Der Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD) und der Luftschutz (LS) sind zuständig für den Einsatz bei Luftangriffen und bestehen aus verschiedenen Fachdiensten, die für Lösch- Rettungs- und Bergungsarbeiten eingesetzt werden.

In der Brandnacht sind verschiedene LS-Dienste wie Instandsetzung und Entgiftung, Sanitäter und Veterinäre unterwegs. Laut Polizeiberichten werden unter anderem auch Werksfeuerwehr und Feuerlöschkommando eingesetzt. Zudem sind auch die Erkundungskräfte, Turmbeobachter und Flaksoldaten mit dem Abschießen der einfliegenden Flugzeuge beschäftigt.

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Nachrichtenwesen, Luftschutzpolizei und Reichsluftschutzbund (RLB) leisten auch ihre Beiträge. Bei dem RLB wurden teilweise auch Kinder für Kurierdienste eingesetzt.

Unter den Bomben sind viele Blindgänger

Der endgültige “Erfahrungsbericht“ vom 1. Polizeirevier (Oststadt/Innenstadt Ost) erscheint am 12. September 1942, zehn Tage nach dem Luftangriff. In der Zeit von 2.50 bis 3.40 Uhr am Morgen des 3. September überfliegen etwa 200 Flugzeuge die Oststadt, heißt es im Bericht.

Von etwa 15 bis 20 Flugzeugen wird “Feindmunition“ abgeworfen. Im Detail sind das drei Sprengbomben, etwa 100 Brandbomben (6-kant) und eine Brandbombe von 12,5 kg. Bei den Stabbrandbomben sind 35 Blindgänger vorhanden. Die 12,5 kg schwere Brandbombe ist auch ein Blindgänger. Diese Blindgänger sind Munition oder Bomben, die nach ihrem Abwurf nicht oder nicht vollständig explodiert sind. Heute stellen Blindgänger immer noch ein ernsthaftes Problem dar.

Avro Lancaster Bomber.
Diese britischen Bombenflugzeuge wurden im Zweiten Weltkrieg für Luftangriffe auf Deutschland eingesetzt
Avro Lancaster Bomber. Diese britischen Bombenflugzeuge wurden im Zweiten Weltkrieg für Luftangriffe auf Deutschland eingesetzt | Bild: gemeinfrei

Im Zweiten Weltkrieg waren zwischen 10 und 20 Prozent der von den alliierten abgeworfenen Bomben Blindgänger. Seit 1947 gab es circa 20 Selbstdetonationen in Deutschland. In der Brandnacht wird versucht, wo möglich, Blindgänger zu entschärfen – zahlreiche Bomben bleiben jedoch “live“ und explodieren nicht.

Neben Bomben fallen auch Flugblätter

Der Angriff auf die Oststadt erfolgt aus einer Höhe von etwa 1.000 bis 1.500 Meter. Obwohl die Flaksoldaten die anfliegenden Flugzeuge heftig angreifen, können keine Abschüsse beobachtet werden.

Abgesehen von den Bomben werden eine “größere Anzahl von Flugblättern mit drei verschiedenen Inhalten“ abgeworfen. Näheres über diese Inhalte wird nicht berichtet. Die Löscharbeiten der gesamten Kräfte in dieser Nacht fokussieren sich auf die Gottesauerstraße 6. Hier im Osten von Karlsruhe sind viele Ämter ansässig, wie beispielsweise das Heeresnebenzeugamt und die Heeresstandortverwaltung.

Das Heeresnebenzeugamt ist eine Dienststelle des Heeres, die die Rüstungsgüter abnimmt und Funktionstests macht – die prüfen alles von Knöpfen bis Panzern. Diese beiden Ämter, zusammen mit dem Finanzamt Karlsruhe-Land und dem “Landesfiskus“ liegen in den Gebäuden in der Gottesauerstraße 6. Auf dem gleichen Gelände befinden sich drei “Wagenhäuser“, die vermutlich die Amtswagen der Stadt enthalten.

Gottesauerstrasse 6-2: Die Gottesauerstraße 6 heute
Gottesauerstraße 6-2: Die Gottesauerstraße 6 heute | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

In der Brandnacht wird das Anwesen stark bombardiert und steht an erster Stelle der angegriffenen Objekte im Polizeibericht. Heute stehen auf dem Anwesen ein Autohaus und Parkgaragen. Die gegenüberliegenden Häuser sind noch die Originale aus der Gründerzeit – was bedeutet, dass das massive Feuer nicht auf die anderen Häuser in der Straße übergegriffen hat.

Das Arbeitsamt in der Kapellenstraße 7, ebenso die Reichsbahnkantine des Güterbahnhofs in der Kriegsstraße 3, werden auch stark bombardiert. Die Luftschutzpolizei kommt jedoch nur in der Gottesauerstraße 6 zum Einsatz – heute existiert das Gebäude in der Kapellenstraße nicht mehr.

