Herr Gondorf, KSC-Trainer Christian Eichner hat sich frühzeitig darauf festgelegt, dass Sie weiterhin den Job des Kapitäns haben. Sind Sie stolz darauf? Ist es normal? Egal?

Egal ist mir das auf keinen Fall. Aber ich würde damit klarkommen, wenn der Trainer mir erklärt hätte, dass er sich für einen anderen entschieden hätte, um einen neuen Reiz zu setzen, um jemand zu kitzeln, um vielleicht so die Leistung zu verbessern. Ich habe in der Menschenführung, im Umgang intern einen Schritt nach vorne gemacht.

Jerome Gondorf (KSC 8) im Duell.
Jerome Gondorf (KSC 8) im Duell. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Also: kein Stolz?

Doch absolut! Ich habe es schon mehrfach gesagt: Der KSC ist mein Heimatverein, mein Herzensverein. Es ist egal wie viele Bundesligaspiele ich gemacht habe, wie viel Erfahrung ich in meinem Alter habe - ich darf das Profiteam meines Kindheitsvereins auf das Feld führen, das erfüllt mich mit Stolz und es gibt nichts Schöneres.

Das könnte Sie auch interessieren

Sie sprachen von einem anderen, der Kapitän hätte werden können. Neuzugang Marcel Franke war bei Hannover 96 Kapitän. Für ihn ist es völlig logisch, dass Sie den Job behalten.

Diese Einstellung ist normal. Bei aller Wertschätzung für Marcel: Ein Neuzugang muss sich erst einmal eingewöhnen, muss sich sportlich eine Führungsrolle erarbeiten, denn das ist die Basis für das Kapitänsamt.

Jerome Gondorf (KSC 8) im Kopfballduell
Jerome Gondorf (KSC 8) im Kopfballduell | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Man braucht Zeit, um sich auf und neben dem Feld, in der Kabine so ein Standing zu erarbeiten. Bei einem anderen als Kapitän habe ich eher an meinen Stellvertreter Marvin Wanitzek gedacht.

Es ist heftig heiß. Freut man sich da auf die Trainingseinheiten oder wäre man lieber mit Frau und Kids am Baggersee?

(schmunzelt): Das ist ein schwieriger Vergleich… Natürlich genießt man die Zeit mit der Familie – gerade, weil es so warm ist. Aber das Trainerteam hat eine gute Mischung zwischen intensiven Einheiten und taktisch geprägten Übungseinheiten gefunden. Zudem gab es auch mal einen halben freien Tag.

Das könnte Sie auch interessieren

Positiv ist, dass unsere Trainer selbst Profis waren, wissen wie man diese Belastungen – besonders bei der Hitze – verkraftet, wissen das zu dosieren. Ich habe Lust auf Fußball, ich freue mich jeden Tag auf dem Platz stehen zu dürfen - und mich auch mal zu quälen. Das gehört dazu.

"Quälen" das ist ein Synonym für "Vorbereitungsphase." Gibt es eigentlich Unterschiede in der Vorbereitung? Sie kennen das seit vielen Jahren?

Das ist von Trainer zu Trainer unterschiedlich. Der eine mag es, wenn man im Wald läuft, der andere zieht es vor, mit dem Ball auf dem Spielfeld zu arbeiten. Wir haben eine gute Mischung. Wir sind im Wald, aber eher selten, arbeiten mehr mit hoher Intensität mit dem Ball.

Kapitän Jerome Gondorf (KSC 8) hält den Ball.
Kapitän Jerome Gondorf (KSC 8) hält den Ball. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie.de

Diese Phase ist extrem wichtig. Wir müssen topfit sein, denn in der zweiten Liga ist alles extrem eng, da ist körperliche Fitness die Basis. Da ist enorm wichtig, dass man in den letzten zehn Minuten mehr Luft hat als der Gegner, dass man da nochmals Druck ausüben kann.

Alle beim KSC sprechen von "Entwicklung." Wie und wo hat sich das Team in der vergangenen Saison entwickelt? Was muss noch "entwickelt" werden?

Positiv - alles beim KSC wird professioneller. Seit Eiche und Zlatan das Ruder übernommen haben, wurde das auch im sportlichen Bereich geschafft. Sie installierten einen zweiten Co-Trainer, einen weiteren Athletikcoach.

Das könnte Sie auch interessieren

Dann ist die Verbindung zum NLZ besser geworden, viele von dort trainieren bei uns mit. Mal kurz-, mal langfristig. Auch wir als Mannschaft versuchen professioneller zu werden. Zum Beispiel das gemeinsame, gesunde Mittagessen zwischen zwei Einheiten, um die Vorbereitung zu optimieren.

