Im Rahmen der Kombilösung wird der Durchgangsverkehr unter der Kriegsstraße über den neuen Autotunnel geleitet, der mit  mehreren Monaten Verspätung im Jahr 2022 eröffnet wird. Um in die Leittechnikstruktur aufgenommen zu werden, braucht der Tunnel einen Namen. Die Wahl dieses Namens fällt auf Karoline Luise, ehemalige Markgräfin von Baden. Traditionell werden in Karlsruhe Tunnel nach Frauen benannt – hierfür werden Namen aus einer Vormerkliste für Straßennamen verwendet.

Der Karoline-Luise-Tunnel hat noch Brandtests vor sich, bevor die Ampeln auf "grün" umgestellt werden.
Der Eingang vom Karoline-Luise-Tunnel | Bild: Kasig

Der Name der Markgräfin stand bereits in dieser Liste und wird nun für den 1,6 Kilometer langen Tunnel vergeben. Er verläuft von der Autorampe westlich des Karlstors bis zum Knotenpunkt Ostendstraße in der Ludwig-Erhard-Allee.

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Karoline Luise ist vor allem berühmt für Ihre privaten Kunst-, Naturalien- und Pflanzensammlungen, die die Grundlagen für Museen und Gärten in der heutigen Fächerstadt gebildet haben.

Karoline Luise von Hessen-Darmstadt und ihr Bezug zu Karlsruhe

Als die kleine Karoline Luise von Hessen-Darmstadt, Tochter des Landgrafen Ludwig VIII., am 11. Juli 1723 das Licht der Welt in Darmstadt erblickt, ist die neue Fächerstadt Karlsruhe gerade acht Jahre alt. Ihr Pate ist der Markgraf Karl-Wilhelm von Baden-Durlach, der den Bau des Schlosses in Karlsruhe beauftragt hat und dort lebt. Fast 28 Jahre später heiratet sie seinen Enkel Karl-Friedrich und wird in diesem Schloss eine gut etablierte und geachtete Herrin.

Markgräfin Karoline Luise von Baden (1723–1783)
Markgräfin Karoline Luise von Baden (1723–1783) | Bild: Gemeinfrei

Aber der Weg bis dahin ist nicht immer einfach für die oft kränkliche Karoline. Karolines Mutter stirbt, als sie gerade drei Jahre alt ist und sie ist mit ihren vier Geschwistern bei ihrem Großvater Landgraf Ernst Ludwig in Buschweiler aufgewachsen. Buschweiler ist die Hauptstadt der im Elsass gelegenen Gebiete der Grafschaft Hanau – Gebiete, die Karoline Luise später erben soll, da ihre Mutter die Tochter von Johann Reinhard III. von Hanau-Lichtenberg war. 

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Als Kind hat die kleine Landgraf-Tochter massive Verdauungsprobleme und muss sich oft nach dem Essen übergeben. Die Beschwerden werden mit einem Glas Wein nach jeder Mahlzeit behandelt. Eigentlich kämpft sie ihr Leben lang mit schweren Magen-/Darmbeschwerden.

Die junge Karoline Luise ist begabt und intellektuell

Karoline Luise ist ein sehr begabtes und intellektuelles Kind – äußerst pflichtbewusst und sehr wissbegierig. Als Kleinkind spricht sie schon perfekt Französisch. Ihr Privatlehrer – genannt Informator – ist auch hochgebildet und fördert sie im Lernen. Karoline interessiert sich auch für Latein, Erdkunde, Physik und Mythologie.

Mit 18 Jahren ist Karoline schon heiratsreif, kann aber nicht auf dem europäischen Heiratsmarkt präsentiert werden, da das Haus Hessen-Darmstadt hoffnungslos verschuldet ist. Trotzdem ergeben sich kurzfristig zwei Chancen. Als sie 20 Jahre alt ist, kommt sie als Gemahlin für den Duke of Cumberland, den Sohn des deutschen Georg II. (Haus Hannover) von England in Frage. Aber die Verhandlungen schleppen sich hin und werden schließlich abgebrochen. Und für den zweiten möglichen Verehrer – den Erbprinzen von Schwarzburg-Rudolstadt ist die intellektuelle Karoline zu selbstständig.

Karoline zieht sich erst mal in ihre Musik und Malerei zurück.

Karoline Luise von Hessen-Darmstadt wird Karoline Luise von Baden

Aber 1748 bittet der fünf Jahre jüngere Markgraf Karl Friedrich von Baden-Durlach, Enkel des Stadtgründers von Karlsruhe, um ihre Hand. Kernstück seines Landes sind die Städte Karlsruhe, Durlach und Pforzheim. Karoline Luise akzeptiert. Karl Friedrichs Geheimratskollegium und die Verwandtschaft seiner Mutter hatten ihn zur Ehe gedrängt und Karoline Luise wurde immer wieder als geeignete Kandidatin vorgeschlagen. Aber Karl Friedrich, der anderen hübschen Mädchen nicht abgeneigt ist, zieht die Hochzeit nun lange hinaus.

