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Karlsruhe: Staatstheater und Wildpark: Zwei gegenseitig ausgespielte Projekte

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Staatstheater und Wildpark: Zwei gegenseitig ausgespielte Projekte

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    Badisches Staatstheater Karlsruhe
    Badisches Staatstheater Karlsruhe Foto: (Archiv)

    "Nach rund 40 Jahren soll (...) saniert und erweitert werden. Dadurch sollen Defizite, die damals durch Sparmaßnahmen entstanden sind, beseitigt werden." Diese Aussage des ehemaligen Karlsruher Oberbürgermeisters Heinz Fenrich liest sich wie eine Aussage über das sanierungsbedürftige Wildparkstadion. Diese Aussage stammt jedoch aus dem Februar 2013 und bezog sich auf das in den 1970er Jahren gebaute Badische Staatstheater.

    Zuschuss von der Stadt

    Da es sich um ein Staatstheater handelt, trägt die Stadt Karlsruhe die Hälfte der Zuschusskosten für die Unterhaltung. Die andere Hälfte übernimmt das Land. In den Haushaltsverhandlungen 2013/2014 wurden im Februar 2013 insgesamt 42 Millionen Euro für diesen Doppelhaushalt beschlossen, die das Staatstheater erhält - einige der Stadträte empfanden dies als zu viel. Das ist jedoch deutlich mehr, als der Karlsruher SC an "Zuschuss" bekommt, indem die Stadt ihm die Mietkosten für das Stadion mindert.

    Nun ist freilich der Unterschied, dass es sich bei dem einen um eine staatlich geförderte Kulturinstitution handelt, während das andere ein eigentlich wirtschaftlich unabhängiger Profiverein ist oder sein sollte. Der Hauptpunkt, der in Diskussionen von beiden Seiten als Argument genutzt wird. Doch aufgrund dieser Unterschiedlichkeit muss jeder Vergleich hinken - die Forderung von Oberbürgermeister Frank Mentrup, die städtischen Projekte nicht gegenseitig auszuspielen, bestätigt dies.

    Beides kostet scheinbar 120 Millionen Euro - wirklich?

    Doch vor allem die Karlsruher Grünen nutzten dieses Argument, um ihre Forderung nach einem Bürgerentscheid zum Wildpark zu untermauern. Beim Vor-Ort-Termin im Dezember kam die Sprache auch auf das Staatstheater. Die Frage lautete: Warum einen Bürgerentscheid für das Wildparkstadion, aber nicht für das Staatstheater? Die Antwort: Für das Staatstheater trage man eine Verantwortung, für einen Profiverein nicht. Für die 650 Mitarbeiter trage man Verantwortung, die teils unter widrigen Bedingungen zu arbeiten hätten. Das ist gesetzlich richtig, trägt jedoch nichts zum generellen Konflikt bei.

    Es prallen zwei Welten aufeinander: Die Kultur- und die Sportfreunde, die sich beide begeistert für "ihr" Projekt aussprechen. Damit sind nicht nur die jeweiligen Vertreter im Gemeinderat gemeint, sondern auch die Bürger, die sich zum einen oder anderen Projekt mehr hingezogen fühlen. Ein vermeintlich gemeinsamer Faktor: Beides soll jeweils 120 Millionen Euro an städtischen Geldern für sich beanspruchen. Möglicherweise ist das die Grundlage für die Annahme eines Vergleichs. Doch ist das wirklich so?

    "Unverhältnismäßig" werden die 120 Millionen Euro in Bezug auf den Neu- oder Umbau des Wildparkstadions geschimpft, zuletzt besonders lautstark von der Grünen-Gemeinderatsfraktion. Die vorläufige Schätzung ist jedoch nicht im Gesamten zu betrachten. Aufgeteilt werden muss in 66 Millionen Euro für den Stadionbau selbst und 54 Millionen Euro für notwendige Infrastrukturmaßnahmen. Wie der aktuelle OB Mentrup im Dezember 2013 im Gemeinderat ankündigte, seien die Infrastrukturmaßnahmen unabhängig von der gewählten Stadionbauvariante ohnehin unerlässlich. Zieht man diese ab, bleiben die reinen Kosten für das Stadion: 66 Millionen Euro. Doch auch hier darf noch etwas abgezogen werden. Sollte es die Stadt in diesem Jahr tatsächlich schaffen einen Förderantrag an das Land zu stellen, fließen weitere 11 Millionen Euro in den Topf, womit die reinen Stadionkosten auf 55 Millionen Euro "zusammenschrumpfen" würden. Immer noch viel, aber weit weniger als 120 Millionen.

    Alles noch offen

    Bleibt die Frage, was sich hinter 120 Millionen Euro für das Staatstheater versteckt. Zunächst einmal handelt es sich bei den vom Verwaltungsrat des Staatstheaters veranschlagten 120 Millionen Euro um einen im Februar 2013 festgelegten Kostenrahmen für den Ausschreibungswettbewerb, bei dem ein passender Architekt gesucht wird. Ende 2014 wird hier seitens Mentrup mit einem Ergebnis gerechnet. Dann könnte es, im positiven Fall, bis frühestens 2023 eine Sanierung und den Neubau eines neuen (separaten) Schauspielhauses geben. Das bedeutet aber auch, dass diese 120 Millionen noch nicht vom Gemeinderat abgesegnet wurden, es gibt also weder in Sachen Wildpark noch Theater eine endgültige Entscheidung. In beiden Fällen steht die Planungsphase noch bevor.

    Unbestritten bleibt: Sowohl das Staatstheater als auch das Stadion haben eine Sanierung/einen Neubau/einen Umbau nötig. 300.000 Theaterzuschauer und - auf Grundlage der gern verwendeten Durchschnittszahl von 15.000 - insgesamt 255.000 Fußballzuschauern pro Saison: Beide Gruppen haben ein Recht auf einen angenehmen Nachmittag oder Abend. Der Unterschied: Die Stadt ist bei einem (Staatstheater) tatsächlich zuständig, beim anderen (Stadion) ist es eine freiwillige Leistung. Letztlich ist es dieser Umstand, der jeden Vergleich in der Luft hängen lässt.

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