Die Fußballweltmeisterschaft in Katar wirft ihre Schatten voraus. Während sich Bundestrainer Hansi Flick so langsam entscheiden muss, wen er für die Winter-WM nominiert, befindet sich der deutsche Ligabetrieb in den letzten Zügen vor der langen Winterpause. Für den Karlsruher SC stehen zum Beispiel noch vier Partien auf dem Programm

WM-Boykott: Die einen so, die andern so

Während also die Vorbereitungen auf Urlaub oder WM-Teilnahme auf Hochtouren laufen, wird auch viel diskutiert. Die Frage des WM-Boykotts steht (immer noch) im Raum. Die Supportes Karlsruhe - offizieller Dachverband der KSC-Fans -sprachen sich bereits vor Wochen gegen die Endrunde aus, der KSC hielt dagegen. 

Fans des SC Freiburg stehen auf der Tribüne vor und hinter einem Banner mit der Aufschrift „#BOYCOTT QATAR 2022“.
Fans des SC Freiburg stehen auf der Tribüne vor und hinter einem Banner mit der Aufschrift „#BOYCOTT QATAR 2022“. | Bild: Philipp von Ditfurth/dpa

Auch in der Gastronomie wird sich mit einem möglichen Boykott beschäftigt. Die WM-Spiele zeigen oder nicht zeigen, ist hier die Frage. Das La Cage und die Vogel-Brauereien gaben im Gespräch mit ka-news.de eine klare Antwort. Sie werden die Spiele der Winter-WM zeigen, wollen dafür aber nicht offensiv Werbung machen. Ein offizielles Public Viewing wird es in Karlsruhe nicht geben.

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Doch in Karlsruhe gibt es auch Gastronomen, die sich komplett gegen die WM stellen und die Spiele nicht zeigen werden. Einer von ihnen ist Ingo Zimmermann, im zehnten Jahr Pächter des Restaurants "Holzhacker" am Adenauerring in Karlsruhe. 

Keine Winter-WM im Holzhacker

Zwar ist das Holzhacker keine klassische Fußball-Kneipe, Champions League, Bundesliga oder auch den KSC können Gäste hier nicht verfolgen, aber "die Spiele der WM oder EM haben wir bisher immer übertragen. Dieses Jahr haben wir uns anders entschieden", sagt Zimmermann im Gespräch mit ka-news.de.

Zimmermann weiter: "Die WM in Brasilien war echt toll und hat Spaß gemacht, doch diesmal war uns von Anfang an klar, dass wir die Spiele nicht zeigen werden. Katar ist keine Fußballnation und wenn es bei uns 50 Grad im Schatten wären, würde niemand auf die Idee kommen, Fußball zu spielen."

Ein weiterer Grund für den Holzhacker-Boykott ist die Menschenrechtslage im Emirat. "In Sachen Menschenrechte sieht es in Katar gar nicht gut aus.

Zum Beispiel sind seit der Vergabe der WM 15.000 Gastarbeiter an angeblich natürlicher Ursache gestorben. Dann kommt hinzu, dass es ein Land ist, in dem es nach wie vor die Todesstrafe gibt", so Zimmermann. 

Menschenrechte, Klima, soziale Verantwortung

Auch die Rolle der Frau in Katar sei aus Sicht des Gastronomen problematisch. "Als Frau hat man einen männlichen Vormund, der über alles entscheidet und wenn eine Frau vergewaltigt wird, wird sie angeklagt, weil außereheliche sexuelle Handlungen verboten sind. Gleichzeitig dürfen Männer vier Frauen haben." 

Neben der Menschenrechtslage beschäftigt sich Zimmermann auch mit Klima und der Nachhaltigkeit der WM. "Wir versuchen hier zu sparen, wo es geht und gleichzeitig sind sechs von acht Stadien vollklimatisiert und sechs Stadien werden nach der WM wieder abgerissen. Da muss man aus meiner Sicht eigentlich gar nicht mehr überlegen, ob man die Spiele schaut", meint Zimmermann.

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Keine Minute der WM würde sich Zimmermann anschauen, wie er sagt. "Es hört sich zwar abgedroschen an, aber als Gastronomen haben auch eine Verantwortung für den öffentlichen Raum und Wertvorstellungen. Wir sind nicht nur für gutes Essen oder guten Service verantwortlich, sondern stehen auch für Werte."

"Das Bier darf nicht um jeden Preis gezapft werden"

Das Bier dürfe laut Zimmermann "nicht um jeden Preis gezapft werden." Aber: "Jeder kann natürlich für sich selbst entscheiden, ob er die WM zeigt oder verfolgt. Ich verurteile deswegen niemanden.

Die Terrasse des Holzhacker.
Die Terrasse des Holzhacker. | Bild: Zimmermann

Bei seinen Gästen würde der Boykott laut Zimmermann gut ankommen. "Bisher habe ich nur positive Rückmeldungen bekommen. Wir haben viele Gäste die eingefleischte KSC-Fans sind, die sagen, sie schauen sich die WM nicht an und finden gut, dass wir es genauso machen.

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Als Alternative zur Winter-WM habe sich Zimmermann mit seinem Team überlegt, die Spiele der WM 1990 statt die der anstehenden Endrunde zu zeigen. "Wir müssen dabei aber noch schauen, ob das rechtlich bezüglich der Gema möglich ist."

In Zukunft könnte es wieder Public Viewings geben

Für die Zukunft möchte Zimmermann aber wieder Public Viewings anbieten. "Wenn das Turnier in einem geeigneten Land und ohne so viele Nebengeräusche stattfindet, werden wir das auf jeden Fall wieder machen", meint er. 

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Dann aber in einer neuen Location. Zum Jahresende verlässt Zimmermann den Holzhacker am Adenauerring nach zehn Jahren und zieht nach Grötzingen in die Ratsstuben. Dort geht es dann ab Mitte Februar 2023 los.