1. Aktuelle Corona-Lage: Inzidenz im Stadtkreis weiterhin hoch

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass sich die Corona-Inzidenzen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe auf hohem Niveau bewegen. Zum Vergleich: Waren am 15. November 1.474 Personen mit dem Virus infiziert, so sind es am Dienstag, 30. November, 2.240.

Der Sieben-Tage-Inzidenzwert liegt im Stadtkreis Karlsruhe bei 362,1 und im Landkreis bei 463,7 (Stand: Montag, 29. November, 16 Uhr). Die Sieben-Tage Hospitalisierungsinzidenz liegt mit aktuell 622 belegten Corona-Intensivbetten in Baden-Württemberg bei 6,2. Damit befindet sich das Land in der Alarmstufe II.

Corona Lagekarte 30.11.2021
Bild: Landratsamt Karlsruhe

Alpha, Beta, Delta und nun "Omikron"? Die neue Coronavirus-Variante, auch bekannt als B.1.1.529, wurde erstmals in Südafrika entdeckt und hat es inzwischen sogar nach Deutschland geschafft. Aber was wissen wir denn bereits über diese Mutation und was bedeutet das für Karlsruhe? 

  • Inwiefern unterscheidet sich Omikron von Delta? Ist die neue Variante ansteckender?
    Omikron unterscheidet sich vor allem in genetischen Veränderungen zu den vorherigen Varianten. Der Grund: Die neue Variante weist über 30 Mutationen am Spike-Protein an der Oberfläche des Virus auf.

    Mutationen am Spike-Protein machten bereits die Delta-Variante ansteckender, die deutlich weniger Mutationen aufweist als die neue Corona-Variante. Hinzu kommen laut Robert Koch-Institut (RKI) viele Mutationen, deren Bedeutung noch völlig unklar ist. Dies lässt wiederum einige Forscher befürchten, dass Omikron möglicherweise eine sogenannte Immunescape-Variante darstellt.

    Immunescape bedeutet, Omikron könnte eine gegen andere Corona-Varianten aufgebaute Immunabwehr umgehen. Ob Omikron schlussendlich wirklich ansteckender als Delta sein soll, ist bislang noch nicht eindeutig geklärt. Laut dem RKI soll sich Omikron jedoch unabhängig von Delta entwickelt haben.
  • Schützen mich die Impfstoffe vor Omikron?
    Das Problem mit den Impfstoffen ist, dass diese das Immunsystem darauf trainieren, das Spike-Protein zu erkennen. Wenn sich dieses jedoch durch Mutationen zu sehr von seinen Vorgängern unterscheidet, kann sich das auch auf die Wirksamkeit des Impfstoffes auswirken. Inwiefern die gegenwärtigen Impfstoffe gegen diese Variante wirken, müsse erst noch untersucht werden.

    Moderna und Biontech haben beide bereits angekündigt, ihren Impfstoff entsprechend weiterzuentwickeln. Dennoch betont die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Impfstoffe trotzdem wirksam gegen schwere Krankheiten und Tod seien.
  • Wird Omikron von Corona-Tests erkannt?
    Dazu schreibt die WHO: "Die weit verbreiteten PCR-Tests weisen weiterhin Infektionen nach, einschließlich einer Infektion mit Omikron, wie wir es auch bei anderen Varianten gesehen haben. Es werden derzeit Studien durchgeführt, um festzustellen, ob es Auswirkungen auf andere Arten von Tests gibt, einschließlich Schnelltests zum Nachweis von Antigenen."
  • Warum heißt die Variante "Omikron"?
    Für die Namensgebung ist die WHO zuständig. Da Varianten seit einiger Zeit die Namen des griechischen Alphabets erhalten, orientiert sich auch der Name "Omikron" (übersetzt: kleines "o". Das große "O" wäre "Omega") daran. Durch die Benennung nach Buchstaben sollen Stigmatisierungen und Missverständnisse vermieden werden.

