Zwei Anwohner hatten mit ka-news.de über ihre negative Wahrnehmung der Innenstadt-West gesprochen und dabei ihren Unmut gegenüber dem Café Mats bezüglich Lärms geäußert.

Die andere Seite der Medaille

Doch das bunte (Nacht-)Leben in die Stadt sei für viele andere Mieter und Eigentümer eher eine Bereicherung und es werde sich gemeinsam dafür eingesetzt, das moderne, urbane und belebte Wohnen im Stadtteil zu fördern, wie es gegenüber der Redaktion heißt. 

Karlsruhe City-West bei Nacht
Bild: Thomas Riedel

Das Ehepaar Christina und Hans-Jörg wohnt schon seit 20 Jahren in der Leopoldstraße und besucht das Café Mats regelmäßig. Ihnen und zahlreichen anderen Nachbarn liegt das Mats sehr am Herzen, erzählt Hans-Jörg. "Das Mats ist ein Glücksfall für unser Quartier. Wenn es das nicht geben würde, müsste man es erfinden", meint er.

Das könnte Sie auch interessieren

"Es ist ein Ort der Begegnung, an dem alle zusammenkommen – egal in welchem Alter, unabhängig vom sozialen Status oder der Nationalität. Verschiedene Bevölkerungsgruppen etablieren hier ein Miteinander. Das ist eine Kultur, die man haben will", ergänzt Renata Bäckel.

Das Mats hat die Situation am Leopoldplatz verbessert

Auch sie war einmal Anwohnerin und kennt die Gegend um den Leopoldplatz noch aus ganz anderen Zeiten: "Damals konnte man hier im Dunkeln nicht einfach so durchgehen. Es lungerten unangenehme Gestalten herum, Drogen wurden gedealt und konsumiert, man fühlte sich einfach unsicher."

Das Café Mats habe dies ihrer Meinung nach geändert. "Früher lagen hier Splitter, Flaschen und sogar Spritzen auf dem Platz, das war mit Eröffnung des Mats schlagartig vorbei. Nun ist alles friedlich. Vom Flair her fühle ich mich hier ein bisschen wie in Paris. Es ist eine angenehme Atmosphäre für einen Treff mit anderen Menschen aus der Gegend."

"So eine bunte Mischung findet man nirgendwo anders

"Studenten kommen zum Lernen, Familien mit ihren Kindern oder Freunde, die einfach verweilen und sich austauschen wollen", fügt Anwohner Michael Tewes hinzu. "Für mich ist das hier eines der besten Quartiere in Karlsruhe, so eine bunte Mischung findet man nirgendwo anders in der Stadt."

Karlsruhe City-West bei Nacht
Bild: Thomas Riedel

Matthias Mußler, der hauptberuflich als Ingenieur arbeitet, gehe es als Inhaber des Café Mats nicht darum, Profit zu generieren. Seine Intention sei es, ein "erweitertes Wohnzimmer" für die Nachbarschaft zu bieten: "Wenn ich das Gefühl hätte, dass ich hier in der Leopoldstraße nicht willkommen bin, würde ich wieder zu machen", sagt er gegenüber ka-news.de.

"Es ist nicht mein Bestreben, irgendwen zu stören. Doch die Rückmeldung auf mein Café ist durchweg positiv. Mir fallen nur zwei Parteien ein, die sich aktiv gegen mein Café einsetzen."

Das könnte Sie auch interessieren

Dass der Name "Café" aufgrund der Öffnungszeiten irreführend sei, verstehe er nicht: "Café Mats ist einfach nur ein Name. Jeder kann sehen, dass ich auch abends offen habe, Café soll hier keine Indikation für eine frühe Schließzeit geben.“

Zusammen mit seinem Bruder besitzt Mußler außerdem einen Laden in Offenburg mit dem Namen "Café Kakadu" – die Namensgebung sei auch der Gewohnheit geschuldet.

Schaffung eines Quartierstreffpunktes war bereits 2005 ein Anliegen der Bürger

Die Idee solch eines Nachbarschaftstreffs findet bereits seit langer Zeit Anklang im öffentlichen Interesse: Aus einem Bürgerbegehren zur Stadtteilaufwertung des Jahres 2005 geht bereits hervor, dass das Quartier einen Treffpunkt für die Anwohner bekommen sollte.

Karlsruhe City-West bei Nacht
Bild: Thomas Riedel

Zu den Forderungen gehörte unter anderem die bessere Zugänglichmachung des Leopoldplatzes. "Wohnen in der Stadt braucht Freiräume", heißt es in der Empfehlung der Bürgerbeteiligung Innenstadt-West von damals, welches Mußler ka-news.de vorlegt.

Ebenfalls sollte sich das Gebiet als Gegenpol von der häufig als solcher betitelten "Vergnügungsmeile" auf der nahegelegenen Amalien- und Hirschstraße abheben, deren Lokale hauptsächlich auf die Club-Szene und Publikum von auswärts ausgerichtet sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Vorgänger-Lokale erzielten nicht den gewünschten Begegnungs-Effekt Dies hat sich das Café Mats zur Aufgabe gemacht und, wenn es nach einem großen Teil der Anwohner geht, auch verwirklicht.

Andere Geschäfte an diesem Standort konnten sich nicht lange durchsetzen und wechselten häufig ihren Besitzer. "Keines hat in irgendeiner Weise die Attraktivität des Stadtviertels bereichert", blickt  Anwohner Michael Tewes zurück.