Gottesauerstraße 6 - das wichtigste Gebäude der Oststadt

Offensichtlich ging es bei der Gottesauerstraße 6 um das wichtigste Anwesen, zusammen mit den Rüstungsgütern und den Wagen, die gerettet werden sollten. Es werden sogar fremde Kräfte von außerhalb des Reviers geholt und in der Gottesauerstraße 6 eingesetzt – 12 SA-Männer und 14 Amtsträger der RLB. Im Jahre 1939 hat der RLB 820.000 Amtsträger, 280.000 davon Frauen. Insgesamt hat der RLB 15 Million Mitglieder, deren Aufgaben die praktische und psychologische Vorbereitung auf einen Luftkrieg, sowie die Anleitung der Bevölkerung zum Selbstschutz während und nach Luftangriffen sind.

Relief auf der Seite des Bunkers in Rüppurr
Relief auf der Seite des Bunkers in Rüppurr | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Die Kräfte auf dem Boden sind im telefonischen Kontakt mit den Erkundungsdiensten und den Turmbeobachtern. So wissen sie immer ungefähr, wo die nächsten Bomben abgeworfen werden. Ebenfalls melden die Erkundungsstreifen immer zeitnah, wo die Schadensstellen sind. Es werden weitere Kräfte zur Verstärkung von außerhalb geholt – das Feuerlösch-Schnellkommando Rintheim kommt in die Oststadt, aber das Feuerlösch-Schnellkommando Hagsfeld schafft es nicht dahin, weil ihm kein Wagen zur Verfügung steht.

Hoher Kraftaufwand und viele Verletzte

Anscheinend hat man das Feuer kurz vor 4 Uhr morgens immer noch nicht im Griff und um 3.55 Uhr werden die Feuerlöschkräfte aus der sogenannten “15-Kilometer-Zone“ alarmiert. Im Notfall können diese Kräfte aus einem 15-Kilometerbereich rund um Karlsruhe geholt werden. Infolgedessen trifft die freiwillige Feuerwehr Spöck um 4.50 Uhr ein, Friedrichstal erst um 6.02 Uhr. Die Wehren werden dann von den Lotsen zu den Brandstellen weitergeleitet. Insgesamt werden vier Feuerwehren in der Oststadt eingesetzt.

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Rückansicht dreier Feuerwehrmänner beim Löschen
8_Alben_412_33 Rückansicht dreier Feuerwehrmänner beim Löschen. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8_Alben_412_33

In der Gottesauerstraße 6 kommt noch die Wehrmacht dazu (Panzerabteilung 35), die zusammen mit den vorhandenen Kräften sich an der Bergung von Geräten und Material beteiligen. Die Polizeikräfte des 1. Polizeireviers, die bei voller Kapazität insgesamt aus 25 Mann besteht, werden hauptsächlich zur Erkundung und Suchaktionen eingesetzt. Ansonsten wird das Schnellkommando des Reviers an zwei Brandstellen in der Oststadt entsandt.

Bei der einen Brandstelle, in der Nähe der Bahn, wurde das Feuer bereits von der Bahnfeuerwehr bekämpft. An der anderen Stelle ist das Feuer schon so weit ausgedehnt, dass das Schnellkommando nur noch die Möbel bergen kann.

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Die Männer des Schnellkommandos zeigen sich bei ihrem Einsatz pflichtbewusst und dienstfreudig, sowie unerschrocken, heißt es im Polizeibericht. Durch die Sprengbomben in der Gottesauerstraße 6 sind mehrere Personen verletzt, teilweise schwer. Am Ende jedoch können die gesamten Kräfte eine große Anzahl Autos und Geräte in der Gottesauerstraße 6 in Sicherheit bringen.

Ein Zeuge der Brandnacht schreibt an einen Freund

Alfred Emig ist Dozent an der Universität Karlsruhe in der Oststadt. In den Tagen nach der Brandnacht schreibt er seinem Freund Fritz Töpper (dessen Vater Friedrich Töpper nach dem Krieg Oberbürgermeister von Karlsruhe wird) über die Ereignisse des 2./3. September. Fritz ist zu dieser Zeit an der Ostfront und kämpft in Russland. Alfred ist jedoch von der Unterstützung durch die Sicherheitsdienste nicht so begeistert.

“Die Uni ist ziemlich hart getroffen worden“, schreibt er. “Ich war im Dienst und habe alles mitgekriegt. Auf dem Vorplatz sahen die Brandbomben aus wie Kerzen an einem Weihnachtsbaum. Die Sicherheitsdienste saßen im Keller und warteten auf Befehle während wir draußen standen und gelöscht haben. Dann kam der Rektor und hat sie rausgeschmissen“.

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Blick auf den zerstörten Dachstuhl (Universität Karlsruhe)
8_Alben_412_25 Blick auf den zerstörten Dachstuhl (Universität Karlsruhe) | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8_Alben_412_25

In der Universität brennen zwei Stockwerke des Ostflügels mit dem Physik-Hörsaal ab, ebenso wie das Ingenieurgebäude. Vom Chemischen Institut sind der Dachstuhl und ein Teil des Obergeschosses weg, ebenso von der Aula. “Der Tommy hat dafür gesorgt, dass sich hier alles geändert hat“, schreibt Alfred.

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