Das Abholzen ging fix: Für Protest blieb am Freitag keine Zeit. Am vergangenen Freitagmorgen um acht Uhr gab die Stadt Karlsruhe auf ihrer Internetseite bekannt, dass die Platanen in der Kaiserstraße gefällt werden - eine Stunde später ist bereits der erste Stumpf zu sehen. Die Meldung über den Start der Abholzungsarbeiten erreicht ka-news.de einige Minuten später. 

"Es tut weh, das zu sehen"

Friedemann Kalmbach, Fraktionsvorsitzender von FÜR Karlsruhe, ist am Freitag dennoch vor Ort und wohnt den Abholzarbeiten bei. Mit den Worten "es tut uns weh, das zu sehen", macht der Verfechter der Platanen seine Enttäuschung abermals klar.

Protestierende sind am Freitagmorgen keine zu sehen und die Arbeiten gingen zügig voran, doch in sozialen Netzwerken macht sich prompt Unmut breit:  "Es ist eine Schande!", mit diesen Worten fasst Userin "changedmycolor" auf Instagram die ersten Reaktionen zusammen.

Am Freitagabend hatte die Linke zu einer Kundgebung eingeladen und Grabkerzen auf den Baumstümpfen in der Kaiserstraße gestellt. Die Kerzen und die Stümpfe sind mittlerweile verschwunden. 

Ersatz: Zürgelbäume und...

Dass die Platanen wegkommen, steht nach langem Hin und Her endgültig fest, über den Ersatz besteht weiter Unklarheit. Welche Bäume die Zürgelbäume beim Schattenspenden künftig unterstützen sollen, darüber muss der Gemeinderat erst noch entscheiden- dabei wünschen sich so manche mehr Mitbestimmung. Facebook-Nutzerin Silke Reeh und Matteo Ragni sind sich einig: 

Wer wird der Nachbar der Zügelbäume?
Bild: Facebook-Screenshot: ka-news.de

Mit der Entscheidung könnte sich die Stadt allerdings noch etwas Zeit lassen, da zunächst alle Platanen gefällt werden müssen, was sich nach Aussagen der Linken wohl verzögert. Diese teile am Freitag in einer Meldung an die Presse mit: "Heute Morgen wurden entgegen vieler Proteste die ersten vier Platanen für den ersten Bauabschnitt zum Umbau der Kaiserstraße gefällt. Weitere acht Platanen sollen nach Auskunft des Gartenbauamtes nun doch erst im Winter 23/24 fallen."

Mittlerweile ist von den Platanen auf der Kaiserstraße nicht mal mehr ein Baumstumpf übrig.
Mittlerweile ist von den Platanen auf der Kaiserstraße nicht mal mehr ein Baumstumpf übrig. | Bild: Corina Bohner

Diese Zeit will die Fraktion für weitere Beratungen und Prüfungen innerhalb des Gemeinderats nutzen, so die Mitteilung der Linke. "Die Fällung der 48 Platanen ist nach unserer Auffassung nicht alternativlos, wie uns immer wieder von der Verwaltung und anderen Fraktionen vorgehalten wurde." Es gebe moderne Untersuchungsmethoden, die zur Anwendung kommen sollten, um wenigstens einen Teil der Bäume zu retten, so Stadträtin Karin Binder. Der Kampf um die Bäume der Kaiserstraße ist demnach vielleicht noch nicht ausgefochten.

Streit um Karlsruhes Zukunft

Derweil bahnt sich der nächste Konflikt an: In den Sozialen Netzwerken wird geplante die Neugestaltung der Kaiserstraße heiß diskutiert, Wünsche geäußert und Frust rausgelassen. Mit Hilfe von Animationen und einem 3D-Modell will die Stadt Karlsruhe zeigen, wie die künftige Flaniermeile in der Kaiserstraße aussehen könnte. Die Modellvorstellung sorgt allerdings für gespaltene Resonanz. 

Andrea Dreusch Glockner hat in den Kommentaren auf Facebook nur wenig Lob für das Konzept übrig, aber dennoch Hoffnung: "Furchtbare Betonwüste statt viel Grün und kühler durch Bäume knallt da im Sommer die Sonne auf den Beton. So furchtbar wie der Marktplatz. Ich bin sicher, das könnt ihr besser, liebe Verantwortliche!" Sabine Scholich hat für die einen klaren Vorschlag: "Karlsruhe Innenstadt brauch gute Geschäfte und mehr Bäume und mehr Abwechslung."

Platanen auf der Kaiserstraße gefällt
Bild: Corina Bohner

Als Inspiration für weitere Verbesserungen schlägt Facebook-Nutzerin Irene May vor, bei den französischen Nachbarn zu spicken: "Karlsruhe ist nicht Paris, aber seit der grünen Bürgermeisterin der Stadt hat sich so viel verändert und wurde begrünt. Daran könnte man sich ein Beispiel nehmen und sich darüber austauschen. Dann gäbe es vielleicht auch ein Konzept, mit dem man vom Bäumefällen absehen würde!"

"Hier ist jede Menge Potenzial"

In den Sozialen Netzwerken wird sich mit Vorschlägen für die Stadtspitze nicht zurückgehalten - doch manche Zukunftsideen lassen sich wohl nicht realisieren. Renate Isleif schlägt beispielsweise vor, die Schienen in der Kaiserstraße zu behalten und zu bestimmten Anlässen die historischen Bahnen fahren zu lassen. Das ist allerdings nicht möglich, da der Bau der Kombilösung nur unter dem Aspekt genehmigt und bezuschusst wurde, dass die oberirdischen Schienen abgebaut werden.

Die neue Kaiserstraße.
Die neue Kaiserstraße. | Bild: mach:idee, R. Mach

Das dürfte Facebook-Nutzerin Cornelia Kerber freuen, denn ihrer Meinung nach weißt das Zukunftsmodell der Kaiserstraße ohnehin zu viel Grautöne auf. Sie schreibt in den Kommentaren: "Kalt, kein Charme, viel zu viel Betonfläche, wie mit dem Lineal gezogen, furchtbar! Hier ist noch jede Menge Potenzial. So jedenfalls bitte nicht!"

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Doch es gibt auch zufriedene Stimmen aus Karlsruhe. Volker Schmid kann mit der Kritik seiner Mitbürger nicht anfangen und meint: "Sieht doch schön aus und ist ne tolle Idee, weiß gar nicht, was ihr habt." Diese Art an Kommentare ist aber seltener zu lesen.