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Karlsruhe Neue Planung für KSC-Stadion: Warum es teurer wird und über was der Gemeinderat heute noch entscheidet

Das neue Fußballstadion für den Karlsruher SC im Wildpark wird rund 123 anstelle von 114 Millionen Euro kosten. Wer welche Kosten trägt, warum sich was im Bauablauf ändert und wieso nicht einfach neu ausgeschrieben wird - wir haben die wichtigsten Fragen zur heutigen Entscheidung im Überblick.

Neuer Baubeginn für den Vollumbau (den Stadionkörper) ist inzwischen November 2019. Kein Bauträger konnte die Erdwälle kostengünstig in das neue Stadionkonzept einbeziehen: Jetzt übernimmt die Stadt Karlsruhe die Entsorgung der Altlasten in einer Vorabmaßnahme (geplanter Start im Oktober 2018) vor dem eigentlichen Baubeginn.

Warum wird es teurer?

Ausgeschrieben wurde der Vollumbau des Fußballstadions im Wildpark: Ob die Wälle rückgebaut werden oder ob ein neues Stadion die Wälle in das Planungskonzept integriert, blieb den Bietern freigestellt. Im Dezember 2017 wurde bekannt: Die vom Gemeinderat vorgeschriebenen Kosten (85,3 Millionen Euro für Stadionkörper und Parkhaus) können nicht gehalten werden. Ein wesentlicher Kostenpunkt waren die Wälle - hier ist zum Teil noch Kriegsschutt verbaut, schadstoffhaltiges Material, welches gesichtet und entsorgt werden muss.

KSC Probebohrung
Probebohrungen 2014: Die Erdwälle unter den Tribünen werden untersucht. | Bild: Stadt Karlsruhe

In der bisherigen Kalkulation sind für die Kampfmittelentsorgung und Räumung des Baugrunds eine Million Euro angesetzt. Nach aktuellen Erkenntnissen liegen die Kosten für die Entsorgung bei 12 Millionen Euro: Der Anteil der Kampfmittelentsorgung beträgt hiervon zirka neun Millionen Euro. Hinzu kommen drei Millionen Euro zur Sicherstellung des Spielbetriebs mit Hilfstribünen während der Maßnahmen zur Kampfmittelentsorgung.

Wer zahlt was?

Der KSC übernimmt die Kosten von drei Millionen Euro für die Hilfstribünen - indem das Budget für den Stadionkörper von 85,3 auf 82,3 Millionen Euro reduziert wurde: Der KSC verzichtet auf einige Punkte der Funktionalen Leistungsbeschreibung (FLB), welche beide Parteien zu Beginn des Projekts vereinbart hatten. Mehr dazu im Abschnitt "Worauf verzichtet der KSC?". Der KSC beteiligt sich zudem, indem er die Kosten für das Parkhaus selbst trägt (2016 waren diese mit 10 bis 12 Millionen Euro angesetzt).

Die Stadt Karlsruhe übernimmt die neun Millionen Euro für die Kampfmittelentsorgung als Vorabmaßnahme - und tangiert damit nicht den vom Gemeinderat vorgegebenen Vergabekorridor für den Stadionkörper. Damit erhöhen sich die Kosten für des Gesamtprojekt von 113,9 auf 122,95 Millionen Euro.

Wieso können die Kosten nicht an anderer Stelle eingespart werden?

Unterm Strich stehen bei den Kosten für das neue Stadion jetzt zwar neun Millionen Euro mehr - aber dennoch haben sich die Verantwortlichen im Vorfeld der neuen Planung durch die Funktionale Leistungsbeschreibung (FLB) gearbeitet und Kürzungen angesetzt. Der KSC will weiteren Kürzungen bei den Anforderungen an das neue Stadion zustimmen, wenn die neuen Bieterangebote vorliegen.

Dies soll am 18. Mai der Fall sein - in den darauf folgenden zwei Monaten werden die Angebote nachbearbeitet und verhandelt. Am 17. Juli soll - erneut im Gemeinderat - zunächst eine Entscheidung über die Vergabe der Vorabmaßnahme (Erdwälle) fallen, am 18. September soll dann auch der Vollumbau des Stadions an einen Bauträger vergeben werden.

