf in allen Facetten gerecht", lobt Oberbürgermeister Frank Mentrup die Geburt des "Web-Babys" der Stadt Karlsruhe. Dennoch gibt er auf Nachfrage zu, dass dieses zunächst kein "Wunschkind" gewesen sei - "wir waren uns erst nicht sicher, ober ein stadtweites WLAN überhaupt notwendig ist, schließlich nutzt jeder Smartphone-Besitzer schon den eigenen Internet-Service." Nicht zu spät sei den Verantwortlichen jedoch klar geworden, dass es doch Zielgruppen gäbe und ein WLAN-Angebot, wie es bereits zahlreiche andere Städte zur Verfügung stellen, auch für die Fächerstadt unentbehrlich ist.

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