Es wird immer kälter und mit den sinkenden Temperaturen steigen auch wieder die Corona-Zahlen. Ob es zu einer nächsten Welle kommt, kann man zwar nicht vorhersagen, trotzdem spüren die Impfzentren, dass die Nachfrage nach dem Pieks wieder größer wird.

"Auf den Virusimpfstoff haben einige Menschen gewartet"

Seit Ende September sind die neuen Impfstoffe offiziell in Deutschland zugelassen – einmal die beiden an das Omikron-Virus angepassten BioNTech BA.1 und BA.4/5, sowie der Totimpfstoff Valneva.

Permanente Impfambulanz Karlsruhe
Dr. Massimiliano Perna wünscht sich eine bessere Kommunikation mit der STIKO und dem RKI. | Bild: Sophia Wagner

"Gerade auf den Virusimpfstoff haben einige Leute gewartet, die sich nun impfen lassen", so Massimiliano Perna. Er leitet die permanenten Impfambulanzen (kurz PIA) in Karlsruhe, Freiburg und Mannheim. In Karlsruhe gibt es das Impfzentrum seit Ende Januar.

Eigentlich sei dies eine gute Nachricht, dennoch gab es einige Startschwierigkeiten, die dem Personal die Arbeit im Impfzentrum erschwerte und zu verwirrten und verärgerten Patienten führte. Ein Problem war zu Beginn zunächst die mangelnde Anzahl an Impfstoffen.

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"Vor allem bei BA.1, den sich sehr viele, die zu uns gekommen sind, verabreichen lassen wollten, haben wir viel weniger bekommen als wir eigentlich gebraucht hätten", so Perna. Gerade mal ein Zehntel der bestellten Menge sei angekommen und so mussten zeitweise viele impfwillige Bürger an ihrem Termin wieder heimgeschickt werden.

Doch nicht nur die Menge der Impfstoffe hat für Probleme gesorgt, sondern auch die unvollständige Dokumentation der Anamnese-, Aufklärungs- und Einwilligungsbögen. Diese sollen Bürger, die sich impfen lassen möchten, vor ihrem Termin eigentlich herunterladen, ausfüllen und mit zum Impftermin bringen.

Nicht nur Menge an Impfstoff sorgt für Probleme

Doch zum einen standen diese Bögen am Anfang erst einmal gar nicht zum Download zur Verfügung, zum anderen wurden die verschiedenen Impfstoff-Arten auf den Bögen nicht an die aktuell angebotenen Optionen angepasst.

Die Anamnesebögen vor der Impfung waren zunächst nicht an die aktuellen Impfstoffe angepasst.
Die Anamnesebögen vor der Impfung waren zunächst nicht an die aktuellen Impfstoffe angepasst. | Bild: Sophia Wagner

"Das war zwar nur die ersten zwei Wochen so, was erst einmal wenig klingt, es ist jedoch trotzdem ein Mehraufwand im Nachgang für uns, der mit besserer Vorbereitung vom RKI bzw. der STIKO hätten vermieden werden können. Viel Arbeit ist das nicht und genug Vorlaufszeit dafür war auch da."

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Perna weist hierbei auch darauf hin, dass diese Missverhältnisse nicht nur negative Auswirkungen auf die Beziehung zu den Bürgern gehabt hätten, sondern auch auf die Kapazitäten des Personals, sowie auf die Koordination mit Pflegeheimen, in denen ebenfalls  Impfungen durchgeführt werden, die in manchen Fällen als Folge verschoben werden mussten.

"Die Struktur fehlt in Deutschland"

Mittlerweile gäbe es aber genug Impfstoff für alle und auch die Bögen stehen in jeweils korrekter Form zur Verfügung.  Dennoch bemängelt Perna im Allgemeinen: "Die Struktur fehlt und das dürfte gerade in einem Land wie Deutschland, in dem die Anzahl an Impfgegnern vergleichsweise hoch ist, nicht so sein."

Für besonders vulnerable Gruppen wird der Impfschutz verlängert. Die Zweitimpfung der Betroffenen muss mindestens sechs Monate zurückliegen.
Für besonders vulnerable Gruppen wird der Impfschutz verlängert. Die Zweitimpfung der Betroffenen muss mindestens sechs Monate zurückliegen. | Bild: © Stadt Karlsruhe

Er bemängelt, dass auch auf politischer Ebene keine klare Kommunikation herrsche. "Da sagt unser Gesundheitsminister Karl Lauterbach an einem Tag, jeder kann sich eine Impfung holen, und einen Tag später kommt vom STIKO-Vorsitzenden Thomas Mertens, es bleibt bei der Impfempfehlung.

Solche Ungereimtheiten machen nicht nur uns in den Impfzentren die Arbeit schwer, sie wirken sich auch schlecht auf das Vertrauen der Bürger aus."