Markgraf Karl Friedrich von Baden
Markgraf Karl Friedrich von Baden | Bild: Gemeinfrei

Nachdem er 1748 zum ersten Mal gefragt hat, wirbt er erst 1749 brieflich um sie. Im Sommer des Jahres fangen die Heiratsverhandlungen an. Zwischendurch kriegt Karl Friedrich einen Sohn mit einem bürgerlichen Mädchen. Karoline Luise und Karl Friedrich heiraten endlich am 28. Januar 1751. Karoline bekommt eine Art Leibrente von 10.000 Gulden von Karl Friedrich und einen persönlichen Hofstaat von mindestens 22 Personen.

Karoline Luises Kinder werden totgeboren

Obwohl Karoline sehr in Karl Friedrich verliebt ist, erwidert er ihre Gefühle zunächst nicht. Im Gegenteil ist er ihr gegenüber sehr kühl. Der junge Mann hat ein schwaches Selbstbewusstsein und fühlt sich ihr weit unterlegen, was Bildung betrifft – Karoline ist hochintelligent. So intelligent, dass es ihr mit der Zeit klar wird, wenn sie Karl Friedrich für sich gewinnen will muss er das Gefühl haben, dass er der führende Kopf in der Ehe ist. Ihr Mann muss der Herr im Haus sein, und die junge Frau darf nichts kritisieren und sich vor allem nicht in die Politik einmischen.

Karoline Luise mit ihren beiden ältesten Söhnen
Karoline Luise mit ihren beiden ältesten Söhnen | Bild: Gemeinfrei

Es dauert einige Zeit, bis das Paar eine Familie gründen kann. Karoline muss erstmal sehr leiden. Ihr erster Sohn wird totgeboren, die zweite Schwangerschaft endet mit einer Fehlgeburt. Auch ihr drittes Kind stirbt bei der Geburt. Aber mit der Zeit merkt Karl Friedrich, dass seine Frau auch schwach sein kann und er fängt langsam an, sie mit all ihrem Leiden zu bewundern. Jetzt nähern sie sich auch an und Karoline gebiert bei der vierten Schwangerschaft 1755 einen gesunden Prinzen – Karl Ludwig.

Karl Ludwig von Baden (1755-1801)
Karl Ludwig von Baden (1755-1801) | Bild: Gemeinfrei

Beide Eltern zeigen ihm ganz offen ihre Gefühle – verlangen aber auch viel von ihm, was zum Beispiel das Lernen angeht. Leider ist das Kind nicht begabt und leidet ziemlich darunter. Der Sohn Friedrich, der 1756 geboren wird, hat viel mehr Interesse an Karolines künstlerischen und wissenschaftlichen Aktivitäten. 1763 kommt der dritte Sohn, Ludwig, aber ein Jahr später wird schon wieder ein Kind tot geboren.

Karl Friedrich liebt seine Frau, hat aber trotzdem Affären, oft mit Schauspielerinnen. Er weiß, er kann immer zu Karoline Luise zurückkehren. Was die Politik angeht berät die Prinzessin nun ihren Mann – offiziell wird das nicht wahrgenommen, doch bei Hofe weiß man, dass der Markgraf ohne die Zustimmung seiner Frau fast gar nichts unternimmt.

Das Karlsruher Hofleben entwickelt sich reizvoll unter Karl Friedrich und Karoline Luise

Der Karlsruher Fürstenhof entwickelt sich unter dem Markgrafenpaar sehr positiv und das Hofleben wird sehr einladend und interessant gestaltet. Andererseits versuchen Karl Friedrich und Karoline Luise ihrem Volk Sparsamkeit beizubringen. Mit einem Edikt grenzt Karl Friedrich beispielsweise die Zahl der eingeladenen Gäste bei Hochzeiten auf 24 Personen und erlaubt nur acht warme Speisen dabei.

Das Karlsruher Schloss.
Das Karlsruher Schloss. | Bild: Carmele|TMC Fotografie

Ohne Erlaubnis des Fürsten oder des Oberhofmarschalls ist es keinem Adligen erlaubt zu verreisen. Kleidervorschriften sind ganz streng geregelt und Speisereste am Hof sollen bei armen Leuten verteilt werden. Sie sind aber immer bemüht, dass es ihren Gästen an nichts fehlt. Die Fürstin ist stets sehr charmant und beliebt, auch sehr gut und elegant gekleidet. In Sachen Mode orientiert sie sich nach dem französischen Adel.