Pressegespräch zum Stadionneubau
Ingo Wellenreuther und Frank Mentrup beim Pressegespräch zur neuen Planung des KSC-Stadions am vergangenen Freitag. | Bild: ka-news

Zudem haben die Verantwortlichen in den vergangenen Monaten mehrere Optionen geprüft - darunter auch die Verlagerung des Spielbetriebs sowie den Erhalt oder die Drehung der Haupttribüne. Details zu den Untersuchungen im nächsten Abschnitt.

Welche anderen Optionen zur Kostensenkung wurden geprüft (mit welchem Ergebnis)?

  • Erhalt der Wälle im aktuellen Zustand (bautechnischer Mehraufwand, der aus wirtschaftlichen Gründen nicht vertreten werden kann, unkalkulierbare Mehrkosten für die Stadt durch Tiefgründungen im Bereich der Wälle sowie unverhältnismäßig hohe Kosten durch Stahlbeton-Konstrukt zur Ableitung der Lasten des Stadionkörpers in den Baugrund)
  • Auslagerung des Spielbetriebs (benachbarte Stadienbetreiber sahen keine Möglichkeit einer vorübergehenden Doppelnutzung und ein Standort für ein Behelfsstadion für 15.000 Zuschauer konnte ebenfalls nicht gefunden werden)
  • Drehung der Haupttribüne während Bauzeit, um Kosten für Provisorien zu reduzieren (Variante wurde aufgrund von technischen und den späteren Betrieb betreffende Faktoren verworfen)
  • Erhalt der Haupttribüne (aus wirtschaftlichen Gründen verworfen: Um die Tribüne mit dem technischen Stand von 1988 funktionstüchtig zu erhalten, rechnen die Verantwortlichen mit einem Finanzierungsbedarf in Höhe von zirka 13 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren. Hinzu kommen erhebliche funktionale Defizite, welche in der aktuellen Architektur nicht durchgesetzt werden könnten. Konkret sind dies: aus Vermarktungssicht nicht angemessene Hospitality-Bereiche, ungenügende Standards der Trainings- und Mannschaftsbereiche, unbefriedigende Verpflegungssituation, unzureichende Räumlichkeiten für Leitstelle der Polizei und der Rettungsdienste, Niveausprung im durchgehenden Stadionumlauf)

Wieso zahlt die Stadt die zusätzlichen Kosten von 9 Millionen Euro?

Die Übernahme der Vorabmaßnahme Kampfmittelentsorgung reduziert das Kostenrisiko: Die Freimachung des Baugrunds sind verpflichtende Aufgaben des Bauherrn. Der Beschluss zur Erhöhung der Kosten auf um neun auf 123 Millionen Euro steht unter dem Vorbehalt eines weiteren Beschlusses des Gemeinderats im Juli - wenn konkrete Zahlen und Details sowohl zur Vorabmaßnahme als auch zum Hauptprojekt Umbau vorliegen.

Oberbürgermeister Frank Mentrup am 20. April zur Entscheidung der Stadt:

Worauf verzichtet der KSC?

Um die Kosten um rund drei Millionen Euro zu optimieren, hat der KSC folgenden Punkten zugestimmt:

  • erhebliche Teile der Provisorien für Hospitality und Geschäftsstelle entfallen während der Umbauphase
  • Der KSC wird die Kosten für Hospitality-Parkhaus budgetwirksam tragen und es bei öffentlichen Veranstaltungen entgeltlich zur Verfügung stellen. Möglichkeiten, dass der KSC den Bau des Parkhauses selbst vergeben kann ("Bauen auf fremden Grund") werden derzeit geprüft
  • Reduzierung der Zuschaueranzahl von 35.000 auf 34.000 Zuschauer

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther am 20. April zur Entscheidung des KSC:

Was wird noch entschieden?

