Eine ganze Reihe von stationären und mobilen Blitzern sind an den verschiedenen Stellen der Stadt Karlsruhe angebracht, um den fließenden Verkehr zu überwachen und vor allem, um die Autofahrer an das geltende Tempolimit zu erinnern.

Tempolimit gilt nicht für mich: Wer die Bedeutung von Verkehrsschilder fehlinterpretiert, bekommt Probleme.
Tempolimit gilt nicht für mich: Wer die Bedeutung von Verkehrsschilder fehlinterpretiert, bekommt Probleme. | Bild: Daniel Reinhardt/dpa/dpa-tmn

Der Ärger über das Knöllchen fällt mal mehr, mal weniger heftig aus - während der eine Autofahrer heftig flucht, beschädigt ein anderer schon mal den Blitzer selbst: Im September 2017 hat ein Unbekannter eine Blitzer-Anlage mit einem Hammer angegriffen und dabei das Gehäuse stark beschädigt. Die Vermutung liegt nahe: Er könnte zuvor von der Anlage "geblitzt" worden sein.

Keine Seltenheit auf den Karlsruher Straßen. Wir haben nachgefragt, wo in Karlsruhe am häufigsten geblitzt wird.

Wo wird in Karlsruhe am häufigsten geblitzt?

"Grundsätzlich ist zwischen der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung aus einem Messfahrzeug heraus und der Überwachung mittels stationären Messanlagen zu unterscheiden“, erklärt Helga Riedel vom Presseamt Karlsruhe.

Das könnte Sie auch interessieren

“Eine Statistik ist allerdings nur für die stationäre Überwachung möglich, da hier eine Auswertung des Standorts möglich ist. Dagegen variieren die Standorte der mobilen Kontrollen stark. Von den derzeit insgesamt 29 stationären Anlagen löste die Anlage Höhe Wasserwerk auf der Südtangente in Fahrtrichtung Osten (Durlach) im Jahr 2021 am häufigsten und zwar rund 24.500 Mal aus“.

Vorteile der mobilen Blitzer in Karlsruhe

Ein fest installiertes Geschwindigkeitsmessgerät hat oft den Nachteil, dass die Autofahrer genau wissen, wo dieses steht – dann brav und langsam an diesem vorbeifahren, um anschließend wieder aufs Gas zu treten. Deswegen setzt die Polizei öfter auf mobile Blitzer. Diese können schnell auf- und abgebaut werden und haben einen Überraschungseffekt.

Nicht nur die Polizei, sondern auch die Kommunen dürfen mobile Geräte aufstellen. Viele Gemeinden beauftragen externe Firmen mit dieser Aufgabe. Die mobilen Blitzer arbeiten häufig mit elektromagnetischen Wellen oder speziellen Lichtsignalen, die vom jeweiligen Fahrzeug reflektiert und an das Messgerät zurückgesendet werden.

Es wird geblitzt (Archivbild).
Es wird geblitzt (Archivbild). | Bild: Angelika Warmuth/dpa

Aber wie werden eigentlich die Stellen bestimmt, an welchen eine mobile Geschwindigkeitsmessung durchgeführt wird? Und welchen Weg nimmt das geschossene Bild vom Karlsruher Blitzer in den Briefkasten des Fahrzeughalters? Diese Fragen beantwortet Mathias Tröndle vom Presse- und Informationsamt der Stadt Karlsruhe.

Bürger können Kontrollstellen für Blitzer in Karlsruhe vorschlagen

Grundsätzlich könne man keine konkrete Zahl von mobilen Messstellen nennen, da sich die Standorte und deren Rahmenbedingungen immer wieder ändern: "Einige Kontrollpunkte werden aufgrund der Verkehrslage zeitweise aus dem Messplan genommen. Andere Standorte werden regelmäßig zu verschiedenen Tageszeiten, oft auch mehrfach in einer Woche, mit unterschiedlichen Messtechniken kontrolliert", so Tröndle.

Neuer Blitzer Gustav-Heinemann-Allee
Blitzer in der Gustav-Heinemann-Allee | Bild: Thomas Riedel

"Ob eine Messung durchgeführt wird hängt allerdings immer von verschiedenen Faktoren wie der Verkehrslage, dem Gefahrenpotential der jeweiligen Örtlichkeit, der Anzahl der Geschwindigkeitsverstöße oder dem Beschwerdeaufkommen aus der Bürgerschaft ab", erklärt er weiter. Beschweren können sich die Karlsruher über ein Formular auf der städtischen Internetseite. Dort können sie eintragen, wenn sie an einer Straße eine Überwachungsmaßnahme als erforderlich ansehen. Wo dann tatsächlich geblitzt wird und wo an den Tagen die Blitzer-Messstellen in Karlsruhe eingerichtet waren, berichtet die Stadt dann auf einer weiteren Seite.

Blitzer in Karlsruhe: Wann kommt der Bußgeldbescheid?

Die Daten aus den Messungen werden zunächst vom Speicher der jeweiligen Anlage heruntergeladen und als Rohmaterial an eine externe Firma verschickt. Erst dort werden nach Tröndles Angaben die Daten entschlüsselt und zur Auswertung aufgearbeitet.

"Im Anschluss erfolgt die Auswertung jedes einzelnen Falles durch das Ordnungsamt", erklärt Mathias Tröndle weiter. Die Auswertung der Daten vor Übermittlung an die Bußgeldstelle wird von zwei Mitarbeitern im Innendienst übernommen. Eine solche Auswertung dauere, je nach Aufwand, zwischen zehn Sekunden und einer Minute.

