Am 5. September 1942, zwei Tage nach dem Luftangriff, wird ein Bericht des Polizeireviers 2 (Innenstadt) erstellt. In der Innenstadt dauert der Angriff von 2.14 Uhr bis 4.25 Uhr. Der Alarm erfolgt bereits um 2:10, erzählt Friedrich Rahäuser, Inhaber eines kleinen Unternehmens in der Oststadt, der in den Tagen nach dem Angriff detailliert über die Ereignisse in der ganzen Fächerstadt berichtet.

Die ersten Flieger kommen um 2.25 Uhr

Es ist eine mondhelle Nacht und wolkenlos, sehr günstig für den Angriff. Die ersten Flieger erscheinen um 2.25 Uhr – die Flugzeuge kommen aus westlicher Richtung, eine zweite Welle folgt von Osten nach Westen. Zunächst werden etwa 20 weiße Leuchtkugeln abgeworfen, zusammen mit einer roten Kugel, die ein Signal für die Bomber darstellt.

Blick auf die ausgebrannte Fassade der Verwaltungsstelle Karlsruhe der Deutschen Arbeitsfront, Lammstraße 15.
Blick auf die ausgebrannte Fassade der Verwaltungsstelle Karlsruhe der Deutschen Arbeitsfront, Lammstraße 15. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe, 8/Alben 236 / 23

Die Flieger erscheinen in Wellen im Hoch- und Tiefflug

Um 2:30 Uhr fallen die ersten Bomben. Laut Angabe der Flaksoldaten erscheinen die feindlichen Flugzeuge in mehreren Wellen, sowohl im Hoch- als auch im Tiefflug. Die deutsche Abwehr schießt auf die hochfliegenden Flugzeuge, während die Flakmannschaften die tieffliegenden Maschinen angreifen.

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Jetzt fallen die Brandbomben und in der Innenstadt entstehen die ersten Brände. Sofort werden die Feuerwehren und Löschmannschaften aktiv – aber kaum fangen sie an zu löschen, werden sie wiederholt von den Fliegern mit Maschinengewehren beschossen.

Entwarnung um 4.15 Uhr

Hier in der Karlsruher Stadtmitte werfen die feindlichen Flugzeuge etwa 2.000 Brandbomben ab. Dazu kommen Stabbrandbomben und die befürchteten Phosphorbomben, deren Feuer kaum zu löschen ist und sich immer wieder von selbst entzünden. Die letzten Bomben fallen um 3.45 Uhr, die Entwarnung kommt um 4:15 Uhr. Die Flak schätzt die Anzahl der Flugzeuge auf 140 bis 160. 

Blick durch die Erbprinzenstraße zum Rondellplatz auf ausgebrannte Gebäude mit Ausnahme der Kunstdruckerei Künstlerbund, ...
Blick durch die Erbprinzenstraße zum Rondellplatz auf ausgebrannte Gebäude mit Ausnahme der Kunstdruckerei Künstlerbund, Erbprinzenstraße 8/10. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe, 8/Alben 236 / 25

Viele Menschen werden obdachlos

Neben zahlreichen Beschädigungen und Zerstörungen von öffentlichen Gebäuden sind nach der Brandnacht im 2. Luftschutzrevier auch 179 Wohnhäuser beschädigt und teilweise vernichtet.

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In den "Auffangstellen" des Reviers versammeln sich die Obdachlosen: bis 5. September sind das schon 140 Männer, 318 Frauen und 128 Kinder. Die tatsächliche Zahl der Obdachlosen ist noch höher, aber viele haben bei Verwandten und Bekannten Unterkunft gefunden. Für die Betreuung der Obdachlosen ist hauptsächlich die NSV zuständig – die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, eine NS-Organisation, die für soziale Aufgaben im Dritten Reich eingesetzt wird.

Trotz enormen Einsatzes gibt es viele Totalschäden

Zur Bekämpfung der Brände in der Innenstadt werden, wie in allen Teilen der Fächerstadt, verschiedene Organisationen eingesetzt. Neben Feuerlöschpolizei und Freiwilligen Feuerwehren sind, wie bei Luftangriffen üblich, der sogenannte Selbstschutz und der Erweiterte Selbstschutz, Werkluftschutz und Feuerlösch-Schnellkommandos unterwegs.

Auch die Bevölkerung hilft mit und muss teilweise ihre eigenen Häuser retten, da die Löschdienste ihre Aktivitäten hauptsächlich auf öffentliche Gebäude fokussieren. Trotz des energischen Einsatzes sind Totalschäden unvermeidbar, heißt es im Polizeibericht. Öfter wurden größere Mengen an Brandbomben gleichzeitig auf ein Objekt geworfen, so dass die Bekämpfung unmöglich ist.

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Häufig fehlt das nötige Löschmaterial wie Sand und Wasser – und die Trockenheit und Hitze tragen auch zur Ausweitung der Brände bei. Teilweise können aus den zerstörten Häusern Möbelstücke geborgen werden. Diese nutzen aber nicht viel, wenn das Haus selbst nicht mehr steht.

Die Angriffsziele sind hauptsächlich öffentliche Gebäude und Wohnhäuser

 Viele alte und schöne Gebäude werden bei dem Luftangriff ganz zerstört oder teilweise beschädigt. Das städtische Ernährungs- und Hochbauamt in der Karl-Friedrich-Straße, das Gebäude der Landesbibliothek in der Erbprinzenstraße, die Gewerbeschule in der Adlerstraße und die Kunsthalle in der Hans-Thoma-Straße sind einige der Gebäude, die unter dem Angriff Schaden erleiden.

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Friedrich Rahäuser berichtet, dass die Reichspostdirektion (heute Volkswohnungsgebäude) am Ettlingen Tor leicht beschädigt ist und dass "sämtliche Gebäude in der Zunge Beiertheimer Allee/Kriegsstraße bis auf den Grund zerstört sind, durch eine schwere Bombe, die alles in Trümmer legte."

Auch zwei Tage nach dem Angriff brennt Karlsruhe

In der Karl-Friedrich-Straße ist das Rondell völlig zerstört und das ehemalige markgräfliche Palais ist völlig ausgebrannt. Vom Rondell bis zur Lammstraße rechts sind fast alle Häuser auch völlig zerstört, in der ganzen Innenstadt sind reihenweise Häuser komplett ausgebrannt. In der Ritterstraße ist das Braune Haus (Gauleitung) auch ausgebrannt. 

Im Keller des "Braunen Hauses"
Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Die Bevölkerung ist ruhig

Die Stimmung der Bevölkerung ist ruhig und gefasst, heißt es im Polizeibericht. Auch die Personen, die alles verloren haben, verhalten sich ruhig und "fügen sich in ihr Schicksal."

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Wie in anderen Stadtteilen arbeiten die Behörden, Dienststellen und Organisationen gut miteinander. Tote und Verletzte wurden nicht gemeldet. Jedoch sind bis jetzt, zwei Tage nach dem Angriff, noch nicht alle Brände im Bereich des 2. Polizeireviers vollkommen gelöscht.

 
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