Die Inzidenzzahlen sinken. Im Stadtgebiet Karlsruhes flaut die Welle ab, wie auch Oberbürgermeister Frank Mentrup im Rahmen einer Pressekonferenz bestätigt. "Im Stadtgebiet sind die Inzidenzzahlen laut dem Abwassermonitoring flächendeckend auf unter 300 gesunken", so der OB. Dennoch müsse man auch diesen Abfall der Zahlen in Perspektive setzen.

Oberbürgermeister Frank Mentrup.
Oberbürgermeister Frank Mentrup. | Bild: Carsten Kitter

"Ja, das ist zumindest eine geringfügige Entlastung. Aber vor einem Jahr hätten wir bei solchen Inzidenzwerten wahrscheinlich nachts nicht geschlafen. Und außerdem gibt es da immer noch die Omikron-Variante, die nun auch Karlsruhe erreicht hat", sagt Mentrup. Sechs bestätigte Fälle, fünf in der Stadt, einer im Landkreis seien von der neuen Spielart des Corona-Virus nachgewiesen worden.

Der "evolutionäre Vorteil" der Omikron-Variante

"Und diese Omikron-Variante verschärft die Auflagen noch einmal trotz der sinkenden Inzidenzen", erklärt der Oberbürgermeister. Ein großes Problem an dieser neuen viralen Variation sei vor allem seine Unberechenbarkeit. "Wir wissen alarmierend wenig über die neue Mutation", so Mentrup weiterhin. "Auch nicht, wo und wie sich die sechs Patienten infiziert haben, es waren keine direkten Reiserückkehrer und auch sonstige Umstände liefern keine Erklärung."

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Selbst die Berichte aus den befallenen Ländern seien nur schwer zu deuten. "Wir können nicht genau sagen, ob die dortigen Probleme vom Virus selbst oder der dortigen Gesundheitsversorgung herrühren", sagt er. "Sollte sich die Mutante allerdings wirklich durchsetzen, können wir davon ausgehen, dass sie deutlich schneller, ansteckender und aggressiver als alle vorherigen Covid-19-Arten ist. Ansonsten hätte sie keinen evolutionären Vorteil."

Gefährlicher für Kinder und Jugendliche?

Wie genau sich dieser Vorteil noch äußert, lasse sich derzeit kaum voraussagen. "Wir haben widersprüchliche Angaben, die die Möglichkeit implizieren, dass die Omikron-Variante vor allem Kinder und Jugendliche angreift", meint Mentrup. "Das könnte durchaus ein evolutionärer Vorteil sein, vor allem, da Kinder derzeit weit seltener geimpft sind."

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Ob das auch der Fall sei, könne man nicht sagen. Doch auch unabhängig davon spreche sich der studierte Kinderarzt Mentrup dafür aus, "alle Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren zu impfen. Ich bin nicht begeistert davon, dass die ständige Impfkommission nur eine Impfempfehlung für Kinder mit Vorerkrankungen ausgesprochen hat".

"Ich bin für eine allgemeine Impfpflicht" 

Dabei habe die ständige Impfkommission (Stiko) jedoch keineswegs explizit von einer Impfung der Kinder ohne Vorerkrankung abgeraten. "Laut Stiko könne man auch Kinder die nicht direkt gefährdet sind bei Bedarf impfen lassen. Fürs Erste würde ich in diesem Fall empfehlen, sich an die jeweiligen Kinder- und Jugendärzte zu wenden, denn sie kennen die Kinder, ihre Vorerkrankungen und Impfungen und können die Immunisierung meiner Ansicht nach am besten vornehmen", sagt der OB.

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Sollte die Stiko alle Kinder in die Empfehlungen mit einbeziehen, sei Mentrup auch gerne bereit "innerhalb der Impfkampagnen spezielle Zeitslots für Kinder freizuräumen. Generell bin ich nach wie vor für eine allgemeine Impfpflicht. Besonders im Angesicht Omikrons kann ich nur noch nachdrücklicher dazu raten", wie Mentrup erklärt.

Weitere Defizite bei der Impfstofflieferung

Eine Impfpflicht könnte eine Verbreitung der Omikron-Variante verlangsamen, was insbesondere an Anlässen wie Weihnachten, wo viele Menschen reisen und sich in ein nicht alltägliches Umfeld begeben, essenziell sei. Dabei stoße man jedoch auf ein weiteres Problem: "Es gibt noch immer Defizite bei der Impfstofflieferung", erklärt Mentrup. "Am vergangenen Dienstag zum Beispiel kündigte der Bund 6.000 neue Impfdosen für alle Landkreise an. Diese mussten allerdings zwingend am Mittwoch abgeholt werden."

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Derartige Ankündigungen seien "immer sehr spontan, was auch entsprechende Probleme mit sich bringt. Die Spontanität alleine ist allerdings nicht das einzige Problem. Es werden ständig weniger Impfdosen geliefert als bestellt. So wie die Dinge stehen, müssen wir im ersten Quartal des Jahres 2022 mit einem Impfstoffengpass rechnen." Das sei aber in erster Linie ein Problem des Bundes.

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