Viele Auffrischungen, kaum Erstimpfungen

Nichtsdestotrotz freut sich das Impfzentrum, dass nun wieder mehr Leute zum Impfen kommen. Der Spätsommer war sehr ernüchternd für uns, gerade für eine größere Stadt wie Karlsruhe", so Finn Deitert. Er arbeitet seit Juli als Impfarzt im PIA.

Impfaktion Schüler
Bild: Stadt Karlsruhe

"Viele Menschen haben auch auf den Totimpfstoff oder auf die angepassten Omikron-Varianten-Impfstoffe gewartet. Es ist schön, dass die Zahl nun wieder ansteigt", meint er. Im Moment haben mittlerweile ungefähr 250 bis 270 Personen am Tag einen Termin, Tendenz steigend.

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Darunter wird am häufigsten der zweite Booster beziehungsweise die vierte Impfung gespritzt, auch die erste Booster-Impfung ist leicht angestiegen. Erstimpfungen gäbe es nur wenig, ein paar vereinzelt in der Woche. Es stehen alle zugelassenen Impfstoffe zur Verfügung, außerdem wird sich im PIA nicht an die Empfehlung der STIKO gehalten, sondern an die Zulassung.

Von fünf bis 100 Jahren war schon alles dabei

"Hier war im Alter von fünf bis 100 schon alles dabei. Wir möchten jedem, der es möchte die Möglichkeit geben, sich impfen zu lassen.  Für den zweiten Booster muss man nicht unbedingt ein älterer oder kranker Mensch aus der Risikogruppe sein. Es gibt viele verschiedene Lebensumstände und Menschen und ihre Ängste sind individuell, bei uns wird jede Entscheidung respektiert. Natürlich wird vor jeder Impfung ein ärztliches Aufklärungs- und Beratungsgespräch geführt", erklärt Deitert.

Permanente Impfambulanz Karlsruhe
Das Team der Permanenten Impfambulanz in der Karlsruher Postgalerie freut sich über die steigende Nachfrage nach Impfungen. | Bild: Sophia Wagner

Außerdem sei es im Sinne aller, die Impfung und alles um sie herum so einfach und bequem wie möglich zu gestalten. Kurze Wartezeiten von fünf bis zehn Minuten und die Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen begünstigen diesen Faktor.

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"Am Tag der Deutschen Einheit hatten wir zum Beispiel 136 Impfungen in den vier Stunden, in denen wir geöffnet hatten. Viele Menschen können unter der Woche nicht kommen, weil sie arbeiten müssen. Ihnen wollen wir entgegenkommen", so Massimiliano Perna. Er bedankt sich an dieser Stelle auch bei dem Personal, was dazu bereit ist, auch an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten.

Die Zahl der Infizierten steigt wieder

Auch der gewählte Ort für die Impfzentren hat laut Perna einen positiven Effekt: "In Karlsruhe haben wir unseren Standort in einem Einkaufszentrum, in Freiburg im Hauptbahnhof – das führt auch zu vielen spontanen Impfungen, ob man jetzt gerade beim Shopping ist oder der Zug Verspätung hat. Die Impfung dauert nicht lange, die Anmeldung ist unkompliziert und so lässt sich das Vorgehen ganz leicht in das verfügbare Zeitfenster der Bürger einbringen."

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Das Impfzentrum befindet sich im 1. OG der Postgalerie. | Bild: Sophia Wagner

Mit Blick auf den Herbst und Winter erhofft sich Perna vom RKI und der STIKO einen besseren Austausch, aber auch, dass etwas entspannter mit den Impfempfehlungen umgegangen wird und man nicht mehr so mit dem aktuellen Stand hinterherhängt.

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"Die Zahlen der infizierten Personen steigen, man weiß nicht, ob nochmal eine nächste Welle auf uns zukommen wird. Noch bevor es also beginnen könnte zu brennen,  sollte man also am besten ausreichend vorbereitet sein und schnell die richtigen Entscheidungen treffen."

Noch Impftermine in Karlsruhe frei

Die Permanente Impfambulanz (PIA) hat in Baden-Württemberg insgesamt acht Standorte in Stuttgart, Karlsruhe, Ludwigsburg, Winnenden, Heilbronn, Mannheim, Freiburg und Ulm.

Das Karlsruher Impfzentrum befindet sich in der Postgalerie am Europaplatz im ersten Obergeschoss und hat jeden Tag von 10 bis 19 Uhr geöffnet, auch Sonn- und Feiertags. Verimpft werden alle derzeit zugelassenen Impfstoffe.

Unter diesem Link können ganz einfach Termine zur Impfung ausgemacht werden: https://permanente-impfambulanz.de/impfzentrum-karlsruhe/

 

 
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