Nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie, in der die Mund-Nasen-Maske eine Hauptrolle spielte, ist sie seit dem vergangenen Wochenende nur noch Statist. Abgesehen von medizinischen Einrichtungen und im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gilt in Baden-Württemberg keine Maskenpflicht mehr.

So lief der erste Schultag ohne Maske

Bedeutet auch: Tausende Schüler können nach vielen Monaten auf eine Maske verzichten, wenn sie es denn wollen. Montag, 4. April, war der erste Schultag ohne offizielle Maskenpflicht. "Unabhängig davon ist es grundsätzlich aber jeder Person freigestellt, eine Maske zu tragen. Wer sie freiwillig tragen möchte, kann dies selbstverständlich weiterhin tun", heißt es aus baden-württembergische Kultusministerium.

Links die Freie Waldorfschule Karlsruhe, rechts Glogauer Str. das Otto-Hahn-Gymnasium
Links die Freie Waldorfschule Karlsruhe, rechts Glogauer Str. das Otto-Hahn-Gymnasium | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Weil aus Sicht der baden-württembergischen Landesregierung die Rechtsgrundlage für eine Hotspot-Regelung nach Vorstellungen des Bundes fehle, entscheidet man sich nun für Freiwilligkeit statt Pflicht. Freiwilligkeit, die am ersten Schultag nach Ende der Maskenpflicht bei der Mehrzahl der Schüler in Karlsruhe wohl umgesetzt wird, wie mehrere Schulleiter im Gespräch mit ka-news.de berichten. 

Am Otto-Hahn-Gymnasium tragen viele weiter Maske

"Ich schätze 95 Prozent unserer Schüler haben weiterhin eine Maske auf", sagt Andreas Ramin, Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG), im Gespräch mit ka-news.de. Ramin hatte sich nach der Ankündigung des Kultusministeriums mit einem Brief an die Eltern seiner Schüler gewandt und darin appelliert, trotz der fehlenden Pflicht weiterhin eine Maske zu tragen. Eine Appell der in der Waldstadt wohl Wirkung zeigt.

Auch OHG-Lehrer Dominik Bichelhuber bestätigt den Eindruck seines Rektors. "In meiner K2 (Kursstufe 2) hat nur ein Schüler von 30 keine Maske getragen. In einer zehnten Klasse waren es zwei von 28 und auch im Schulgebäude haben nahezu alle Schüler eine Maske auf."

Dominik Bichelhuber ist Lehrer am Otto-Hahn-Gymnasium.
Dominik Bichelhuber ist Lehrer am Otto-Hahn-Gymnasium. | Bild: privat/Bichelhuber

Weiter berichtet der Lehrer für Deutsch, Gemeinschaftskunde und Wirtschaft: "Auch In unserer SMV-Sitzung, in der Schüler aus jeder Stufe teilnehmen, haben praktisch alle weiterhin eine Maske getragen." 

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Ob das Ende der Maskenpflicht der richtige Schritt war, könne Schulleiter Ramin nicht mit letzter Gewissheit sagen. "Das größte Problem ist natürlich, dass es im Falle einer Infektion nun keine Schutzmaßnahmen mehr gibt. Daher muss man in der Schule auch alle Möglichkeiten ausschöpfen, um eine Ansteckung zu verhindern. Auch weil unser Vertretungsplan eng gestrickt ist. Momentan sind vier Kollegen und zirka 30 Schüler in Quarantäne", sagt er.

"Einfacher wenn es klare Regeln gibt"

Viel mehr Belastung würde die Schule also nicht aushalten. "Gleichzeitig kann ich die Handlung der Politik aber auch verstehen. Wenn keine ausreichende Gesetzesgrundlage haben, haben sie natürlich auch wenig Handlungsspielraum."

Eine OP-Maske liegt in einem Klassenzimmer auf einem Federmäppchen.
Eine OP-Maske liegt in einem Klassenzimmer auf einem Federmäppchen. | Bild: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Ähnlich scheint auch die Situation an der Realschule in Neureut zu sein. Fast alle Lehrkräfte und der überwiegende Teil der Schüler würden weiterhin die Maske tragen, wie deren Schulleiter Andreas Boegl gegenüber der Redaktion berichtet.

