Ausgangsbeschränkungen gehören im Bereich der Pandemiebekämpfung zu den wohl heiß diskutiertesten Themen. Während die Regierung diese Maßnahmen zum größten Teil unterstützt, haben sich die Aerosol-Forscher stringent dagegen ausgesprochen.

Der Grund: Die Menschen würden dazu verleitet werden, sich weiterhin drinnen zu treffen - und dort fänden die meisten Infektionen statt.

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Kontaktreduzierung als oberste Priorität

Dem stimmt auch das Gesundheitsamt in Karlsruhe zu: Tatsächlich würde die Gefahr "im Inneren" lauern. Die Ausgangssperre wäre aber insofern gerechtfertigt, da sie auf die Kontaktreduzierung des jeweils Einzelnen abziele. 

"Wie oft fälschlicherweise angenommen wird, geht es bei den Ausgangsbeschränkung nicht primär darum, nachts den Aufenthalt im Freien zu untersagen, sondern zu verhindern, dass abends viele 'hinausgehen' um irgendwo wieder 'hineinzugehen' - respektive in geschlossene Räumlichkeiten - um sich zu treffen", heißt es seitens vom Landratsamt auf Anfrage von ka-news.de.

Bundeswehr unterstützt Gesundheitsamt
Bild: Thomas Riedel

Speziell angesichts der steigenden Zahlen mit "diffusem" Infektionsgeschehen sei es aber umso wichtiger, persönliche Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Das wurde bereits seit Anbeginn der Pandemie kommuniziert.

Die Ausgangsbeschränkung sei demnach als eine "zusätzliche Maßnahme zur Kontaktreduzierung" zu verstehen, die "gerade jetzt unverzichtbar und weniger eingreifend" sei, als eine Ausgangsbeschränkung am Tag. Auch rechtlich gesehen sei die Ausgangsbeschränkung für Karlsruhe legitim.

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Der Grund: "Im Gegensatz zur vorherigen Ausgangsbeschränkung haben wir als Landratsamt diesmal lediglich festgestellt, dass die Eindämmung der weiteren Verbreitung des Corona-Virus erheblich gefährdet ist. Diese förmliche Feststellung löst als gesetzliche Rechtsfolge die Ausgangsbeschränkung aus", so das Landratsamt weiter. 

Ansteckung im Freien ist nicht unmöglich

Wohingegen das Gesundheitsamt Widerspruch einlegt, ist die Aussage, dass eine Ansteckung im Außenbereich nicht möglich sei. Der Grund: Die Infektion kann nicht nur über Aerosole, sondern auch über Tröpfchen weitergegeben werden.

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Das heißt: Ohne genügend Abstand und ohne Maske ist es "ohne Weiteres" möglich, sich draußen mit dem (mutierten) Virus anzustecken. Darauf hatten auch Klinik-Chef Michael Geißler und Martin Bentz von der Medizinischen Klinik III in den vergangen Pressekonferenzen hingewiesen und ein Ansteigen der Zahlen für April prognostiziert.

"Die Ausgangssperre ist ja weniger ein Werkzeug, um die Übertragung im Freien zu verhindern. Aber wenn vier bis fünf junge Erwachse draußen eng zusammensitzen, dann ist es mit der B117-Variante selbstverständlich möglich, sich draußen anzustecken. Fünf Minuten ohne Maske reichen da aus", so Geißler am vergangenen Freitag.

Abschlussfeier im Schlossgarten
(Symbolbild) | Bild: Sophia Wagner

Diese Meinung vertritt auch Martin Volkmann, Chef des gleichnamigen Labors Volkmann in Karlsruhe: "Im Rahmen der Kontaktbeschränkungen machen die Ausgangssperrungen schon Sinn. Da sitzen die meisten abends dann eher vorm Fernseher, statt Leute zu treffen."

Ausgangssperre am Beispiel Karlsruher Landkreis

So wird beispielsweise in Studien aus England darauf hingewiesen, dass nächtliche Ausgangssperren die Verbreitung von Covid-19 um bis zu 13 Prozent verhindern können. Inwiefern sich diese 13 Prozent auf das Infektionsgeschehen infolge der vorigen Ausgangssperren niederschlagen, kann in Karlsruhe nicht angewendet werden.

Der Grund: Da die nächtliche Ausgangssperre mit anderen Maßnahmen kombiniert gewesen sei, könne sie nicht isoliert und eindeutig für solch eine Betrachtung herangezogen werden, so das Gesundheitsamt.

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Stattdessen verweist das Gesundheitsamt aber auf die Inzidenzen der vergangenen Wochen im Karlsruher Landkreis. Hier war eine Ausgangssperre zwischen dem 11. Februar und dem 7. März festgelegt worden. Damals wurde noch bei einem 7-Tages-Inzidenzwert von 50 die Grenze gezogen.

"Mit mehrtägiger Verzögerung haben sich die Inzidenzen durchaus nach unten bewegt. Als für Anfang April Lockerungen in Aussicht gestellt wurden haben die Menschen unserer Beobachtung nach gleich ihr Verhalten geändert, was in der Entwicklung der Inzidenzen am Anstieg ab Ende März klar abgelesen werden kann. Dann kam der Wegfall der Ausgangsbeschränkung hinzu und die Inzidenzen liefen weiter deutlich nach oben."

Kurzum: Ob die Ausgangssperre speziell für Karlsruhe als "das" entscheidende Kriterium im Kampf gegen das Corona-Virus angesehen werden kann, ist unklar. Klar ist aber: In Zeiten der Pandemie ist es vor allem wichtig, dass Kontakte reduziert bleiben - egal ob tagsüber oder nachts. Die Ausgangssperre agiere dabei lediglich als ein Baustein des gesamten Maßnahmen-Katalogs. 

 
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