  • Verlängerung Refinanzierungszeitraum des KSC für das neue Stadion von 33 auf 35 Jahre - als Ausgleich für die Übernahme der Kosten für den Neubau des Parkhauses. Daraus ergibt sich eine Pachtreduktion in der Ersten und Zweiten Liga um 200.000 beziehungsweise 100.000 Euro. Der Gesamtfinanzierungsbeitrag ändert sich nicht
  • Geänderte Baureihenfolge: Die Vorabmaßnahmen haben Auswirkungen auf den Bauablauf. Ursprünglich war vorgesehen, die Tribünen nach und nach abzureißen und neu zubauen. Mit dem Vorhaben, bereits im Vorfeld die Erdwälle abzutragen, ist diese Variante nun nicht mehr möglich. Stattdessen wird die Tribünenanlage rings um die Haupttribüne abgerissen, das Erdmaterial abgetragen, neben dem Stadion gesichtet und umgelagert. Das verunreinigte Material wird abtransportiert, die saubere Erde wieder verbaut. Einsatz von Ersatztribünen für Zeit des Umbaus mit einer Zuschauerkapazität von 15.400 Zuschauern
  • Neue Ausschreibung für Vorabmaßnahme (Kampfmittelbeseitigung)
  • Änderungen im Vertragswerk vom 17. November 2016: Das aktualisierte Vertragswerk muss spätestens bis zur Zuschlagserteiltung für die Vorabmaßnahme unterzeichnet und gegebenenfalls notariell beurkundet sein
  • Finanzieller Zuschuss: Auswirkungen auf Beihilferecht beziehungsweise Notifizierungsverfahren: Für die beihilferechtliche Beurteilung kommt es nicht auf die Gesamtsumme, sondern auf den wirtschaftlich zu nutzenden Stadionkörper im engeren Sinne an. Ein Verfahren über Freistellung des Gesamtvorhabens (gemäß Art. 55 AGVO) wird eingeleitet. Dies war zuvor nicht möglich, da sich erst nach dem Gemeinderatsbeschluss 2016 die rechtlichen Vorgaben geändert haben
  • Neuer Zeitplan: Sofern das neue Konzept heute vom Gemeinderat abgesegnet wird, sieht die Zeitschiene vor, dass im Oktober 2018 der Vollumbau an ein Unternehmen vergeben werden soll. Im November 2018 soll dann der Abbruch der Wälle erfolgen. Bis März 2019 soll zunächst die nördliche Ersatz-Tribüne entstehen, bis August 2019 dann die südliche Tribüne. Im November 2019 könnte dann die rund zweijährige Bauzeit für das neue Stadion beginnen. Wenn alles nach Plan läuft, rollt der Ball also Ende 2021 erstmals im neuen Wildpark

Warum wird die Ausschreibung nicht einfach gestoppt?

Eine Alternative zur aktuellen Vorgehensweise wäre, das Vergabeverfahren zu beenden und aus den vertraglichen Bindungen mit dem KSC auszusteigen. Dann wäre ein Neustart des Projekts notwendig - mit dann "grundlegend veränderten Rahmenbedingungen", so heißt es in der Beschlussvorlage.

Und weiter. "Zu diesem Zeitpunkt besteht allerdings keine Vorstellung darüber, wie dies aussehen könnte. Zu rechnen wäre hierfür mit einem erheblichen Zeitverlust, da unter signifikanten Ressourcen- und Personaleinsatz noch einmal erneut Grundlagenarbeit beziehungsweise Grundlagenabstimmung zu tätigen wäre." Das heißt: Entscheidungen wie Neubau oder Umbau oder die Standortfrage würden erneut diskutiert werden...

Die Gemeinderatssitzung startet heute um 15.30 Uhr im Rathaus am Marktplatz. Die Sitzung ist öffentlich und kann auf der Zuschauertribüne mitverfolgt werden. ka-news ist wie immer vor Ort und wird im Artikl "Stadion-Entscheidung: Live-Ticker aus dem Gemeinderat" zeitnah von der Entscheidung berichten.

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Kommentare (12)
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  •   ALFPFIN
    (6026 Beiträge)

    24.04.2018 13:57 Uhr
    Bei der UStrab ist das Ende
    der Diskussionen und Erklärungsversuche über die immer weiter steigende Kosten langsam abzusehen, wenn auch noch ein paar Einschläge kommen. Da wird es Zeit, dass sich die Diskussionen über die immer weiter steigenden Kosten für den Neubau Stadion warm laufen. Und man bedenke, wieviel Sitzungen es braucht, um auch da wieder Erklärungsversuche "auszuknobeln." Der Gemeinderat ist also beschäftigt.
    ka-news kann seine User halten, die Werbung gut platzieren, denn uns Usern geht auf Jahre hinaus der Gesprächsstoff nicht aus.
    Das alles kann man nur noch sarkastisch kommentieren.
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  •   RaZheL
    (172 Beiträge)

    24.04.2018 10:20 Uhr
    Was
    Was ist eigentlich mit diesem Areal? Das ist direkt an der Autobahn und bietet genug Platz.