Ein Bußgeldbescheid wurde zugestellt - wirklich? Diese Frage müssen in manchen Fällen sogar Gerichte klären.
Ein Bußgeldbescheid wurde zugestellt - wirklich? Diese Frage müssen in manchen Fällen sogar Gerichte klären. | Bild: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn/Archivbild

"Bei einigen Fällen muss auch mit der externen Firma oder dem Messbediensteten Rücksprache gehalten werden, was die Bearbeitungszeit entsprechend verlängert. Nach der Auswertung beim Ordnungsamt gehen die Daten dann an die Bußgeldstelle, welche die Halter der jeweiligen Fahrzeuge ermittelt und anhört. "Vom Tattag bis zur Versendung der Anhörung beziehungsweise des Zeugenfragebogens vergehen in der Regel etwa zwei bis drei Wochen", so Tröndle abschließend.

Wie viel Toleranz wird beim Blitzen in Karlsruhe abgezogen?

“Der Toleranzabzug erfolgt automatisch“, erläutert Helga Riedel. “Dieses Instrument wird angewandt, um etwaige Messungenauigkeiten auszugleichen. Grundsätzlich wird bei einer Geschwindigkeit bis 100 km/h eine Toleranz von 3 km/h vom Messergebnis des Blitzers abgezogen. Bei einem Tempo über 100 km/h liegt der Abzug bei 3 Prozent der jeweils gemessenen Geschwindigkeit“.

Knöllchen an der Scheibe: Was aber, wenn der Fahrer nicht bezahlt und der Halter gar nichts von der Verwarnung weiß?
Ein Knöllchen an der Scheibe. | Bild: Christin Klose/dpa-tmn

In der Regel wird erst geblitzt, wenn man 4 km/h zu schnell fährt. Der Grund ist, dass 3 km/h schon abgezogen werden, wenn die erlaubte Geschwindigkeit unter 100 km/h liegt. In der Führerschein-Probezeit braucht man keine Angst zu haben, dass einem der Führerschein entzogen wird. Bei maximal 20 km/h zu schnell gibt es ein Verwarnungs- oder Bußgeld ohne Punkte.

Welcher Bußgeldkatalog gilt ?

Aktuell gilt der Bußgeldkatalog 2022. Je nachdem, ob außerorts oder innerorts geblitzt wurde, kann auch die Höhe des Bußgeldes unterschiedlich ausfallen. So kostet ein Verstoß bis zu 10 km/h außerorts 20 Euro, innerorts jedoch 30 Euro. Punkte gibt es ab einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 20 bis 25 km/h.

Wann verjährt ein Knöllchen?

Das Blitzerfoto mit Knöllchen landet normalerweise innerhalb von sechs Wochen im Briefkasten. Bis zu einem Zeitraum von drei Monaten haben die Behörden jedoch Zeit, den Bußgeldbescheid zu übermitteln. Eine absolute Verjährung tritt nach zwei Jahren in Kraft. Aber wenn nach drei Monaten kein Bußgeldbescheid zugestellt wurde, gilt der Bußgeldbescheid als verjährt.

Dieses Knöllchen haftet am "Falschparker"
Dieses Knöllchen haftet am "Falschparker" | Bild: (ka-Reporter)

Der Bußgeldbescheid kann zum Beispiel ungültig werden, wenn der Fahrer nicht eindeutig zu identifizieren ist. Ein anderer Grund für die Ungültigkeit könnte sein, dass reflektierende Oberflächen oder Sonneneinstrahlung beim Blitzer zu einer Fehlmessung geführt haben könnten.

Wohin fließt das Bußgeld?

Die Einnahmen aus den Bußgeldern bekommen die Kommunen und von hier aus werden sie in unterschiedliche Richtungen verteilt. Deswegen ist eine genaue Verwendung der Gelder schwer festzustellen. Ebenso ist “eine Angabe über die Gesamtzahl der stationären Messanlagen in Baden-Württemberg uns nicht möglich“, sagt Helga Riedel, “da jede Kommune lediglich für das eigene Hoheitsgebiet entscheidet, wo und in welcher Form eine stationäre Überwachung installiert wird“.

Das könnte Sie auch interessieren

Sind Blitzer-Apps erlaubt?

An und für sich könnte eine Blitzer-App, die die aktuellen Blitzerstellen meldet und vor möglichen Bußgeldern schützt, ganz praktisch sein. Jedoch sind Blitzer-Apps für Smartphone und Radarwarner für Navis in Deutschland verboten und deren Nutzung steht unter Strafe – wer sie verwendet riskiert Bußgelder.

Wo darf der Blitzer stehen? In Baden-Württemberg sind die Regeln anders

Was die Entfernung der Blitzer vom Verkehrsschild betrifft, sind die Regeln in jedem Bundesland anders. In der Regel liegt der Abstand 75 und 200 Metern hinter einem Verkehrsschild, jedoch in Baden-Württemberg kann hinter einem Verkehrsschild mit der Höchstgeschwindigkeit sofort ein Blitzer stehen. Bundesweit werden die Marken Porsche, Jaguar, Audi und BMW am häufigsten geblitzt, ob das auch für Karlsruhe gilt?  “Hierüber führt die Stadt Karlsruhe keinerlei Statistik“, gibt Helga Riedel zu.