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Karlsruhe: Gibt es bald keine Eisbären mehr im Karlsruher Zoo? Ausschuss tagt heute

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Gibt es bald keine Eisbären mehr im Karlsruher Zoo? Ausschuss tagt heute

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    Eisbär Lloyd ist der neuste Zugang im Karlsruher Zoo.
    Eisbär Lloyd ist der neuste Zugang im Karlsruher Zoo. Foto: Zoo am Meer Bremerhaven

    Die Grünen fordern, dass das Gremium Alternativen zur Eisbärenhaltung im Karlsruher Zoo prüfen und entsprechende Pläne entwickeln soll, denn: "Auch wenn die Eisbärenanlage die deutschlandweit größte ihrer Art sein soll, kann sie nach unseren Erkenntnissen den arttypischen Ansprüchen ihrer Bewohner bei Weitem nicht Rechnung tragen."

    Herrscht Bewegungsmangel?

    Kritisiert wird der Mangel an Bewegung, denn laut der Fraktion legt ein einzelner Eisbär am Tag bis zu 50 Kilometer zurück. Das sei außerhalb der freien Wildbahn schlichtweg unmöglich - und unnötig, meint die Stadtverwaltung.

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    Foto: Thomas Riedel

    Denn: "Eisbären haben in ihren natürlichen Verbreitungsgebieten in der Tat sehr große Streifgebiete, zunehmend dem kontinuierlichen Rückgang des Packeises und der damit verbundenen erschwerten Nahrungssuche geschuldet", heißt es in der Stellungnahme zum Antrag.

    Alle Anforderungen übertroffen

    Um beide Faktoren müssen sich die Eisbären in Karlsruhe keine Sorgen machen und auch ansonsten geht es Ihnen gut, wie eine gemeinsame Studie mit der Universität Zürich, dem Zoo Halle und dem Zoo Kopenhagen aus dem vergangenen Jahr zeigt.

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    Foto: Thomas Riedel

    Die Stadtverwaltung teilt weiter in einer Stellungnahme mit: "Die Anforderungen anhand des Gutachtens über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren werden von der Anlage des Zoologischen Stadtgartens bei Weitem erfüllt. Sowohl was die Größe der Anlage als auch deren Ausgestaltung betrifft."

    Eisbär "Blizzard" früh gestorben

    Der Tod des Eisbären Blizzard im Februar diesen Jahres werfe dennoch Fragen über das tatsächliche Wohlergehen der Zoobewohner auf, finden die Grünen. Eine ausgiebige Untersuchung des Tiers stellte allerdings eine chronische Nierenerkrankung als Todesursache heraus - nicht die Lebensumstände, teilt die Stadt mit.

    Auch wenn eine vollständige Nachahmung der Lebenswelt in freier Wildbahn unmöglich sei, so gäbe es für die Haltung der Eisbären tiefgreifende Gründe, meint die Stadt. Allem voran blieben die Gefahren der natürlichen Umgebung aus. Das bedeutet: Keine Nahrungsknappheit, Krankheiten und Verletzungen.

    Erhalt der Eisbären

    Aufgrund wandelnder Umstände prognostiziert die globale Tierschutzorganisation IUCN (International Union for Conservation of Nature), dass die Eisbärpopulation innerhalb der nächsten 35 Jahren um mehr als 30 Prozent zurückgehen wird. Derzeit betrage die geschätzte Gesamtzahl nicht mehr als 26 000 Exemplare - weltweit!

    Kongsfjord-Gletscherfront im Polarmeer bei Ny-Ålesund auf Spitzbergen (Norwegen). Im Nordpolarmeer schmilzt das Eis, anderswo wird es mehr Dürren geben, erwarten die Fachleute vom Weltklimarat.
    Kongsfjord-Gletscherfront im Polarmeer bei Ny-Ålesund auf Spitzbergen (Norwegen). Im Nordpolarmeer schmilzt das Eis, anderswo wird es mehr Dürren geben, erwarten die Fachleute vom Weltklimarat. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

    Um den Erhalt der Eisbären zu ermöglichen, hat sich der Zoologische Stadtgarten Karlsruhe der Haltung und Zucht der Tiere verschrieben. Diese Arbeit ermögliche außerdem die weitere Erforschung der Bären, so der Zoo. 

    Eisbär im Karlsruher Zoo
    Eisbär im Karlsruher Zoo Foto: Zoo Karlsruhe/Deible

    "In Bezug auf die Eisbärenhaltung im Zoo Karlsruhe werden wir eine Vorreiterrolle in der Konzeption und Umsetzung von wissenschaftlichen Studien zur ständigen Weiterentwicklung der vorhandenen Haltungssysteme dieser Tiere übernehmen", so die Stellungnahme der Stadt.

    Eisbärhaltung adé?

    Trotz dieser Gründe sind bereits einige namhafte Zoos in Deutschland aus der Eisbärhaltung ausgestiegen, merken die Grünen richtig in ihrem Antrag an. Die Wilhelma oder auch der Grüne Zoo Wuppertal haben ihre Einrichtungen aufgegeben.

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    Foto: Thomas Riedel

    Laut Stadtverwaltung habe dies jedoch hauptsächliche wirtschaftliche Gründe. "In Karlsruhe wurde in den 2000er-Jahren viel Geld investiert, um eine zukunftsfähige Eisbärenhaltung zu ermöglichen - in unseren Augen ein gravierender Unterschied zu den anderen Einrichtungen", so die Stadt.

    Promis: Die Karlsruher Eisbären

    Dies hat letztendlich dazu beigetragen, dass die Karlsruher Eisbären über die Grenzen des Bundeslands und der Bundesrepublik hinaus bekannt geworden sind. "Die Haltung und Zucht von Eisbären ist für den Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe ein wichtiges Aushängeschild", erklärt der Zoo.

    Auch deshalb möchten die Verantwortlichen weiter auf die Eisbärenhaltung setzen - und diese fortwährend verbessern. "Wir sind bestrebt, die Anforderungen stets zu übertreffen und werden auch mit Blick auf die Zukunft gerichtet, kontinuierlich Erweiterungen und Umgestaltungen unserer Eisbärenanlage planen", wie die Stadt in ihrer Antwort auf den Antrag mitteilt.

    Wie diese Zukunft aussehen könnte, das wird am 29. November im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen diskutiert werden. Für die Stadtverwaltung steht jedoch eines fest: "Der Zoologische Stadtgarten Karlsruhe ist ein wichtiges und wertgeschätztes Mitglied der internationalen Bemühungen zum Arterhalt dieser vom Klimawandel so massiv beeinflussten und gefährdeten Tierart."

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