Die Befürchtungen der Besorgten und Sittenwächter dürften in der Waldstraße in Karlsruhe enttäuscht werden. Vorbei scheinen hier die Zeiten der dunklen Schmuddel-Höhlen: Statt engen Video-Kabinen dominieren offene Räume, statt Pornoheftchen gibt's Erotikromane und die zwielichtige Neonbeleuchtung wurde gegen helles Licht und magentafarbene Lampenschirme eingetauscht. Auch von den befürchteten "Billigdessous" fehlt jede Spur - die Unterwäsche im Erotik-Shop unterscheidet sich kaum vom Angebot in den Käufhäusern.

Frauen erobern eine Männerdomäne

Diese Klischees würden meist nur noch in den Köpfen der Menschen existieren, behauptet Doreen Schink, Pressesprecherin des Erotik-Unternehmens. "Bei dem Wort 'Sexshop' denken viele noch an dunkle Räume, Bahnhofgegend und Männer in langen Trenchcoats", erzählt sie. Dieses Image sei allerdings schon seit einiger Zeit überholt, der Wandel in den Köpfchen der Menschen finde allerdings gerade noch statt.   

Gleichzeitig habe sich die Kundschaft in den letzten Jahren gewandelt - und mit ihr auch das Aussehen von Erotik-Shops. "Ursprünglich waren die meisten Kunden Männer. Diese sind inzwischen aber ins Internet abgewandert", so die Sprecherin, "heute muss keiner mehr vor die Tür, um zu bekommen, was er will." Stattdessen würden sich immer mehr Frauen für die ehemalige Männerdomäne interessieren. "70 bis 80 Prozent unserer Kunden sind inzwischen weiblich", schildert Schink. 

Frau solle sich durch das hellere, offenere Konzept, trauen, ihre Neugier zu befriedigen. Aber könnten sie das nicht ebenso in Online-Shops? "Frauen neigen eher zu Impulskäufen, lassen sich gerne beraten oder schauen spontan nach einer Shoppingtour rein", erklärt Schink und stellt klar: "Wir verstecken uns nicht."

"Beate Uhse ist kein Schandfleck in der Waldstraße"

Über die Berührungsängste habe man vor allem durch die Medien erfahren - was nicht nur Pressesprecherin verwunderte. "Offenbar haben manche befürchtet, ein solcher Laden könnte den Straßencharakter verderben", schildert Schink. Mit den Nachbarn selber habe es bislang aber keinerlei Probleme gegeben. Im Gegenteil: "Mittlerweile scheint sich alles wieder beruhigt zu haben", freut sich die Sprecherin,"die meisten Nachbarn haben tatsächlich eher neugierig reagiert. Und einige hatten sich auch zu unserer Eröffnungsparty angekündigt."

Darauf angesprochen geben sich die meisten von ihnen allerdings wortkarg. Eine Mitarbeiterin des "TIM"-Shops äußert sich im Gespräch mit ka-news allerdings durchaus positiv. "Wir sind rein gegangen und haben uns ganz normal vorgestellt", erzählt sie. Der Beate Uhse Laden sei durchaus geschmackvoll gestaltet und kein Schandfleck in der Waldstraße. Die Aufregung im Vorfeld kann die Mitarbeiterin daher nicht nachvollziehen. "Gut, der Outlet-Verkauf am Anfang wirkte tatsächlich wenig einladend. Andererseits laufen solche Dinge im Fernsehen den ganzen Tag", meint sie, "das gehört inzwischen zum Leben dazu." 

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