    Missverständnisse hätten aber entstehen können, wenn die Variante "Ny" oder "Xi" genannt worden wäre. Diese kommen im Alphabet noch vor Omikron an die Reihe. Der Grund: Ny, das auf Englisch Nu heißt, klingt zu sehr nach "new" (deutsch: "neu") und "Xi" ist in China ein verbreiteter Nachname.
  • Welche Symptome sind bisher bekannt?
    Nach Angaben der WHO gebe es derzeit keine Informationen, die darauf hindeuten, dass sich die mit Omikron verbundenen Symptome von denen anderer Varianten unterscheiden. Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, berichtet allerdings, dass die Infizierten milde Verläufe durchliefen und vor allem unter enormer Müdigkeit und Körperschmerzen litten.

    Andererseits sei der typische Geschmacks- und Geruchsverlust ausgeblieben. Laut dem deutschen Virologen Christian Drosten hätten Berichte über milde Verläufe - angesichts von nur gut 1.000 Fällen - noch nicht viel Substanz. Hier müssten die klinischen Verläufe abgewartet werden.
  • Welche Vorkehrungen werden getroffen?
    Da die Virus-Variante ihren Ursprung in Südafrika nahm, wurde mittlerweile Flugverkehr mit Südafrika und weiteren Ländern der Region eingestellt. Südafrika, Namibia, Simbabwe, Botsuana, Mosambik, Eswatini, Malawi und Lesotho gelten seit Sonntag als Virusvariantengebiete.

    Fluggesellschaften dürfen im Wesentlichen nur noch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende Personen nach Deutschland bringen.
    Derweil sollen schärfere Corona-Maßnahmen eine weitere Ausbreitung verhindern - von Delta und von Omikron.
  • Wie ist die Lage in Karlsruhe?
    Nach Angaben des Karlsruher Gesundheitsamtes bestehen auf lokaler Ebene noch keinerlei Erfahrungen mit der neuen Variante. "Bei Einschätzungen in Bezug auf die Gefährlichkeit und Verbreitung orientiert sich das Gesundheitsamt Karlsruhe an den Auswertungen der ECDC, des RKI sowie ausgewiesener Experten (wie zum Beispiel Christian Drosten), die die Situation auf internationaler und nationaler Ebene überblicken. Zum jetzigen Zeitpunkt und auf absehbare Zeit werden hier auf regionaler Ebene keine darüber hinausgehenden, belastbaren Aussagen und Einschätzungen möglich sein", heißt es auf Nachfrage der ka-news.de-Redaktion.

    Nichtdestotrotz werden voraussichtlich noch in dieser Woche härtere Corona-Maßnahmen in Karlsruhe gelten, um das Infektionsgeschehen weiter einzudämmen.
  • Wird Delta in Karlsruhe bald durch Omikron abgelöst?
    Das Gesundheitsamt rechne damit, dass sich mit der Verbreitung der Virusvariante Omikron "voraussichtlich auch Fälle im Stadt- und Landkreis Karlsruhe als Großraum mit entsprechenden Reisverbindungen" ereignen werden. Prognosen darüber, wann dies der Fall sein wird, könne das Gesundheitsamt derzeit nicht treffen. Aktuell sei auch kein Omikron-Fall in Karlsruhe bekannt.

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun mehrere Hochs und Tiefs hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen im November 2020 in die Höhe, danach im März 2021 und im Sommer 2021. Verantwortlich dafür ist die zurzeit vorherrschende Delta-Variante. 

Das Problem: Häufig sind Infektionsketten nicht mehr bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen, weshalb eine eindeutige Zuordnung schwierig ist. Dies nennt das Gesundheitsamt ein "diffuses Infektionsgeschehen".

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen jeweils ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) fünf bis sechs Tage.

In anderen Worten: Sollte es aufgrund der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Mehr zum Thema Coronavirus-Karlsruhe: Corona-Virus in Karlsruhe