Lange galt der Werderplatz in der Karlsruher Südstadt als Problemzone. Alkohol- und Drogenkonsum von Obdachlosen sorgten immer wieder für Einsätze des Ordnungsamtes und der Polizei. Die Stadt sah sich zum Handeln gezwungen und sorgte mit verschiedensten Maßnahmen dafür, dass sich die Situation in der Südstadt merklich verbesserte.

Verschiedene Maßnahmen sorgten für Verbesserung

So sorgten das eingeführte Alkoholkonsumverbot zwischen April und Oktober (montags bis samstags zwischen 11 Uhr und 20 Uhr) gemeinsam mit dem Alkoholkonsumraum "A hoch 3" für eine spürbare Verbesserung der Lage. Auch der landesweit erste Drogenkonsumraum "K76" in der Kriegsstraße dürfte zur Entspannung beigetragen haben.

Werderplatz Alkoholverbot KOD
Bild: Hammer Photographie

Doch nachdem sich die Lage auf dem Platz - zumindest in den Sommermonaten - verbesserte, scheint es aktuell wieder in die andere Richtung zu gehen. So zumindest der Eindruck der Grünen-Fraktion im Karlsruher Gemeinderat.

Das könnte Sie auch interessieren

"In den letzten Monaten erreichen uns wieder zunehmend Klagen über wiederkehrende negative Zustände auf dem Platz. Daher haben sich Mitglieder der Grünen-Fraktion mit Anwohnern, Vertretern der Bürgergemeinschaft Südstadt, Gewerbetreibenden, Diakonie und Landespolitik getroffen, um Lösungsvorschläge für den Werderplatz zu diskutieren", heißt es in einem Antrag der Fraktion, der zwar für die kommende Sitzung am 26. April auf der Tagesordnung steht, jedoch sofort in den Hauptausschuss verwiesen wurde. Bedeutet: Eine Entscheidung über den Antrag fällt frühstens in der Mai-Sitzung des Stadtparlaments.  

Mit ihrem Antrag verfolgt die Fraktion zwei Ziele: 

  1. Die Stadtverwaltung reaktiviert die ämterübergreifende Arbeitsgruppe (AG) Werderplatz. Hierbei werden auch die dort ansässigen Gewerbetreibenden einbezogen. Um die Situation am Werderplatz erträglicher zu machen, berät sie unter anderem folgende Punkte:
    a) Evaluierung der Öffnungszeiten des alkoholakzeptierenden Aufenthaltsraumes A3 (Verlängerung der täglichen Öffnungszeit und Prüfung einer Öffnung am Wochenende). b) Prüfung eines Alkoholkonsumverbotes vor 11 Uhr.
    c) Verlängerte Öffnungszeiten (vormittags und abends) für Gastronomie am westlichen Werderplatz.
  2. Die Stadtverwaltung strebt eine Sicherheitspartnerschaft mit dem Land Baden-Württemberg für den Werderplatz an. Damit verbunden soll eine verstärkte Präsenz von Polizei und Konfliktmanager*innen ermöglicht werden.

"Werderplatz attraktiv gestalten"

"Mit unserem Antrag wollen wir erreichen, dass sich die Situation wieder verbessert und den Platz für die Anwohner und Gastronomen attraktiv gestalten", erklärt Grünen-Stadträtin Leonie Wolf im Gespräch mit ka-news.de. Der vor Jahren eingeschlagene Weg sei nämlich der Richtige gewesen.

Leonie Wolf ist seit November 2021 Stadträtin der Grünen-Fraktion. Sie trat die Nachfolge von Zoe Mayer an.
Leonie Wolf ist seit November 2021 Stadträtin der Grünen-Fraktion. Sie trat die Nachfolge von Zoe Mayer an. | Bild: Wolf/privat

"Damals ist sehr viel passiert und dadurch hat sich die Situation auf dem Werderplatz massiv verbessert. Nach Einschätzung der Menschen vor Ort hat sich die Situation durch Corona wieder extrem verschlechtert", meint die Nachfolgerin von Zoe Mayer weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Beispielsweise würde es bereits vor 11 Uhr zu Ruhestörungen, Sachbeschädigungen und Belästigungen unter Alkoholeinfluss kommen, weshalb man eine Ausweitung des Alkoholkonsumverbots auf dem Platz auf vor 11 Uhr anstrebe. "Das war ein großer Kritikpunkt der Anwohner", sagt Wolf.

