Wie geht es weiter in der Innenstadt von Karlsruhe? Fakt ist: In der Fußgängerzone wird das Ladensterben mehr und mehr zum Problem, der hohe Leerstand ist beim schlendern nicht zu übersehen. Gleichzeitig ist der Wohnraum in Karlsruhe knapp und heiß begehrt.

Leere Verkaufsräume in Karlsruhe in Wohnungen umwandeln

Eine mögliche neue Idee bringt nun die FDP-Fraktion des Karlsruher Gemeinderates ins Spiel: den Leerstand der Laden- und Gewerbeflächen in Wohnungen umwandeln. 

Leerstand Kaiserstraße
Bild: Elena Sausen

Mit einer Anfrage - die für die Januar-Sitzung des Gemeinderates auf der Tagesordnung steht - wendet sich die Fraktion an die Stadtverwaltung und möchte unter anderem wissen, welche Überlegungen es bei der Verwaltung im Hinblick auf die Entstehungen neuer Wohnungen in der Karlsruher Innenstadt gibt. 

Als konkretes Beispiel fragen die Liberalen nach dem Commerzbank-Gebäude in der Lammstraße 9. Aber auch, ob leer stehende Laden- und Gewerbeflächen oberhalb der Erdgeschosslagen in Wohnungen in der Innenstadt umgewidmet werden könnten und ob ehemalige Büroflächen zu Wohnungen werden könnten. 

"Der ansteigende Homeoffice-Trend bestimmt den Arbeitsalltag vieler Menschen und verlegt die berufliche Verwaltungs- und Bürotätigkeit immer mehr in die eigene Wohnung. Damit das Stadtzentrum Karlsruhes Anziehungspunkt für die Menschen bleibt, sollte die Umwandlung ehemaliger und nun leer stehender Geschäfts- und Büroflächen in Wohnungen – in den Obergeschossen vieler Gebäude – in die wichtigen stadtplanerischen Überlegungen mit einbezogen werden", schreibt die FDP in ihrer Anfrage.

Im Zuge der Kombilösung wurde die Kaiserstraße zur Flaniermeile. Allerdings herrscht dort aktuell viel Leerstand.
Im Zuge der Kombilösung wurde die Kaiserstraße zur Flaniermeile. Allerdings herrscht dort aktuell viel Leerstand. | Bild: Elena Sausen

Objekte - wie beispielsweise das ehemalige Commerzbank-Gebäude - würden so vor Verwahrlosung und Verfall geschützt werden. Gleichzeitig wäre eine Umwidmung der Flächen eine große Chance, die gesamte Innenstadt wieder mit Leben  zu füllen und wichtige Wirtschaftsstrukturen zu erhalten und zu stärken.

Was sagt die Stadtverwaltung?

"Mithilfe verschiedener innerstädtischer Wohnkonzepte kann sich eine vitale und vielfältig genutzte Innenstadt unabhängig von festen Geschäftsöffnungszeiten herausbilden, in der die Zusammenkunft von Menschen wieder im Mittelpunkt der städtischen Lebensart steht", meint die FDP.

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Und was meint die Stadtverwaltung? Die verweist in ihrer Antwort auf das "Gutachten zur Zukunftsfähigkeit der Karlsruher City als Einzelhandelsstandort 2030" aus dem Jahr 2019. Die Verwaltung beabsichtige, die Wohnfunktion der City weiter zu stärken, denn die Wohnnutzung leite als einer von mehreren Bausteinen einen wesentlichen Beitrag zur Multifunktionalität und Resilienz der Innenstadt.

Knapp 16.500 Menschen wohnen in der Karlsruher Innenstadt

Schränkt aber auch ein: "Zu beachten ist, dass die Wohnfunktion nicht ausschließlich reichen wird, um eine Belebung der Innenstadt zu gewähren. Besonders im Hinblick auf die U-Strab müssen zukünftige Nutzungen auch in Korrelation zur Infrastruktur vorgesehen werden." 

Die Lammstraße in Karlsruhe sieht aktuell so aus.
Die Lammstraße in Karlsruhe sieht aktuell so aus. | Bild: Thomas Riedel

Mit 16.303 Personen in 11.487 Haushalten  (Stichtag: 20. September 2022), sei die Innenstadt bereits heute ein bedeutsamer Wohnstandort.  Vor diesem Hintergrund nehme der "Aktionsplans City 2020-2026" sowie das vom Bunde geförderte Projekt "City-Transformation" das Wohnen in der City in den Fokus.

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Die Erarbeitung verschiedenster Pläne und Konzepte für eine Nutzungsmischung - welche auch Wohnnutzungen vorsieht - soll 2023 und 2024 erfolgen. Unter anderem soll das Konzept "Vertikale Nutzungsmischung Östliche Kaiserstraße" mögliche Wohnnutzungen in den Blick nehmen. Das Konzept soll bis Mitte 2023 vorliegen.

Umwandlung hängt von mehreren Faktoren ab

Ob eine Umwandlung von Büro- in Wohnflächen erfolgen könne, hänge laut Stadtverwaltung sowohl vom planungsrechtlichen Rahmen, von bauordnungsrechtlichen Regularien als auch von den strukturellen baulichen Gegebenheiten ab. Beispielsweise sei ein Bürogeschoss mit höherer Tiefe und ohne Balkone nur bedingt zur Umwandlung in Wohnungen geeignet.

Die Kaiserstraße-Ost soll aufgewertet werden. Dafür soll die Autospur stadteinwärts für Fußgänger und Radfahrer Platz machen.
Die Kaiserstraße-Ost soll aufgewertet werden. Dafür soll die Autospur stadteinwärts für Fußgänger und Radfahrer Platz machen. | Bild: Elena Sausen

Außerdem sei bei einer Umnutzung auch das Mitwirken der Immobilieneigentümer ein Faktor und mögliche Konflikte mit anderen Nutzungen wie der Gastronomie müsste abgewogen werden. "Vor diesem Hintergrund sind pauschale Aussagen nur schwer möglich. Informationen über substantielle Leerstände von Büroflächen und damit vorhandene Umwandlungspotentiale liegen der Verwaltung nicht vor", heißt es in der Antwort. 

Städtische Ämter im Commerzbank-Gebäude 

Für das alte Commerzbank-Gebäude in der Lammstraße 9 hat die Stadtverwaltung bereits Pläne. Hier sollen städtische Dienststellen untergebracht werden, allerdings seien vor einer Nutzung umfangreiche Umbaumaßnahmen erforderlich.  

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In der ehemaligen Schalterhalle im Erdgeschoss war vorübergehend die Unterbringung der Kinder- und Jugendbibliothek, die sich derzeit im Prinz-Max-Palais befindet, vorgesehen. "Diese Zwischennutzung ist nun nicht mehr notwendig. Damit kann das Erdgeschoss für eine anderweitige Nutzung hergerichtet und dann entsprechend vermietet werden", so die Stadt abschließend.