Mit nur sieben Jahren, die sie nun abgehalten werden, gehören die Schlosslichtspiele zu Karlsruhes jüngsten und dennoch kaum wegzudenkenden kulturellen Traditionen. Dieser Meinung ist nicht nur Peter Weibel, ehemaliger Geschäftsführer des ZKM, sondern auch KME-Chef Martin Wacker und Karlsruhes Kulturbürgermeister Albert Käuflein, die am Donnerstagabend eine letzte Pressekonferenz geben, bevor die Schlosslichtspiele 2022 ihren Auftakt feiern. 

Opening der Schlosslichtspiele
Martin Wacker. Albert Käuflein und Peter Weibel (v.l.). | Bild: Lars Notararigo

"Wir sind allesamt froh, dass wir die Lichtkunst auch 2022 zurück an Schlossfassade bringen können - und zwar diesmal, ohne dass sie von Corona-Maßnahmen getrübt werden. Normale Schlosslichtspiele. Und obwohl noch ein gewisses Zögern in der Bevölkerung zu spüren ist, ist es uns wichtig, die Leute vor der Schlossfassade zusammenzubringen", sagt Weibel dazu.

Opening der Schlosslichtspiele
Peter Weibel, ehemaliger Geschäftsführer des Zentrums für Kunst und Medien. | Bild: Lars Notararigo

"Wichtig ist vor allem, dass wir den Leuten kostenlosen Zugang zur Karlsruher Kultur anbieten. Es soll Kunst für alle Menschen sein, ohne Abstriche. Sie sollen sie direkt und mit den eigenen fünf Sinnen erleben - sollen sich selbst ein Bild davon machen und die Schlosslichtspiele für sich interpretieren. Das hat für mich auch eine demokratische, ja eine emanzipatorische Komponente", erklärt der einstige Direktor des Künstlertreffpunkts.

Die Schlosslichtspiele sind mehr als Kunst

Gleichzeitig sei die Kunst selbst nur ein Aspekt, die die Schlosslichtspiele so besonders gestalte, wie Martin Wacker auf der Pressekonferenz betont: "Die Schlosslichtspiele sind auch wirtschaftlich sehr ertragreich für Karlsruhe, für die Gastronomie, den Einzelhandel, den Nahverkehr und vieles mehr. Und natürlich ist eine solche Lightshow Hightech pur und mit sehr viel technischer Finesse und Ressourcen verbunden."

Opening der Schlosslichtspiele
Martin Wacker, Geschäftsführer der Karlsruher Marketing und Event GmbH. | Bild: Lars Notararigo

Solch ein Statement wirft natürlich erneut die Frage auf, inwieweit die Schlosslichtspiele in diesen Zeiten der bedrohten Versorgungssicherheit überhaupt stattfinden sollten. Und während Wacker bereits erste Argumente anführte, gab er am Donnerstag weitere Details zur Elektrizität hinter den Lichtern bekannt. 

"Wir gewinnen alles aus Wasserkraft"

Denn: Laut Wacker speise sich der Strombedarf der Schlosslichtspiele vollständig aus Wasserkraft. "Die derzeitige Dürre beziehungsweise Wasserknappheit beeinflusst die Schlosslichtspiele dabei ebenfalls nicht", sagt ein Pressesprecher dazu. Die nachhaltige Nutzung von Wasserturbinen werde auch dadurch begünstigt, dass während der gesamten Schlosslichtspiele auf Sparsamkeit geachtet werden solle. 

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"Für die gesamte Spielzeit benötigen wir dank moderner LED-Technik nur 3.000 Kilowattstunden. Die Kunst ist den jetzigen Energieaufwand definitiv wert", sagt Wacker. "Zum Vergleich verbraucht ein Staubsauger um die 50 Kilowattstunden, jetzt stellen Sie sich vor, die Leute, die die Schlosslichtspiele besuchen, würden stattdessen zu Hause Strom in dieser Größenordnung und darüber hinaus verbrauchen. So gesehen animieren wir die Leute sogar zum Sparen."

Dass ein einzelnes Gerät laut Verbraucherzentrale auch 50 Stunden zum Staubsaugen genutzt werden müsste, um diesen Wert zu erreichen, bleibt von Wacker allerdings unerwähnt.

