"Es ist kompliziert." So oder so ähnlich dürfte sich die Lage in den Karlsruher Bürgerbüros wohl am besten beschreiben lassen. Während die Stadt eine Entspannung versprach und auch Verbesserungen sieht, beschweren sich die Bürger weiterhin über schwere Terminvereinbarung und lange Wartezeiten.

Käuflein kann Kritik nachvollziehen

"Wir stehen zu Recht unter kritischer Beobachtung", meint Karlsruhes Bürgermeister Albert Käuflein im Rahmen der Pressekonferenz zur Präsentation der Karlsruhe.App am Dienstag. Auch hier war die Situation in den Bürgerbüros ein Thema.

Symbolbilder Bürgerbüro Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

Denn: Auch über die App lassen sich Termine von unterwegs aus tagesaktuell und spontan vereinbaren. Die Termine werden je nach Personalsituation in den Büros für den jeweiligen Tag eingestellt.

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"Letzte Woche gab es im Bürgeramt acht coronabedingte Ausfälle. Dann müssen wir mit langfristigen Terminen vorsichtig sein. Kehrt ein Mitarbeiter zurück, sagen wir spontan: 'jetzt können wir noch ein paar Termine schalten'", erklärt Käuflein die Situation.

Terminvereinbarung für einen Reisepass ab 24 Jahren über die Karlsruhe.App: Für Mittwoch 29. Juni, wären drei Termine spontan frei.
Terminvereinbarung für einen Reisepass ab 24 Jahren über die Karlsruhe.App: Für Mittwoch 29. Juni, wären drei Termine spontan frei. Screenshot vom 29. Juni um 10.45 Uhr. | Bild: Screenshot Carsten Kitter

Der Bürgermeister bilanziert: "Die Situation hat sich deutlich verbessert, auch wenn sie noch nicht gut ist." Das Fazit der ka-news.de-Leser fällt derweil kritischer aus.

Karlsruher berichten von ihrem Besuch

"Der Artikel sollte einigen zu denken geben. Leider kommen von der Stadt nur die üblichen Allgemeinplätze. Von lösungsorientiertem Denken kann hier nicht die Rede sein", so die Reaktion des ka-Reporters der im Artikel von Montag zu Wort kam. 

Eine weitere ka-Reporterin namens Daniela berichtet von sechs Monaten Wartezeit, bis sie den Kinderreisepass für ihre 12-jährige Tochter in den Händen halten konnte.

Symbolbilder Bürgerbüro Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

"Um online einen Termin zu vereinbaren, habe ich zwei Monate gebraucht. Ich war täglich auf der Webseite der Bürgerbüros und hatte irgendwann im März Glück, da an dem Tag wohl neue Termine online gestellt wurden. Der Termin fand dann Ende April statt und Anfang Juni hatten wir endlich den Reisepass in den Händen. Und das alles, obwohl ich schon im Januar nach einem Termin gesucht hatte", schreibt sie an die Redaktion. 

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Außerdem berichtet sie von ähnlichen Problemen bei ihrem Kirchenaustritt. "Keine Chance, einen Termin zu vereinbaren. Irgendwann konnte ich mich auf eine 'Warteliste' setzen lassen und wurde vom Standesamt direkt angeschrieben, als es einen freien Termin gab", schreibt sie weiter. Die Aussage der Stadt, dass sich einiges verbessert habe, könne sie daher nicht bestätigen.

"Ich hab im Frühjahr, als die Reiselust noch nicht groß war, auch keinen Termin erhalten oder große Probleme damit gehabt. Im Bürgerbüro selbst (egal ob Kirchenaustritt oder Reisepassbeantragung) war zu keinem Zeitpunkt viel los, im Gegenteil. Die Mitarbeiter hatten sich immer scheinbar entspannt miteinander unterhalten, ohne dass Kundschaft gewartet hätte. Ich fand das sehr interessant", endet ihre Mail.

Auf Facebook gibt es auch positive Berichte

Auch im Netz sparen die Karlsruher Bürger nicht mit Kritik an der aktuellen Situation. In einem Facebook-Kommentar schreibt beispielsweise Cody Jarret: "So, ging es mir mit meinem Personalausweis auch. Früher konnte man diesen, wenn er angekommen ist, einfach an der Anmeldung abholen kommen, da hatten sie die ganzen Ausweise in Kartei Boxen."

Facebook Kommentar
Bild: Screenshot

Jasmin Lang bilanziert einfach nur: "Schlechtere Bürgerbüros sah ich noch nie." Der überwiegende Großteil der Kommentare liest sich ähnlich. Positive Berichte gibt es selten, sind aber vorhanden.

Beispielsweise schreibt Mel Li über ihren Besuch im Bürgerbüro: "Ich kann nur positives berichten - für mein Anliegen passte keine Telefonansage und einen Onlinetermin konnte ich für mein Begehr auch nicht buchen - also bin ich einfach hin, ohne Termin und habe mein Problem geschildert."

"Daumen hoch"

Im Anschluss wurde sie spontan weitervermittelt und konnte mit dem gewünschten Dokument den Heimweg antreten. Sie berichtet von einer freundlichen und hilfsbereiten Atmosphäre der städtischen Mitarbeiter und schreibt: "Von mir gibt es einen Daumen hoch für unser Bürgerbüro."

Facebook
Bild: Screenshot

Daniel Hazzelhoff ergänzt: "Freitags angerufen, Termin für Dienstag bekommen. Beim Termin 5 Minuten Wartezeit. Kann mich nicht wirklich beschweren." Auch Daniele Christ teilt ihre positiven Erfahrungen auf Facebook.

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Sie könne die Kritik nicht nachvollziehen und schreibt: ich hatte drei Termine die letzten Jahre. Wenn ich online keinen Termin ausmachen konnte, rief ich an und erhielt innerhalb einer Woche einen Termin für einen neuen Personalausweis und wurde sehr kompetent und sehr freundlich beraten."