Das Polizeipräsidium Karlsruhe beobachtet einen besorgniserregenden Trend. Die Betrugsversuche per Telefon mit sogenannten "falschen Polizisten" steigen im bisherigen Kalenderjahr deutlich an.

Schaden 2022: 400.000 Euro

Während die Anzahl der Fälle in den Jahren 2020 (775 Versuche, sieben Vollendungen) und 2021 (766 Versuche, zwölf Vollendungen) auf einem Niveau bleibt, gibt es Stand Juni im Jahr 2022 bereits 913 Versuchen und 13 Vollendungen. Die Schadenssumme beträgt in diesem Jahr knapp 400.000 Euro. Hinzu kommt: In die Zahlen fließen nur Fälle ein, die bei der Polizei auch angezeigt wurden. Die Dunkelziffer dürfte also höher liegen.

Caren Denner, Polizeipräsidentin des Polizeipräsidiums Karlsruhe.
Caren Denner, Polizeipräsidentin des Polizeipräsidiums Karlsruhe. | Bild: Carsten Kitter

"Es ist eine Masche die bundesweit im Trend liegt und vor allem ältere Menschen um ihr Erspartes bringt", sagt Karlsruhes Polizeipräsidentin Caren Denner im Rahmen einer Pressekonferenz der Polizei zum Thema "Anrufstraftaten" am Mittwoch. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? 

Das könnte Sie auch interessieren

Die potenziellen Opfer werden telefonisch kontaktiert und von den Tätern in ein Gespräch verwickelt. Dabei wird ein Telefonat mit einem Polizeibeamten vorgetäuscht und über geschickte Gesprächsführung der Anrufer erfragt, ob sich im Haus oder in der Wohnung Bargeld oder andere Wertgegenstände befinden.

"Die Opfer werden am Telefon massiv unter Druck gesetzt und geraten in einen Strudel, aus dem fast kein Entkommen gibt", so Helmut Geprägs, Leiter der Kriminalinspektion 3 beim Polizeipräsidium Karlsruhe. 

Wie laufen solche Anrufe ab? 

Bei solchen Anrufen werde den Opfern beispielsweise vorgegaukelt, dass eine Person verhaftet wurde und eine Liste, auf der der Name und die Adresse des Angerufenen steht, gefunden wurde.

Helmut Geprägs während der Pressekonferenz am Mittwoch.
Helmut Geprägs während der Pressekonferenz am Mittwoch. | Bild: Carsten Kitter

"Zunächst wird den Opfern Angst gemacht und der vermeintliche Polizist bietet an, das Geld oder die Wertgegenstände abholen zu lassen, um es sicher zu verwahren. Dann klingelt es an der Tür, das Geld wird abgeholt und ist dann weg ", erklärt Geprägs. 

Das könnte Sie auch interessieren

Zusätzlich werde bei den Kriminellen eine neue Qualität beobachtet. "Wenn die Opfer sagen: 'Ja, ich habe Geld zu Hause, gebe es aber nicht heraus', kommt die vermeintliche Polizei und möchte das Geld in der Wohnung auf seine Echtheit überprüfen", so der Experte. 

Seniorin aus Karlsruhe wird 26.400 Euro betrogen

In Karlsruhe kam es erst kürzlich zu einem solchen Fall. "Das Opfer hat das Geld nicht herausgegeben, wurde bei der Überprüfung aber überwältigt und das Geld wurde gestohlen", berichtet Geprägs. 26.400 Euro wurden so gestohlen. "Der Fall zeigt: Die Täter schrecken nicht vor, Gewalt zurück."

Das LKA in Stuttgart warnt vor einer neuen Variante des Enkeltricks: Anrufer geben sich als Verwandte aus, die mit dem Coronavirus ...
Das LKA in Stuttgart warnt vor einer neuen Variante des Enkeltricks: Anrufer geben sich als Verwandte aus, die mit dem Coronavirus infiziert seien und Geld für die Behandlung bräuchten. | Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Die Täter seien in Banden organisiert und würden meist aus dem Ausland heraus agieren. Die Abholer würden dabei nur am Ende der Kette stehen, während die Drahtzieher auch bei einer Verhaftung davonkommen. Ähnlich gehen die Täter auch bei den sogenannten "Schockanrufen" vor, die eine neue Entwicklung des klassischen "Enkeltricks" sind. 

Das könnte Sie auch interessieren

"Die Opfer hören am Telefon zunächst nur ein leises weinen, welches langsam lauter wird. Dann wird von einem Polizist oder Staatsanwalt erzählt, dass der Enkel oder die Tochter einen Autounfall verursacht hat und in Untersuchungshaft kommt. Die Haft kann aber gegen die Zahlung einer Kaution abgewendet werden", erklärt Geprägs. 

Auch hier werden die Opfer in ein Gespräch verwickelt und über Vermögenswerte ausgefragt, die schließlich an einen Boten oder vermeintlich Angestellten des Gerichts übergeben werden. 

Enkeltrick und Schockanruf

"Die Anrufer werden unter Schock gesetzt und die Hilfsbereitschaft für die eigene Familie wird in perfider Art und Weise ausgenutzt", so Geprägs. Mittlerweile würden auch jüngere Personen ab 50 Jahren ins Visier der Betrüger geraten. 

Remigius Kraus leitet das Referat Prävention der Polizei Karlsruhe.
Remigius Kraus leitet das Referat Prävention der Polizei Karlsruhe. | Bild: Carsten Kitter

Trotz enormer Bemühungen der Polizei in Sachen Prävention würde es den Tätern gelingen, mit solchen Anrufen größere Summen Bargeld zu stehlen.  

Das könnte Sie auch interessieren

Um solchen Straftaten weiter vorzubeugen, appelliert die Polizei Karlsruhe auch an die Familien potenzieller Opfer Präventivmaßnahmen zu treffen. "Sprechen Sie mit der Oma oder dem Opa über das Thema und zwar nicht erst, wenn es schon zu spät ist", meint Remigius Kraus, Leiter des Referats Prävention der Polizei Karlsruhe. 

Das könnte Sie auch interessieren

"Viele meinen, sie kennen die Begriffe Enkeltrick oder Schockanruf, doch wenn wir in Gesprächen auf den Zahn fühlen, merken wir, dass es nicht immer richtig verstanden wurde", so Kraus. 

Das könnte Sie auch interessieren

Er und seine Kollegen raten deswegen unter anderem: "Legen Sie bei einem solchen Anruf auf, rufen die Polizei und ganz wichtig: Niemals Geld an fremde Personen übergeben. Wenn Oma oder Opa dem Enkel mit Bargeld helfen wollen, soll es persönlich abgeholt werden."

Hinweise und Tipps der Polizei

Zusätzlich gibt es von der Polizei diese Tipps und Hinweise zu Anrufstraftaten:

  • Bei einem Unfall: die Polizei lässt solche Art von Anrufen von einer Unfallstelle nicht zu
  • Niemand wird direkt von einer Unfallstelle inhaftiert
  • Die Polizei holt niemals Geld oder Wertsachen zur Verwahrung ab
  • Die Polizei ruft niemals unter 110 an
    Das könnte Sie auch interessieren
  • Am Telefon nicht über die finanzielle Situation sprechen
  • Bei solchen Anrufen nicht antworten und sofort auflegen
  • Auf keinen Fall Geld oder Wertsachen an fremde Personen übergeben

Außerdem hat das Polizeipräsidium Reutlingen einen möglichen Anruf eines Täters in einem Video nachgestellt.