"Wir achten schon seit Jahrzehnten auf Nachhaltigkeit"

Nichtsdestotrotz habe man sehr auf Nachhaltigkeit geachtet und zwar nicht nur beim Strom, sondern auch beim Aufbau und den Ressourcen. "Wir verfolgen das Konzept der Nachhaltigkeit schon seit Jahrzehnten", sagt der stellvertretende Geschäftsführer des KME Eventmanagements, Markus Wiersch. "Dabei setzen wir immer darauf, gebrauchte Ressourcen so gut es geht wiederzuverwenden."

Opening der Schlosslichtspiele
Stellvertretender Geschäftsführer bei KME Marketing und Event GmbH. | Bild: Lars Notararigo

Viele Materialien, die bereits für Das Fest im Juli genutzt wurden, kommen nun für die Schlosslichtspiele zu einem weiteren Einsatz, wie Wiersch weiterhin erklärt. "Wir entsorgen für unsere Events nichts, was sich noch einmal wiederverwenden ließe." Trotzdem könne man die Energieknappheit natürlich nicht ignorieren, räumt Geschäftsführer Wacker ein.

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"Aus Gründen der Ressourcenknappheit werden die Schlosslichtspiele dieses Jahr nur vier statt sechs Wochen andauern, gegen 23.30 wird die Vorstellung enden. Außerdem werden wir auf ein Light Festival wie 2021 verzichten und lediglich die Schlossfassade und den Marktplatz dem Lichtspektakel überantworten", so Wacker.

Mit dem Bus zum Ort des Geschehens

Lichtspektakel sei dabei das richtige Stichwort, denn als die Bedeutung der Schlosslichtspiele geklärt ist und auch Energieversorgung und Nachhaltigkeit angesprochen wurden, werden die Künstler mit dem Bus durch Karlsruhe zu ihrer Leinwand im Barockstil gefahren - um den Sonnenuntergang zu überbrücken, erleben sie dabei noch eine Sightseeingtour.

Opening der Schlosslichtspiele
Vom ZKM aus im Busobergeschoss geht es einmal durch den Fächer. | Bild: Lars Notararigo

Besonders die Schlosslicht-Debütantin Leonie Oridt zeigt sich begeistert, aber auch sehr nervös. "Ich habe noch nie zuvor eine eigenständige, künstlerische Arbeit veröffentlicht und jetzt wird meine Idee gleich auf die Schlossfassade projiziert. Mich hat schon meine Aufnahme ins Programm schockiert", sagt sie. Ihr Projekt "Reframing the Structures" beschäftige sich mit der allerersten E-Mail, die in Deutschland empfangen wurde.

Leonie Oridt, Informatikerin und Kopf hinter dem Lichtspiel "Reframing the Structures"
Leonie Oridt, Informatikerin und Kopf hinter dem Lichtspiel "Reframing the Structures" | Bild: Lars Notararigo

"Sie wurde hierher nach Karlsruhe gesandt, zum damaligen Hochschule für Technik. Natürlich war es eine gewaltige Mühe, bis die E-Mail tatsächlich angekommen ist. Und diesen Prozess wollten wir in unserem Beitrag festhalten und adaptieren", erklärt die Regisseurin.

Das erleuchtete Herz der Fächerstadt

Lange muss sie ihre Nervosität aber nicht mehr im Zaum halten, denn alsbald ist das Herz des Fächers erreicht, wo es sich bereits eine Menschenmasse vor dem erleuchteten Schloss gemütlich gemacht hat. Um Punkt 21.15 Uhr schließlich beginnt die Show mit dem Beitrag "Ode. Im Lauf der Zeit" von Detlef Heusinger und die Schlossfassade erhält eine dritte Dimension.

Eröffnungsnacht Schlosslichtspiele 2022
Bild: Paul Needham

Das Publikum zeigt sich durchaus begeistert, was sich im Applaus zwischen den Lichtspielen niederschlägt. "Definitiv ein Erfolg", wie der Anwesende Martin Wacker es ausdrückt. Auch mit Energieeinsparungen und ökologischem Handeln verspreche er sich also vier künstlerisch virtuose Wochen, die den Ausklang des Karlsruher Sommers begleiten werden.

Alle Bilder zur Eröffnung der Schlosslichtspiele am Donnerstag:

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