Im westlichen Teil der Innenstadt geht es gerade an den Wochenenden sehr lebhaft zu. Vor allem rund um die Leopold-, Hirsch- und Amalienstraße ist jede Menge los. Dies liegt vor allem an der zahlreichen Außenbestuhlung verschiedener gastronomischer Betriebe: In diesem Stadtteil reiht sich Café, an Bar, an Imbiss und an Disko.

Corona-Ausnahmeregelungen für die Außengastro sollen zur Normalität werden

Während der Pandemie sind Sonderregelungen zur gelockerten Außenbewirtschaftung ins Leben gerufen worden. Diese sind Ende Oktober zwar ausgelaufen, wurden nun jedoch wie schon häufig in der Vergangenheit verlängert.

Karlsruhe City-West bei Nacht
Noch ist es ruhig in der City West. | Bild: Thomas Riedel

Es ist sogar ein Konzept in Absprache, welches diese Erlaubnisse in einen Dauerzustand umwandeln  möchte. Doch nicht für jeden ist dies eine positive Nachricht.

Durch die Kneipen ist es in der City West zu laut

Was für die einen pures Vergnügen ist, wird für die anderen schnell zum Horror: Regina Link und Dietrich Foth haben ihre Wohnungen in der Nähe des Café Mats und leiden häufig unter dem Lärm.

Regina Link und Dietrich Foth wohnen in der City West.
Regina Link und Dietrich Foth wohnen in der City West.

Das Lokal gibt es seit einigen Jahren. Ganz klein angefangen hat es seine Bestuhlung erst mit zehn Quadratmetern, mittlerweile mit 30 Quadratmeter Fläche auf den Leopoldplatz ausgeweitet.

Das könnte Sie auch interessieren

"Alleine das Café im Namen ist irreführend", meint Link. Geöffnet ist sieben Tage die Woche. Der Außenbereich vor dem Lokal Sonntag bis Mittwoch bis 23 Uhr. Donnerstag bis Samstag sogar bis 24 Uhr." Zu lange, wenn es nach den beiden Anwohnern geht.

Anwohner beklagen fehlende Nachtruhe

Denn wenn Schicht im Schacht ist, kehrt hier danach keine Stille ein und das hört man, meinen die beiden Karlsruher: "Der Bereich hier ist wie ein Schall-Trichter, da reicht schon eine kleine Gruppe, ein wenig Gelächter, und man sitzt senkrecht im Bett", so Foth.

Karlsruhe City-West bei Nacht
Bild: Thomas Riedel

Eigentlich sei es Aufgabe des Personals, zu den Tabu-Zeiten für Ruhe vor dem Café zu sorgen "In Gaststätten auf der Waldstraße funktioniert das einwandfrei", merkt Link an. Mit dem Kompromiss einer Öffnungszeit des Außenbereichs bis 22 Uhr, wo auf offiziell die Nachtruhe beginnt, könnten sie auch leben.

"Am Wochenende kann man ja auch länger geöffnet haben, schließlich haben wir uns ja auch für das Wohnen in der Stadt entschieden, wo es mal lauter sein kann. Aber jeden Tag dieser Lärm, morgens bis spät in der Nacht, das ist nicht tragbar"

Im Moment dürfen die Tische aufgrund der Ausnahmeerlaubnis auf dem Leopoldsplatz bis 22 Uhr bewirtet werden. Die zwei Anwohner befürchten jedoch, dass die Öffnungszeiten bald auf 23 oder 24 Uhr verlängert werden könnten.

Anwohnern ist es zu laut

Von den städtischen Behörden fühlen sich die Anwohner sowieso nicht ernst genommen. "Wir haben schon alles versucht", so Link. "Videos, Bilder, Audios und Zeugenaussagen, all dies wird von der Stadt als nicht beweisfähig genug deklariert."

Karlsruhe City-West bei Nacht
Bild: Thomas Riedel

Es werde außerdem zu wenig kontrolliert, die Polizei kommt entweder zu spät oder gar nicht vorbei. "So langsam werden unsere Bemühungen auch ermüdend, wenn man da schon so lang dran ist und nichts zurück kommt", bemängeln die beiden Nachbarn.

Gibt es ein Parkplatzproblem?

Doch die Situation hat sich nicht nur was Lärmbelästigung angeht in den letzten Jahren drastisch verschlechtert: "Wir haben hier auch ein massives Parkplatzproblem, das die Stadt ebenfalls ignoriert", ergänzen die beiden.

Karlsruhe City-West bei Nacht
Bild: Thomas Riedel

"Die Gebühren für das Anwohnerparken wurden versechsfacht und sollten eigentlich verzehnfacht werden. Zugleich sind in der Leopoldstraße dank gelockerter Außenbewirtschaftung und Fahrradparkplatz nochmal mehrere Parkplätze weggefallen". Konsequenzen werden ihrer Meinung nach einfach zu wenig beachtet. "Das wirkt sich natürlich negativ auf unser Vertrauen in städtisches Handeln aus."

"Stadtbild muss wieder aufgewertet werden"

Auch das Gesamtbild und Klima des Stadtteils ist Regina Link ein Anliegen: "In den letzten Jahren ist es hier allgemein viel unruhiger geworden. Dieser Amüsierstadtteil ist leider zur Proll-Eventmeile verkommen."

Karlsruhe City-West bei Nacht
Die Aral Tankstelle in der City West | Bild: Thomas Riedel

"Die Gastro argumentiert mit einer guten Stadtatmosphäre in der Gegend, doch was ist mit den Menschen, die nicht feiern können, weil sie kein Geld dafür haben?" fragt sich Link.

Das könnte Sie auch interessieren

Fördergelder sollten wenn es nach ihr ginge eher in solche Projekte gesteckt werden und Plätze wie der Leopoldplatz nicht mit Außengastro "vollgekleistert" werden, damit alle die Möglichkeit bekommen, sie zu nutzen.

"Stadtgemeinschaft funktioniert nur gemeinsam"

"Es wird immer als Grund genannt, Corona hätte auf die Geschäftsfähigkeit von Kneipen nach wie vor einen Einfluss, doch das Geschäft brummt", so Link. Der "kulturelle Schatz" der Fächerstadt liegt ihr am Herzen. Hier läuft es seit der Pandemie leider nicht mehr so rund, genau aus diesem Grund wäre eine Unterstützung von städtischer Seite notwendig. "Oder geht es nur um Kommerz?"

Karlsruhe City-West bei Nacht
Bild: Thomas Riedel

Link ist der Meinung: "Wenn der Stadtteil aufgewertet werden soll, brauch mehr Bewusstsein und einen 360 Grad-Blick von Seiten der Stadt und der Gastronomen. Ansonsten funktioniert eine Stadtgemeinschaft nicht, wenn jeder nur an sich denkt."

In weiteren Artikeln werden noch die Perspektiven der Stadt, der Gastronomie und weiterer Anwohner beleuchtet. Mehr dazu bald auf ka-news.de.