Ein Stadtbild im Umbruch

Auf das Lärm-Problem angesprochen erklärt Mußler: "Es ist kein Geheimnis, dass mein Café der Straße etwas mehr Leben einhaucht. Doch nicht nur dieses trägt zu einer lebhafteren Stadt bei. Wir befinden uns in einer Großstadt im zeitlichen Umbruch. Der urbane Wohnraum verdichtet sich, Wohnungen werden zu WGs, nach der Pandemie haben die Menschen das Bedürfnis ausgelassener zu leben. Für diese gesellschaftlichen Veränderungen sind nicht wir Gastronomen verantwortlich."

Karlsruhe City-West bei Nacht
Bild: Thomas Riedel

Er, sowie die Mitarbeiter des Mats würden alles dafür tun, dass die Sperrzeiten eingehalten werden und alles ordnungsgemäß ablaufe. Der Außenbereich sei immer pünktlich geräumt und alle Fenster und Türen geschlossen. Jeder Mitarbeiter führe während der Schicht ein Lärmprotokoll aus.

Jegliche Lärm-Quellen werden direkt mit dem Mats verbunden

Die Polizei Karlsruhe verzeichnete im Jahr 2022 Einsätze im mittleren zweistelligen Bereich in der Leopoldstraße, doch weder sie noch der Kommunale Ordnungsdienst habe bislang einen Verstoß feststellen können.

Eine aus der Anwohnerschaft angezeigte Ordnungswidrigkeit konnte aufgrund der Beweislage nicht geahndet werden, das Verfahren wurde eingestellt.

Karlsruhe City-West bei Nacht
Bild: Thomas Riedel

"Generell fällt jedes Geräusch in der nächsten Umgebung auf mich zurück. Die Beamten waren sogar einmal wegen einer Beschwerde da, während mein Café gar nicht offen hatte", sagt Mußler. "Wenn es in der Umgebung einmal lauter wird, rufe ich sogar schon selbst die Polizei, um klarzustellen, dass ich nicht die Lärmquelle bin."

Ähnlich sieht das Volker Gumsheimer. Er betreibt seit über 25 Jahren das Pub "Die Pinte" in der Leopoldstraße. "Verursacher von Lärm und Verunreinigungen sind eher Leute, die in der Nacht wie die Vandalen durch die Stadt ziehen. Die gibt es an jeder Ecke hier."

Das könnte Sie auch interessieren

"Auf dem Leopoldplatz kommt es außerdem immer wieder zu Zusammenkünften von privaten Gruppen mit Alkohol und Zigaretten, die den Platz als Party-Location entfremden. Diese gehören jedoch nicht zur Gastro-Kundschaft.“

Er wünscht sich, dass sich der Ordnungsdienst mehr um diese Probleme kümmern würde.

"Kampf um den Leopoldplatz" zieht sich in die Länge

In der Vergangenheit gab es laut Stadt Karlsruhe bereits zahlreiche Gespräche über den fortlaufenden Konflikt. Das Recht für den Leopoldplatz liegt beim städtischen Gartenbauamt.

Karlsruhe City-West bei Nacht
Bild: Thomas Riedel

Dieses hatte Mußler als Reaktion auf die Lärmbeschwerden einiger Anwohner schon einmal das Nutzungsrecht für die Außenbestuhlung entzogen.

Der Aufschrei darauf war groß: Zahlreiche Unterstützerbriefe für die Wahrung der Außenbestuhlung des Mats sind beim Gartenbauamt eingegangen.

Das könnte Sie auch interessieren

Dabei wurden nicht nur Gründe der Aufwertung des Stadtteils genannt, sondern auch, dass gastronomische Betriebe ihre Außenbewirtschaftung brauchen, um zu überleben.

Keine Maßnahmen der Stadt ohne objektive Erkenntnisse

"Den Anwohnenden wurde die rechtliche Situation genannt, aufgrund derer Maßnahmen geprüft und/oder umgesetzt werden können", so die Stadt gegenüber ka-news.de

"Rechte stehen nicht nur Anwohnenden, sondern auch Gastwirten zu. So müssen subjektiv empfundene Störungen immer auch objektiv belegt werden, um Einschränkungen des Gaststättenbetriebs durchsetzen zu können. Liegen solche Erkenntnisse nicht vor, sind entsprechende Maßnahmen aufgrund fehlender Rechtsgrundlagen nicht möglich", erklärt die Stadt weiter.

Karlsruhe City-West bei Nacht
Bild: Thomas Riedel

Als unfair werden von den Betreibern die eingeschränkten Öffnungszeiten bis 22 Uhr für den Außenbereich wahrgenommen "Überall in Karlsruhe dürfen Lokale in der Sommerzeit bis 23 bzw. 24 Uhr geöffnet haben, inklusive der Pinte keine 50 Meter weit weg."

"Sie bekommt sogar Parkplätze für Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt, wofür wir extra ein Lärmgutachten einreichen müssen“ erklärt Mußler. Auch Gumsheimer ist der Meinung: "Messen mit gleichem Maß: Gesetzlich festgelegten Regeln sollten auch für alle gelten."

Steigerung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum als zentrale Herausforderung

Die  Stadt habe unter Berücksichtigung der corona-bedingten Einschränkungen Anträge auf räumlich und gestalterisch erweiterte Nutzungen von Außenbestuhlungsflächen, auch auf öffentlichen Stellplätzen, im Rahmen des rechtlich Machbaren wohlwollend geprüft.

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Julia Wessinger

Der Gemeinderat habe die Stadtverwaltung im Rahmen der zukünftigen Nutzung und (Neu-)verteilung bereits mit einer Konzepterstellung für eine Sondernutzungszulassung beauftragt,

Derzeit werden mögliche Rahmenbedingungen erarbeitet und dem Gemeinderat bis zum Frühjahr 2023 vorgestellt und zur Entscheidung vorgelegt.