Der Eisbär ist das Wappentier des Zoologischen Stadtgartens Karlsruhe. Doch immer wieder wird Kritik an der Haltung der Tiere laut. Unter anderem hatte der Tod von  Eisbärenmännchen "Blizzard" im Februar  eine Diskussion um die Haltung der Eisbären in Karlsruhe losgebrochen. Besonders die Grünen hatten sich gegen eine Nachzucht der Tiere in den Zoos ausgesprochen.

Ausschuss tagte am Dienstag, 29. November

Am 29. November, im Rahmen des Ausschusses für öffentliche Einrichtungen, wurde das Thema nun erneut angeschnitten. Hier forderte die Fraktion der Grünen in einem Antrag, die Lebensbedingungen der Eisbären im Zoo zu überprüfen. Zur Kritik an der Eisbärenhaltung äußerte sich vor allem Grünen-Stadträtin Renate Rastätter.

Renate Rastätter Grüne
Renate Rastätter, Stadträtin der Grünen-Fraktion Karlsruhe. | Bild: Grüne Karlsruhe

"Eisbärenhaltung außerhalb ihres Lebensraumes kann nicht tiergerecht sein. Eisbären sind Lauftiere und legen pro Tag 50 Kilometer zurück. Das kann ihnen kein Zoo der Welt gewährleiste. Unserer Meinung nach sollte man den Tieren lieber dort, wo sie in der Natur vorkommen, Reservate einrichten", so ihre Worte.

Eisbären Population schrumpft

Die erste Stellungnahme der Stadt (ka-news.de berichtete) halte sie dabei für unbefriedigend: "Wir haben Sie gebeten, offen zu sein für Alternativen, aber die Stadt scheint die Eisbärenhaltung alternativlos zu sehen. Wir möchten die Eisbärenhaltung in Karlsruhe nicht einmal zwangsläufig beenden, wir wollen nur, dass der Zoo prüft, ob sie noch zeitgemäß ist", sagt Rastätter.

Das könnte Sie auch interessieren

Um auf die Kritik der Grünen einzugehen, meldet sich der Direktor des Karlsruher Zoos, Matthias Reinschmidt, zu Wort. Er listet einige Argumente auf, die vonseiten des Stadtgartens für die Eisbärenhaltung sprechen. "Der Eisbär steht auf der Roten Liste und gilt als gefährdete Spezies. Es existieren nur noch 26.000 Exemplare auf unserer Erde. Wir erwarten, dass sich die Population in den nächsten Jahrzehnten noch weiter verringert", erklärt er.

Reinschmidt: "Der Eisbär braucht eindeutig Hilfe"

Laut Reinschmidt gebe es immer mehr Abwanderungen der Eisbären von seinem Lebensraum in den Polargebieten, die vor allem durch die Packeisschmelze ausgelöst werden. "Als Resultat wandern die Eisbären in Richtung Süden. Da kommt es nicht nur zu Mensch-Tier-Konflikten, sondern auch zu Bestandsbedrohungen und Nahrungskonflikten in freier Wildbahn. Kurzum: Der Eisbär braucht eindeutig Hilfe", sagt der Zoodirektor.

Matthias Reinschmidt zusammen mit Hyazinth-Ara Henry.
Matthias Reinschmidt, Direktor des Zoologischen Stadtgartens Karlsruhe. | Bild: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Und Hilfe könne man von Karlsruhe eben am ehesten durch den Tierparkbetrieb leisten. Dabei sei man stets auf artgerechte Haltung bedacht.

"Es gibt Mindestanforderungen für die Haltung von Säugetieren in Bezug auf Gehegegrößen, Ernährung und Hygiene. Die halten wir auch ein, aber wir orientieren uns dabei nicht an Mindestanforderungen, sondern folgen den hohen tiergärtnerischen Verpflichtungen. In Gefangenschaft leben weltweit 217 Eisbären in 83 Zoos. Wir dürfen sagen, dass der Karlsruher Zoo dabei mit die höchsten Standards bietet", sagt Reinschmidt.