Corona sorgt für Trendumkehr

Dass sich die Situation am Platz wieder so verschlechtern konnte, hat für Wolf ganz unterschiedliche Gründe. "Viele Ausweichmöglichkeiten sind weggefallen und vielleicht war es für viele Menschen einfach nicht so attraktiv, im Alkoholkonsumraum plötzliche eine Maske tragen zu müssen oder Abstand zu halten. Es kam viel zusammen und die Situation hat sich wieder verschlechtert."

Zwar habe Wolf die Hoffnung, dass sich mit den Corona-Lockerungen die Situation wieder verbessere, doch "die Situation ist jetzt unerträglich und wir müssen jetzt etwas tun, um die Situation zu verbessern", meint die Grünen-Frau. Wie sie weiter erklärt, wurde die Arbeit Arbeitsgruppe Werderplatz ihres Wissens nach - vor Ausbruch der Corona-Pandemie - eingestellt, "weil sich die Situation so verbessert hat. Jetzt müssen wir aber wieder handeln."

Alkoholverbot am Werderplatz
Bild: Anya Barros

Eine gewünschte Maßnahme von Wolf und ihrer Fraktion: die im Antrag angestrebte Sicherheitspartnerschaft mit dem Land Baden-Württemberg. "Wir richten uns hier nach dem Vorbild der Sicherheitspartnerschaft zwischen dem Land und der Stadt Heidelberg. Hier wurden schon deutliche Erfolge erzielt", so Wolf. Beispielsweise seien die Kriminalitätsraten gerade in den Brennpunkten deutlich zurückgegangen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mit einer ähnlichen Partnerschaft erhofft sich die Fraktion mehr Mittel für den Einsatz von Polizei und Konfliktmanagern. "Es soll mit den Ressourcen des Landes ein neues Sicherheitskonzept für den Werderplatz entstehen und vielleicht können wir ja auch von Heidelberg lernen", so Wolf weiter.

Vorbild Heidelberg? 

Die Sicherheitspartnerschaft zwischen Heidelberg und dem Land Baden-Württemberg besteht seit dem Jahr 2018. "Wir schlagen vor, dass die Stadtverwaltung beim Land erfragt, ob ein solches Modell auch mit Karlsruhe, insbesondere zum Werderplatz möglich ist", heißt es im Antrag der Grünen.

Werderplatz Alkoholverbot KOD
Bild: Hammer Photographie

Zur Verbesserung der Situation könnte - nach Fraktionsansicht - auch eine weitere Belebung des Platzes durch längere Öffnungszeiten der Gastronomie sowohl morgens als auch abends beitragen. "In ihren Stellungnahmen vom November 2021 drückten sowohl das Café Rosa als auch das Electric Eel ihre Bereitschaft zu früheren Öffnungszeiten aus, falls die Stadt im Gegenzug spätere Öffnungszeiten ermöglichen würde", heißt es in dem Antrag der Fraktion.

"Der Werderplatz soll schön werden und wieder zum draußen verweilen einladen, ohne dass sich Menschen belästigt oder gestört fühlen", fasst Wolf zusammen. Gerade dies sei für die ansässigen Gastronomen enorm wichtig.

Das könnte Sie auch interessieren

"Das sind total verständliche Anliegen. Gleichzeitig haben die Menschen aber auch betont, dass niemand vertrieben werden soll. Die Südstadt ist ein toleranter,  offener und toller Stadtteil und das soll er auch bleiben. Die starke Konzentration auf den Platz soll sich verteilen, aber niemand soll vertrieben werden", erklärt Wolf abschließend.