Dass das Land das Deutschlandticket mitfinanziere, dürfe nicht wie von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) angekündigt zu Abstrichen an anderer Stelle führen, sagt der Rathaus-Chef am Freitag bei einer Online-Pressekonferenz der Stadt Karlsruhe.

Hat das 49-Euro-Ticket den falschen Effekt?

"Sonst können wir die Qualitätsstandards unseres ÖPNV in Karlsruhe nicht mal aufrechterhalten und das Angebot müsste zurückgefahren werden." Es dürfe nicht zu einem Stillstand beim Ausbau des ÖPNV kommen, warnte der OB.

Fahrgäste sitzen im morgendlichen Berufsverkehr in einer Straßenbahn in Halle.
Fahrgäste sitzen im morgendlichen Berufsverkehr in einer Straßenbahn in Halle. | Bild: Jens Schlüter/dpa

Aus Mentrups Sicht wird das neue Nahverkehrsticket kaum zur Verkehrswende beitragen. 49 Euro seien zu wenig, um die Ausgaben der Verkehrsbetriebe auszugleichen, sagte der Oberbürgermeister, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrates des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) ist. "49 Euro sind aber zu viel, um eine nennenswerte Zahl neuer Kunden zu finden."

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Nutzen würden den nachfolger des 9-Euro-Tickets laut Mentrup sowieso eher Menschen, die ohnehin schon - meist teurere - Monats- oder Jahreskarten haben und künftig für weniger Geld durch ganz Deutschland reisen wollen.

Drei Botschaften von Mentrup

Nach seinen Informationen solle zudem für eine Milliarde Euro eine übergeordnete Plattform zum Vertrieb des 49-Euro-Tickets samt einer Trackingfunktion der Reisenden durch die Republik entwickelt werden, sagte der Rathauschef. Das kritisierte Mentrup als reine Verschwendung. "Man will es supergut und superdigital machen, aber das Geld können wir besser woanders gebrauchen und auch aus Datenschutz-Sicht halte ich eine solche Idee für höchst bedenklich."

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Das Karlsruher Stadtoberhaupt richtete deshalb drei "Botschaften" in Richtung Ministerpräsident Winfried Kretschmann, die Bundesregierung und an die Bevölkerung: 

  1. "Das Land Baden-Württemberg muss sich entweder klarer gegen das Deutschlandticket positionieren oder mehr Geld bereitstellen, damit das Ticket nicht zu einem Rohrkrepierer der Mobilitätswende wird."
  2. "Ich bitte alle Abonnenten die beim KVV eine Abo haben darum, weiterhin Abonnements zu kaufen und zu verlängern." Mentrup versprach, dass der KVV zum passenden Zeitpunkt eine Umstelloption ermöglichen würde. "Keiner wird im Nachteil sein", so der OB.
  3. "Um das Deutschlandticket einzuführen, sollten die vorhandenen Apps der einzelnen Verkehrsbetriebe genutzt werden und nicht nebendran noch eine weitere riesige Datenstruktur zu schaffen, die weder finanziell noch datenschutzrechtlich zu rechtfertigen ist."
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Sollten diese drei Punkte nicht funktionieren würde der KVV weiterhin auf "unkalkulierbare Verluste zusteuern, egal wie viel Ausgleichsmittel man verteilt." Auch in Sachen Mobilitätswende würden dann in Zukunft Abstriche drohen. "Das soll ja nicht der Sinn des Deutschlandtickets sein", so Mentrup.