Tiere werden im Zoo älter

Laut Reinschmidt äußere sich das auch in der Lebenserwartung der Tiere. "Zoologen beobachten bei allen Raubtierklassen in Tierparks immer weniger Jungtiersterben und immer höhere Langlebigkeit. Das gilt nachweislich auch für Eisbären. Man kann daraus also ableiten, dass die Haltungsbedingungen sich stetig verbessert haben und noch weiter verbessern. Auch wir in Karlsruhe haben einen Anteil daran."

Dass Blizzard mit 16 Jahren gestorben ist - was knapp über der Hälfte der Lebenserwartung eines Eisbären liege - stehe laut dem Zoodirektor nicht in Zusammenhang einer schlechten Tierhaltung.

"Blizzard hatte Nierenprobleme. Das trifft erst einmal keine Aussage über die Haltungsbedingungen. Sein Tod war traurig, aber nicht jedes Säugetier erreicht das Höchstalter. Das ist bei Menschen ja genauso. Sollte sich aber zeigen, dass bestimmte Spezies nicht mehr tiergerecht gehalten werden können, schaffen wir sie natürlich im Zoo ab. Das war ja schon bei den Löwen der Fall", argumentiert der Zoo-Chef.

Andere Fraktion stimmen überein

Reinschmidts Ausführungen zeigen bei den Anwesenden Fraktionen der SPD, der CDU, der Linken und der FDP große Wirkung. Fast alle Stadträte zeigen sich von der Präsentation des Zoodirektors überzeugt. "Wir können den Lebensraum der Tiere in Karlsruhe gut simulieren", sagt Stadtrat Michael Zeh von der SPD. "Ich glaube deshalb, wir sollten auf diese Expertise der Zoo- und Biologen hören. Ob wir noch einmal züchten oder nicht ist eine andere Frage, aber grundsätzlich stimmt unsere Fraktion für eine weitergeführte Haltung."

Michael Zeh von der SPD.
Michael Zeh von der SPD. | Bild: Michael Zeh

Karin Binder zeigt sich von den Aussagen Reinschmidts ebenfalls überzeugt: "Unsere Fraktion hat sehr unterschiedliche Positionen zum Thema Zoo. Aber ohne die internationale Zusammenarbeit der Zoos, wären viele Arten noch stärker bedroht", meint sie.

Karin Binder für Die Linke.
Karin Binder, Stadträtin der Karlsruher Fraktion Die Linke. | Bild: Carsten Kitter

"Viele Tiere können im Zoo nicht so leben wie in freier Wildbahn, das ist wahr, aber wenn wir einen Beitrag leisten können, dass Tierarten erhalten bleiben oder vor Klimawandel gerettet werden, sind Tierparks sehr wichtig. Gerade die Zoos reicher Länder, der Nationen, die das Artensterben hauptsächlich zu verantworten haben, sollten dabei helfen."

Zoo soll Besucher auf Artensterben sensibilisieren

Zuletzt überdenkt auch Stadträtin Rastätter dank Reinschmidts Vortrag ihre Position.

"Uns ist oft nicht klar, wie verheerend die Auswirkungen des Klimawandels auf die Artenvielfalt sind. Wenn dieses Tier aber dazu beiträgt, die Menschen fürs Artensterben zu sensibilisieren, kann die Haltung legitim sein. Wenn wir aber keine Alternative zur Eisbärenhaltung suchen, sollten wir den Zoo weiterentwickeln und das Bewusstsein der Gäste für Artensterben noch stärker vermitteln", sagt Rastätter nach Reinschmidts Vortrag.

Die Grünen seien zuversichtlich, dass der Zoo eine "gute Lösung" finden werde. Der Antrag der Grünen gilt damit als erledigt.

 

 

 
Mehr zum Thema zoo-karlsruhe: Zoo in Karlsruhe