Karoline Luise und der Krieg in Europa – Das Haus Baden-Durlach unterstützt Preußen

Im Jahr 1756 fängt der 7-jährige Krieg an. Preußen und verbündete deutsche Fürstentümer kämpfen zusammen mit England gegen Frankreich, Österreich, Russland, Schweden und Spanien. Das Haus Baden bekommt Besuch von Frankreichs Marshall d’Estrées, der versucht, Baden-Durlach auf die Seite Frankreichs zu ziehen. Aber Karl Friedrich gibt Bescheid, dass Baden den Gegner – Preußen – unterstützt. Die Markgrafschaft hofft, dadurch politische Stärkung und Territorium zu gewinnen.

Jean-Étienne Liotard Prinzessin Karoline Luise von Hessen-Darmstadt, 1745
Jean-Étienne Liotard Prinzessin Karoline Luise von Hessen-Darmstadt, 1745 | Bild: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Im Krieg leidet Baden-Durlach finanziell, bleibt aber ein “Asyl der Ruhe“, wie Voltaire behauptet. Und die Preise der Kunst sinken – Karoline Luise kauft zu dieser Zeit sehr viele gute Werke. Außerdem malt sie selber nicht schlecht.

Karoline Luise von Baden und ihre private Sammlung

Schon seit Jahren baut Karoline Luise eine Bibliothek auf und interessiert sich für die Geistes- und Naturwissenschaft. Sie empfängt auch Besuch von Gelehrten, Wissenschaftlern und Künstlern, wie zum Beispiel Voltaire, Klopstock und Goethe.

Die Prinzessin möchte Karlsruhe zu einem Sitz der Museen machen und liest ihre Bücher oft bis 2 Uhr morgens. In den 1760-er Jahren widmet sie sich intensiv der Erstellung einer Gemäldesammlung. Diese Sammlung bildet die Basis für die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. Auch ihr Naturalienkabinett, das sie über Jahre hinweg aufbaut, ist die Grundlage für das Staatliche Museum für Naturkunde in der Fächerstadt.

Karoline Luises und der Botanische Garten

1762 fängt die Prinzessin an, alles zu sammeln, was mit Botanik, Geologie, Mineralogie und Zoologie zu tun hat. Sie liest die Fachliteratur dazu und trifft sich mit Wissenschaftlern. Karoline Luise fördert den Aufbau des Botanischen Gartens – sie lässt viele neue Arten von Pflanzen einführen und bald werden die bisherigen Pflanzflächen zu klein. Nach ihrem Tod lässt ihr Mann den Botanischen Garten in Karlsruhe mit seiner Pflanzensammlung an der heutigen Stelle anlegen.

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Karoline Luise von Baden: Kunst und Korrespondenz

Karoline Luises Kunstsammlungen und Fachliteratur über die Kunst als auch ihre umfangreiche Korrespondenz mit mehr als 750 Persönlichkeiten werden in einem Online-Informationssystem festgehalten. Die Datenbank enthält über 6.500 Dokumente und 155 Gemälde aus ihrem Malereikabinett und kann hier aufgerufen werden: https://www.karoline-luise.la-bw.de/.

Karoline Luise als Unternehmer

Die Markgräfin lässt die Bergbaugebiete in Sulzburg und Badenweiler untersuchen, gründet eine Seidenplantage in Killisfeld, übernimmt eine kleine Seidenfabrik, steigt in die Produktion und Vertrieb der Farbepflanze Krapp ein, kauft eine Ölmühle in Ettlingen und wandelt sie in eine Papiermühle um.

Blick auf das Rathaus an der Alb neben dem Rathausturm. Hinten das Ettlinger Schloss.
Blick auf das Rathaus an der Alb neben dem Rathausturm. Hinten das Ettlinger Schloss. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Der Handel, den sie damit gründet, erstreckt sich über Süddeutschland, ins Elsass, in die Schweiz und nach England. 1771 muss die Familie von einer Reise nach Paris – wo Karoline Luise sich mit Marie Antoinette trifft – vorzeitig zurückkehren, da der Markgraf von Baden-Baden stirbt. Nach seinem Tod kommen die badischen Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach wieder zusammen. Karl Friedrich gewinnt dadurch 190.000 neue Untertanen und sein Gebiet verdoppelt sich.

Markgräfin Karoline Luise stirbt in Paris

Nach einem Sturz im Karlsruher Schloss fühlt sich die Markgräfin sehr schlecht und fängt an, von ihrem Tod zu reden. Es wird vorgeschlagen, dass sie zwecks Luftveränderung nach Paris reist. Hier geht es ihr aber bald noch schlechter, und es wird festgestellt, dass Karoline Luise einen Schlaganfall hatte. Kurz nach ihrer Ankunft in Paris stirbt sie am 8. April 1783. Es dauert noch 10 Tage, bis ihre Leiche nach Karlsruhe gebracht wird. Danach wird ihr Leichnam in der Familiengruft in Pforzheim bestattet.

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