Als Martin Lenz, Karlsruhes Bürgermeister für Migrationsfragen, am vergangenen Dienstag im Gemeinderat ankündigte, wie den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine geholfen werden solle, waren bereits 1.000 Personen aus dem Krisengebiet in der Fächerstadt untergebracht. Nun - knapp eine Woche später - seien es nach seiner Aussage bereits doppelt so viele. "Rund 1.600 haben sich bereits bei Stadt und Land registriert, mit den Übrigen dürfte 2.000 eine realistische Zahl sein", sagt er bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Martin Lenz, Bürgermeister für Jugend und Eltern, Soziales, Schulen, Sport, Bäder und Migra­ti­ons­fra­gen der Stadt Karlsruhe.
Martin Lenz, Bürgermeister für Jugend und Eltern, Soziales, Schulen, Sport, Bäder und Migra­ti­ons­fra­gen der Stadt Karlsruhe. | Bild: Tim Carmele

Nun müssten diese innerhalb der Fächerstadt versorgt werden - insbesondere deshalb, da Lenz bis Ostern mit noch mehr Personen aus dem Kriegsgebiet rechne. "Karlsruhe ist, anders als in den Migrationsjahren 2015 und 16, eine Aufnahmestadt geworden", so Lenz. "Das heißt, dass wir laut Vorgaben des Landratsamtes knapp 50 Flüchtlinge aufnehmen müssen."

"Wir wollen Sporthallen vermeiden"

Doch um wirklich Hilfe leisten zu können, müssten die geplanten Maßnahmen auch realistisch umgesetzt werden. "Natürlich braucht jeder zunächst einmal ein Dach über dem Kopf", so Lenz. "Dabei wollen wir auch einen hohen Standard innerhalb Karlsruhes halten, das heißt, jeder soll einen Rückzugsort für sich haben und nach Möglichkeit nicht in größere Sammelunterkünfte müssen."

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Bis Ostern habe die Stadt auch genügend Wohnraum anzubieten, um dieses Konzept beim momentanen Zulauf durchzuhalten. "Wenn mehr als 3.500 Menschen aus der Ukraine in Karlsruhe ankommen - und das ist mittelfristig zu erwarten - werden wir nicht um Sammelunterkünfte herumkommen. Sporthallen als Unterkunft sollen aber um jeden Preis vermieden werden."

"Wir dürfen die Wohnungslosen in Karlsruhe nicht vergessen"

Um das Wohnraumangebot aber konstant zu halten, sei die Stadt auch auf die Mithilfe ihrer Bürger angewiesen. "Die Hilfe privater Anbieter für ukrainische Flüchtlinge ist grandios. Bisher musste die Stadt noch kaum vermitteln. Wir sehen mit Stolz, wie die Flüchtlingshilfe kommunalisiert wird." Dabei dürften aber auch bestehende Probleme der Stadt nicht außer Acht gelassen werden.

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Die hinzugezogenen Flüchtenden werden natürlich auch mit den Problemen der Stadt konfrontiert. "Corona ist immerhin nach wie vor präsent, ebenso die steigenden Energiepreise durch den Konflikt mit Russland - und dabei dürfen wir bei der Verteilung des Wohnraums die schon zuvor in Karlsruhe heimischen Wohnungslosen nicht vergessen", erklärt Lenz. "Das alles zu koordinieren ist keine leichte Aufgabe, vor allem, weil es mit dem Wohnraum nicht aufhört."

Vereine arbeiten eng zusammen

Obwohl Flüchtlinge aus der Ukraine kein Asyl beantragen müssen, müssten sie sich letztendlich registrieren, um eine Existenzsicherung von der Stadt zu beantragen. "Das ist ohne entsprechende Sprachkenntnisse natürlich schwierig. Glücklicherweise können wir aber eng mit der Flüchtlingshilfe Karlsruhe und dem Deutsch-Ukrainischen Verein zusammenarbeiten, sodass wir zuverlässige Übersetzer beschäftigen konnten, die oft ehrenamtlich helfen."

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Um das Problem der mangelnden Sprachkenntnisse zu lösen, sei Bildung das Gebot der Stunde - dicht gefolgt von einer Teilhabe der Ukrainer am gesellschaftlichen Leben der Fächerstadt. "Nach den Osterferien werden verschiedene Karlsruher Schulen Vorbereitungsklassen für ukrainische Kinder abhalten. Leider können wir nicht sofort anfangen, da die Organisation und die entsprechende Personalsuche ihre Zeit dauert", so Lenz.

"Ruhig, langsam aber sicher"

Ebenso werde die Integration der neuen Karlsruher von jetzt auf gleich vollzogen sein. "Es gibt bereits gute Ansätze. Etwa Sportvereine, die schon jetzt Kinder aus der Ukraine mit aufnehmen", so der Sportbürgermeister. "Was die restliche Kinderbetreuung angeht, konnten wir bereits Fortschritte bei der Ganztagsbetreuung mit der Hilfe von ukrainischsprachigen Tagesmüttern."

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Doch auch hier sei übereiltes Handeln nicht angebracht. "Dank der Hilfe der Karlsruher Bürger beim Wohnraum haben wir die ersten Bedürfnisse der flüchtenden schnell und effizient versorgen können. Wir haben nun also Puffer um die Hilfskonzepte auszuarbeiten und nicht nur zu improvisieren", so Lenz. "Die Devise bei der Flüchtlingshilfe ist im Moment also: Ruhig, langsam aber sicher."