Und was sollte besser werden?

Wir müssen es schaffen, dass wir zweite Liga spielen, wenn das tolle Stadion fertig ist.

Das heißt: Saisonziel ist der Klassenerhalt?

Absolut! Wir sind bodenständig genug zu sehen, wie der Kader ist, was wir leisten können. Es hört sich nicht sexy an – aber es geht nur um den Klassenerhalt. Um dann, mit dem neuen Stadion den Verein Schritt für Schritt nach vorne zu bringen, um dann den Etat zu erhöhen.

Zweikampf zwischen Jerome Gondorf (KSC 8) am Boden und Daniel Hägele (Kickers 22).
Zweikampf zwischen Jerome Gondorf (KSC 8) am Boden und Daniel Hägele (Kickers 22). | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Fans sind mit solch zurückhaltenden Zielen nicht einverstanden, verlangen mehr Mut. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Klar. Ich in der Fanposition würde genauso denken. Ich würde auch wollen, dass mein Verein in der ersten Liga spielt. Ich verstehe jeden Fan. Aber ich weiß auch, dass es als Spieler nichts bringt große Töne rauszuhauen. Dafür gibt es genügend Beispiele.

Das könnte Sie auch interessieren

Immer bodenständig, demütig, realistisch bleiben. Man schaue auf unseren Etat, da kann man mit reinem Gewissen nicht sagen: Ich will unter die ersten sechs! Wir werden alles geben, dann schauen wir. Sollten wir früh den Klassenerhalt gesichert haben, dann kann man gerne über neue Ziele reden.

Apropos reden. Thema Nummer eins beim KSC: Der Tortorjäger Philip Hofmann ist weg. Ohne seine Treffer wäre der KSC im Abstiegskampf gewesen. Macht Ihnen das Sorgen?

Nein. Das hat nichts mit mangelnder Wertschätzung für Philip Hofmann zu tun, aber ich versuche immer die positiven Möglichkeiten, die es gibt, zu sehen.

Philipp Hofmann (KSC 33) und Fabian Schleusener (KSC 24) schossen den KSC gegen Aue zum Sieg.
Philipp Hofmann (KSC 33) und Fabian Schleusener (KSC 24) schossen den KSC gegen Aue zum Sieg. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Vielleicht tritt nun der eine oder andere aus dem Schatten von ihm, vielleicht verändert sich unser Spiel ein stückweit und wir sind schwerer auszurechnen, sind unberechenbarer. Sollte zum Beispiel Fabian Schleusener vorne spielen, wird er mehr Kilometer abspulen, ich traue ihm zu aus dem Schatten zu treten.

Der KSC hat eine große Verletzungsmisere. Drei Innenverteidiger fallen aus. Könnte es sein, dass Sie da aushelfen müssen? Wäre das eine Option? Ex-Trainer Alois Schwartz hat sie schon einmal, kurzfristig dahin beordert.

Das könnte Sie auch interessieren

Stimmt, das war gegen Kiel im Heimspiel. Ich scheue nichts, mache es, wenn es für die Mannschaft positiv ist. In einer Dreierkette könnte ich mir das besser vorstellen, von dort den Spielaufbau voranzutreiben. Da gibt es Beispiele, dass Profis von meiner Körpergröße es gut gespielt haben. Wenn Not am Mann ist, dann mache ich das.

Das wäre schade, denn das Trio Gondorf-Wanitzek-Breithaupt ist in Liga zwei absolute Spitze.

Das sehe ich auch so. Wir verstehen uns gut, der eine weiß was der andere macht. Wir haben unterschiedliche Stärken. Marvin ist der feinere Fußballer, der dennoch arbeitet. Tim hat viel Ruhe, er kann sich in Sachen Zweikampfführung verbessern und das wird er, weil er enorm wissbegierig und lernwillig ist.

Jerome Gondorf: Vertrag bis 30. Juni 2022 - Position: zentrales Mittelfeld
Jerome Gondorf: Vertrag bis 30. Juni 2022 - Position: zentrales Mittelfeld | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Wie lauten Jerome Gondorfs persönliche Saisonziele?

Natürlich steht das Teamziel über allem. Aber: Letzte Saison hat es mich genervt, dass ich erst am vorletzten Spieltag meinen ersten Treffer erzielt habe.

Das könnte Sie auch interessieren

Es wäre die erste Spielrunde in meiner Karriere gewesen, in der ich nicht getroffen habe. Daran hatte ich zu knabbern. Ich sage jetzt nicht: Ich werde fünf oder sechs Tore schießen – ich will ganz einfach wieder torgefährlicher werden.