    Naturschutz? >> https://goo.gl/maps/UPx5iq4kDDR2
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  •   seelenheil
    (484 Beiträge)

    24.04.2018 09:48 Uhr
    Rechtzeitig Bremse ziehen
    Spricht man heute mit Verantwortlichen beim BER oder S21, sagen diese, dass man das Projekt so nicht mehr angehen würde und dass jeweils zu Beginn Probleme aufgetreten sind, die man rasch weggewischt hat, die dann aber wieder eingeholt haben.
    Der Standort des Stadions sollte ja behalten werden, weil man dort auf einen gewissen Bestand aufbauen wollte.
    Aus Logistik- und Sicherheitsgründen ist der Standort völlig ungeeignet.
    In Sinsheim wurde direkt an der Autobahn für rund 60 Mio. € ein ordentliches und funktionelles Stadion gebaut. In Kaiserslautern hat man zur WM2006 ein Stadion für 80 Mio. umgebaut und damit die Basis für den Niedergang des FCK gelegt. Der damalige Vorstand sagte intern, dass man besser statt des PR-Parkplatzes an der A6 bei KL-Ost dort für 50 Mio. € neu gebaut hätte.
    Karlsruhe und der KSC sollten die aktuelle Entwicklung als "Signal" erkennen und an einem anderen Standort neu bauen.
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  •   Mili
    (699 Beiträge)

    24.04.2018 07:55 Uhr
    "Hospitality-Parkhaus"
    Was soll das denn sein?
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  •   betablocker
    (2382 Beiträge)

    24.04.2018 07:42 Uhr
    Bedeutet das jetzt,
    dass man den Bietern überlässt ob die Wälle bleiben oder abgebaut werden? Und wenn einer ein tolles Angebot macht bleibt das ach so gefährliche Zeug da liegen? Oder was jetzt?
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  •   bohnerc
    (103 Beiträge)

    24.04.2018 09:05 Uhr
    Wälle
    Ursprünglich war den Bietern freigestellt, was sie mit den Wällen machen. Die Angebote waren jedoch alle über dem Kostenrahmen, welcher vom Gemeinderat genehmigt ist, ein großer Punkt war der Umgang mit den Wällen.

    Jetzt werden die Wälle extra ausgeschrieben - für 9 Millionen Euro soll die Erde abgetragen und gesichtet werden. Dies ist eine ersten Kostenannahme der Verantwortlichen. Rund 80% der Erde in den Wällen kann wieder verwendet werden! Im Sommer soll die Vergabe der Entsorgung der Wälle im Gemeinderat entschieden werden, dann sind genaue Zahlen durch Bieterangebote bekannt. Die Vorabmaßnahme startet im Oktober und soll vor Start des Stadionumbaus (November 2019) fertig sein.

    Die Ausschreibungsfrist für den Vollumbau wurde bis Mai verlängert- hier soll die Entscheidung im September 2018 fallen, damit im November 2019 der Umbau beginnen kann.
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  •   mixe
    (1148 Beiträge)

    24.04.2018 06:25 Uhr
    so langsam
    kommt es ans licht. die kosten für den spielplatz werden erheblich teurer. ich bin überzeugt, dass die verwaltung das vorher gewusst hat und es nur bewusst und vorsätzlich verschwiegen hat. die endrechnung wird unter garantie nochmals erheblich über dem liegen was dem steuerzahler jetzt präsentiert wird. eine schande.
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  •   karlsruher1955
    (949 Beiträge)

    24.04.2018 08:29 Uhr
    Kostensteigerung
    Dieser Beitrag entspricht 100 prozentig den Tatsachen. Die Bevölkerung wird bewusst an der Nase herumgefuehrt. Bis dieser Unsinn vielleicht mal umgesetzt ist werden die meisten jetzigen Gemeinderatsmitglieder Geschichte sein.
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  •   LA001
    (51 Beiträge)

    24.04.2018 08:20 Uhr
    Schande
    ihr Beitrag ist eine Schande.
    Polemisch und einfach inhaltslos.
    Keine Ahnung von der Materie. Einfach drauf los ballern
    und den Fußball, hier den KSC versuchen in die Ecke zu stellen.
    Das funktioniert so aber nicht.
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  •   hajmo
    (3958 Beiträge)

    24.04.2018 10:49 Uhr
    Mixe hat recht!
    Da werden die Kosten bewusst klein gerechnet und das dumme Wahlvolk getäuscht. Wenn alles fertig werden sollte, würde ich wetten, dass die Kosten auf bis zu 200 Millionen gestiegen sind.
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