Der Erste Weltkrieg ist vorbei und der Zweite gerade voll im Gange. Nach dem 25. August 1940, als die britische Royal Air Force die ersten Bomben auf Berlin abwirft, sollen laut des neu beschlossenen "Luftschutz-Sofortprogramms" alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern und kriegswichtigen Anlagen mit ausreichenden Luftschutzbunkern für die Bevölkerung ausgestattet werden.

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Und obwohl Karlsruhe diese Kriterien nicht erfüllt, gilt die Fächerstadt als besonders bombardierungsgefährdet. Der Grund: Sie hat im Ersten Weltkrieg einige Luftangriffe erlitten. So erhält die Stadt ab August 1941 elf Luftschutzbunker.

Ehemaliger Luftschutzbunker an der Erzbergerstraße in der Karlsruher  Nordstadt.
Ehemaliger Luftschutzbunker an der Erzbergerstraße in der Karlsruher Nordstadt. Er wurde mit Ecklisenen und angedeuteten Bogenreihen, Blendfenstern und überstehendem Walmdach mit Dach- gauben (Fledermausgauben) verziert oder getarnt.Der Hochbunker schützte die Bewohner der Umgebung und das nahegelegene Flugplatzpersonal des alten Flugplatzes (Heute Naturschutzgebiet). | Bild: Carmele|TMC Fotografie

Der Luftschutzhochbunker in der Erzbergerstraße 81 wird im September 1941 nach einem Entwurf vom Stadtbaurat Paul Brömme erbaut. Er ist zum Schutz der Bewohner aus der Hardtwaldsiedlung und des Personals vom benachbarten Flugplatz gedacht.

Alle Teile, inklusive Dach, sind aus Stahlbeton. Das Gebäude ist getarnt mit Dachgauben, Ziegel und Blendfenstern und bietet 720 Schutzplätze. Im Krieg waren Etagenbetten und Sitzbänke in den Räumen eingerichtet. An den Enden der Flure wurden Waschräume und WC-Anlagen, getrennt für Männer und Frauen, untergebracht.

Zwischenraum ins Bunker Innere.  Ehemaliger Luftschutzbunker an der Erzbergerstraße in der Karlsruher  Nordstadt
Zwischenraum ins Bunker Innere. Ehemaliger Luftschutzbunker an der Erzbergerstraße in der Karlsruher Nordstadt | Bild: Carmele|TMC Fotografie

Bei einem Luftangriff hatten nur Deutsche, keine Kriegsgefangenen oder Fremdarbeiter, Zutritt. Ein Bunkerwart mit Ordnungskräften führte die Aufsicht. Bei Angriffen jedoch waren die Bunker völlig überbelegt, und die hygienischen Zustände waren katastrophal. Oft mussten Fremdarbeiter die Reinigung übernehmen. 

Die Rückseite ist überwuchert -  Ehemaliger Luftschutzbunker an der Erzbergerstraße in der Karlsruher  Nordstadt.
Die Rückseite ist überwuchert - Ehemaliger Luftschutzbunker an der Erzbergerstraße in der Karlsruher Nordstadt. Der Hochbunker schützte die Bewohner der Umgebung und das nahegelegene Flugplatzpersonal des alten Flugplatzes (Heute Naturschutzgebiet). | Bild: Carmele|TMC Fotografie

Heute hat der Bunker einen anderen Nutzen: Er fungiert als Schlagzeugschule und Lagerraum.

 

ka-news.de-Serie

Die Zeit des Nationalsozialismus ist auch an Karlsruhe nicht spurlos vorübergegangen. Als stille - und gut verborgene - Zeitzeugen sind allerdings die insgesamt elf Bunkeranlagen der Fächerstadt zurückgeblieben. Immer sonntags nimmt ka-news.de die Leser mit auf eine Reise durch die fast vergessene Welt der Karlsruher Luftschutzbunker:

Teil 1 der Serie: Der Hochbunker Irisweg


Teil 2 der Serie: Der Tiefbunker in der Dammerstocksiedlung

Teil 3 der Serie: Der Operationsbunker in der Kaiserallee

Teil 4 der Serie: Die "Appenmühle" am Rheinhafen

Teil 5 der Serie: Der Hochbunker in Grünwinkel

 
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