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Dennoch sei er skeptisch gegenüber der aufgehobenen Maskenpflicht: "Es ist natürlich immer einfacher, wenn es klare, einheitliche Regeln gibt, als wenn Dinge in die Verantwortung von Einzelnen gelegt werden. Gerade bei den hohen Inzidenzen wäre es natürlich schöner gewesen, wenn man die Maskenpflicht zumindest bis zu den Osterferien beibehalten hätte."

Tests laufen weiter

Während die Maskenpflicht nun Vergangenheit ist, wird weiterhin fleißig getestet. "Die zwei Testungen pro Woche laufen noch bis zu den Osterferien. Ich glaube, das ist auch eine nachvollziehbare, vernünftige Regelung. Wir werden sehen, wie die Ergebnisse nach Ende der Maskenpflicht ausfallen." Aktuell seien in Neureut nämlich noch keine Lehrer coronabedingt in Quarantäne, die Zahl der Schüler, die sich in Quarantäne befänden, belaufe sich auf 20.

Auch am Walter-Eucken-Berufskolleg gibt es die Pflicht zum Maske tragen nicht mehr. "Meine Einschätzung ist, zwei Drittel trägt die Masken freiwillig, ein Drittel verzichtet drauf", so der stellvertretende Schulleiter Pierre Heinz.

Pierre Heinz ist stellvertretender Schulleiter der Walter-Eucken-Schule.
Pierre Heinz ist stellvertretender Schulleiter der Walter-Eucken-Schule. | Bild: privat/Heinz

"Besonders aufgrund Prüfungsphase habe ich darum gebeten, das Tragen einer Maske zu respektieren. Zwischenfälle oder Aggressionen gab es dabei keine." Das habe Heinz auch über einen Messangerdienst all seinen Schülern mitgeteilt.

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"So etwas dient auch der Schulgemeinschaft. Es nutzt ja auch nichts, wenn die Lehrer reihenweise in Quarantäne müssen. Ich habe jedem transparent gemacht: 'Es herrscht keine Maskenpflicht mehr, aber ich empfehle das Tragen trotzdem." Aktuell seien auch keine Lehrkräfte in Quarantäne und auch die Zahl der erkrankten Schüler habe sich letzte Woche auf 19 beschränkt.

Maske bleibt auch bei den jüngsten Schülern

"Es ist aus rechtlicher Sicht verständlich, dass die Maskenpflicht aufgehoben wurde, aber ich weiß wirklich nicht, ob es der richtige Zeitpunkt war", sagt der Schulleiter der Adam-Remmele-Grundschule Markus Becht. "Vielleicht wäre es nach den Osterferien besser gewesen, wobei es natürlich schwer ist, den einen richtigen Zeitpunkt zu finden", meint er. Andererseits sei keine Maskenpflicht ja nicht gleichbedeutend mit Maskenverbot, wie Becht fortfährt.

Markus Becht, Direktor der Adam-Remmele-Grundschule Karlsruhe.
Markus Becht, Direktor der Adam-Remmele-Grundschule Karlsruhe. | Bild: Adam-Remmele-Grundschule

"Unsere Klassenlehrer tragen auch weiterhin Masken und sie stehen auch immer eng mit den Eltern in Kontakt. Die meisten Eltern schicken ihre Kinder also auch weiterhin mit Maske in die Schule", erklärt Becht. Eine zentrale Aufforderung von der Schulleitung habe es dabei nicht gegeben, Lehrer und Eltern würden sich größtenteils von sich aus verständigen.

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"Außerdem wurde auch die Kohortenregelung aufgehoben, die verbot, Schülergruppen, in denen ein Covid-Fall auftrat, mit anderen zu mischen. Die Kinder können sich nun also viel stärker austauschen", so Becht. Bei diesem Austausch seien die Zahlen auch noch kontrollierbar. "Im Moment sind eine Lehrkraft und sieben Schüler in Quarantäne, die Infektiosität schwankt zwischen zehn und 15 Prozent. Momentan haben wir die Lage also im Griff."

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