Bei einem Stau außerorts ist grundsätzlich jeder Verkehrsteilnehmer verpflichtet, eine Rettungsgasse zu bilden - das bestätigt der Allgemeine deutsche Automobil-Club (ADAC) und schätzungsweise jeder Fahrschullehrer.

Immer wieder Verstöße gegen die Rettungsgasse

Dennoch kommt es auf Karlsruhes Autobahnen immer wieder zu Verstößen gegen jenes Gesetz zu Verkehrssicherung.  Jüngstes Beispiel: Erst am vergangenen  Montag kam es auf der A5 bei Bruchsal zu einem schweren Unfall, bei dem in 53 Fällen gegen das Rettungsgassengesetz verstoßen wurde.

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Und Versäumnisse wie diese seien im Großraum um Karlsruhe keineswegs eine Seltenheit. Alleine im Jahr 2021 kam es zu nicht weniger als 219 dokumentierten Verstößen gegen das Rettungsgassengesetz, so die Angaben der Karlsruher Polizei. Viele Fahrer seien sich nicht vollständig im Klaren, wie sie sich im Falle eines Staus und bei der Gassenbildung zu verhalten hätten.

Rettungsgasse bei zwei oder mehr Spuren?

Doch was ist überhaupt das Wichtigste beim Bilden einer Rettungsgasse? Zunächst einmal gebietet der Grundgedanke einer Rettungsgasse natürlich, dass niemand außer den zugelassenen Einsatzfahrzeugen sie durchfährt. Alle anderen Verkehrsteilnehmer sollten daher den eigenen Standort und die Verkehrsführung schnell und effizient beurteilen.

Mit der Bildung einer solchen Rettungsgasse sollte man möglichst früh beginnen - also noch bevor die Autos stehen.
Mit der Bildung einer solchen Rettungsgasse sollte man möglichst früh beginnen - also noch bevor die Autos stehen. | Bild: Holger Hollemann/dpa/dpa-tmn

Bei zweispurigen Straßen und Autobahnen gilt: Sobald sich zwei Kraftfahrzeuge (auch Zweiräder) auf einer zweispurigen Fahrbahn in Schrittgeschwindigkeit nebeneinander herfahren, muss der Fahrer auf der rechten Spur nach möglichst an den Rechten- und derjenige auf der linken Spur an den linken Fahrbahnrand fahren. Dies muss geschehen sei, bevor die Fahrzeuge zum Stillstand kommen. Sollten es auf drei- oder mehrspurigen Fahrbahnen zum Stau kommen, gelte ein Linksprinzip.

Seitenstreifen nur in Ausnahmefällen befahrbar

Anders als in anderen europäischen Ländern, wie etwa Frankreich verlaufe die Rettungsgasse in Deutschland vorgeschriebenerweise immer zwischen der Spur links außen und der Spur rechts daneben. Wer also nicht auf der linksäußeren Spur steht, muss sein Fahrzeug so weit wie möglich nach rechts positionieren, so der ADAC. Der Seitenstreifen müsse dabei aber grundsätzlich freibleiben. 

Eine Ausnahme: Sollte es in Baustellengebieten mit besonders engen Fahrstreifen nur durch das Ausweichen auf den Seitenstreifen möglich sein, eine Rettungsgasse zu bilden, so kann es in diesem Einzelfall gestattet sein, so der ADAC.

Bußgelder für Missachtung

Wer dem Bilden einer Rettungsgasse nicht nachkommt, dem drohen dabei Bußgelder im dreistelligen Bereich und Fahrverbote. Laut dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) gebe es sechs Abstufungen für Bußgelder bei Verstößen gegen das Rettungsgassengesetz - drei bei Missachtung, drei bei Missbrauch. Seit den neuen Bußgeldkatalogen von 2021 wurden die Strafzahlungen noch einmal angezogen und verschärft.

Nicht gebildete Rettungsgasse: 

  • Grundsätzlich nicht gebildet: 200 Euro Bußgeld, zwei Punkte im Zentralregister Flensburg, einen Monat Fahrverbot
  • mit Behinderung der Einsatzkräfte: 220 Euro Bußgeld, zwei Punkte im Zentralregister Flensburg, einen Monat Fahrverbot
  • Gefährdung der Verkehrsteilnehmer oder Einsatzkräfte: 240 Euro Bußgeld, zwei Punkte im Zentralregister Flensburg, einen Monat Fahrverbot
  • bei Sachbeschädigung: 320 Euro Bußgeld, zwei Punkte im Zentralregister Flensburg, einen Monat Fahrverbot

Widerrechtliche Nutzung einer Rettungsgasse:

  • Unberechtigtes Befahren einer Rettungsgasse: 240 Euro Bußgeld, zwei Punkte im Zentralregister Flensburg, einen Monat Fahrverbot (Seit 2021)
  • mit Behinderung der Einsatzkräfte: 280 Euro Bußgeld, zwei Punkte im Zentralregister Flensburg, einen Monat Fahrverbot
  • Gefährdung der Verkehrsteilnehmer oder Einsatzkräfte: 300 Euro Bußgeld, zwei Punkte im Zentralregister Flensburg, einen Monat Fahrverbot
  • bei Sachbeschädigung: 320 Euro Bußgeld, zwei Punkte im Zentralregister Flensburg, einen Monat Fahrverbot

Zuletzt appelliere die Polizei auch an das Pflichtgefühl der Verkehrsteilnehmer, den Rettungskräften optimale Einsatzbedingungen zu bieten. "Eine Rettungsgasse kann Leben retten", so das Karlsruher Polizeipräsidium in einer Pressemitteilung.