"Es hieß ja mal, dass wir auf eine Inzidenz von 35 kommen müssen, bevor wir über Lockerungen nachdenken. Davon sind wir mittlerweile wieder weit entfernt", beginnt Michael Geißler die wöchentliche Pressekonferenz am Donnerstag.
Tatsächlich bereiten die aktuellen Zahlen den Karlsruhern Sorgen, denn: Seit diesem Sonntag beträgt die Inzidenz im Karlsruher Stadtkreis wieder 101,9. Das bedeutet: Ab einer Inzidenz von 100 werden die alten Regelungen des Lockdowns wieder reaktiviert - sofern der Wert drei Tage in Folge so hoch bleibt oder gar weiter steigt.
Unter diesen Voraussetzungen könne die Covid-Versorgung nicht, wie eigentlich vorgesehen, wieder heruntergefahren werden. Stattdessen soll nun eine weitere Station zusätzlich für Corona Patienten geöffnet bleiben.
Stand Donnerstag sind 23 Personen im Klinikum wegen des Virus in Behandlung. Fünf befinden sich auf der Intensivstation, die alle beatmet werden müssen. Damit befindet sich das Städtische Klinikum nach wie vor in der Pandemiestufe zwei.
Höchstwerte bis Ende April erwartet
"Die Menschen rennen wie wahnsinnig in die Kaufhäuser, das kann in Kombination mit den Virus-Mutationen nicht gut gehen", erklärt Geißler noch am Donnerstag. "Durch die Lockerungen gehe ich davon aus, dass die Neuinfektionen ab nächster und übernächster Woche nochmal deutlich ansteigen werden."

Ein weiterer Grund seien zum Beispiel die Menschengruppierungen, die sich am Rhein oder in den Parkanlagen treffen. Das Problem: Das Risiko im Freien anzustecken sei weiterhin extrem hoch, auch wenn die Temperaturen nach oben gehen.
"Wenn sich die Menschen falsch verhalten, dann überträgt sich das Virus auch bei 25 Grad", so Geißler. "Die Varianten aus Südafrika und Brasilien zeigen ja, dass sich das Virus trotz Hitze verbreiten kann."

Kurzum: Bis Ende April sollen die Zahlen wieder in die Höhe schnellen und gegebenenfalls sogar die 200 Marke erreichen. Erst dann werde durch die zunehmende Impfkampagne mit einer ersten Entspannung zu rechnen sein. Denn nur so seien schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden. Patienten, die trotz Impfung mit einer Infektion ins Krankenhaus geliefert wurden, habe es nach Angaben des Klinikums bis dato nicht gegeben.
Inkubationszeit bei Mutationen länger
Doch es gibt noch eine weitere unschöne Nachricht aus dem Klinikum. Die Mutationen seien nicht nur leichter übertragbar, sondern weisen auch eine längere Inkubationszeit auf. Lag die beim "Urtyp" zumeist zwischen fünf und sechs Tagen, sind es bei der Mutante acht oder zehn Tage.

"Wenn wir an Tag fünf einen PCR-Test gemacht haben, dann konnte man ausschließen, dass der Patient im Krankenhaus noch positiv wird. Bei den Varianten haben wir ein erhöhtes Risiko, erst danach ein positives Testergebnis zu haben", führt Geißler aus. "Das bedeutet aber wieder einen deutlich erhöhten Aufwand, mehr Tests, mehr Kosten, mehr Belastung für die Mitarbeiter."
Dennoch: Grundsätzlich schwierigere Krankheitsverläufe konnten im Vergleich mit dem "Urtyp" nicht erkannt werden. Stattdessen sei jedoch auffällig gewesen, dass Infizierte lange keine Symptome gezeigt hätten.

Aus diesem Grund appelliert Geißler auch, dass die Menschen "bewusster" mit dem Virus umgehen sollten. "Natürlich möchten die Leute wieder in die Geschäfte oder wollen ins Museum. Aber ich befürchte, dass mit diesem neuen Enthusiasmus, der durch die Lockerungen entstand, die Regeln wie Abstand halten und Maske tragen nicht mehr befolgt werden. Aber genau die sind entscheidend."
