Bereits Anfang Dezember sagte Mergen im ka-news-Interview, dass sie auch zukünftig Verantwortung für Karlsruhe tragen wolle. Am Freitag machte die 50-Jährige nun eine klare Ansage: Sie will die erste Oberbürgermeisterin Karlsruhes werden.

"Ich habe auch im Kreise meiner Familie überlegt, was habe ich in den vergangenen Jahren bewegt. Ich bin seit fast genau 25 Jahren im Dienste der Stadt, davon viele Jahre in Karlsruhe. Ich habe auf kommunalpolitischer Ebene viel erreicht und will auch weiterhin Verantwortung tragen", so Mergen auf ka-news-Anfrage. Durch ihre langjährige berufliche Erfahrung wisse sie, wie man eine Stadt voranbringe und die Verwaltung erfolgreich steuere. Daher habe sie den Entschluss gefasst, sich um das Amt der Oberbürgermeisterin zu bewerben.

Mergen vs. Wellenreuther?

Auch dem CDU-Kreisvorsitzenden Ingo Wellenreuther werden Ambitionen nachgesagt. Doch Mergen möchte nicht von einem möglichen Machtkampf sprechen. "Ich sehe es aus Sicht der CDU als Gewinn an, wenn viele gute und engagierte Menschen dieses Amt anstreben", so Mergen. Die Karlsruher CDU-Familie werde letztlich mehrheitlich über den Kandidaten entscheiden.

Wellenreuther möchte sich indes zu einer möglichen Kandidatur auf ka-news-Anfrage nicht äußern. Die CDU Karlsruhe habe im Oktober 2011 ein Nominierungsverfahren verabredet. Er werde daher im Februar wie geplant mit den Mitgliedern des Kreisvorstandes Weiteres besprechen. Die Partei nehme den Vorstoß von Mergen zur Kenntnis. "Jeder macht es so, wie er es für richtig hält. Wir haben ein Verfahren beschlossen und ich halte mich daran", so Wellenreuther gegenüber ka-news.

Wirtschaftsbürgermeisterin oder Bundestagsabgeordneter?

Mergen ist seit 2007 Wirtschaftsbürgermeisterin Karlsruhes, und seit 2009 Erste Bürgermeisterin und damit Stellvertreterin des Oberbürgermeisters. Zuvor war die gebürtige Westfälin sieben Jahre Erste Bürgermeisterin der Stadt Heilbronn.

Der 51-jährige Wellenreuther sitzt seit 1999 im Karlsruher Gemeinderat, seit 2002 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Zudem ist er Vorsitzender der CDU Karlsruhe und Präsident des Karlsruher SC. Bereits im Juni 2007 kandidierte Wellenreuther für das Amt des Oberbürgermeister, allerdings in Mannheim. Hier unterlag er mit 32 Prozent der Stimmen dem SPD-Politiker Peter Kurz im ersten Wahlgang.

Heißt der Kandidat der SPD Martin Lenz?

Auch die Karlsruher Fraktionen von SPD und Grünen diskutieren derzeit darüber, wen sie in den OB-Wahlkampf schicken sollen. Der Vorsitzende des SPD- Kreisverbandes Karlsruhe-Stadt, Johannes Jung, wollte auf ka-news-Anfrage jedoch keine Namen nennen. In Vier-plus-Vier-Verhandlungen (Vier aus jeder Partei), wie sie Jung nennt, sondiere man gerade mögliche Kandidaten. Die Gespräche mit den Grünen seien "sehr gut". Die Frage wer Kandidat werde und ob beide Parteien einen gemeinsamen Kandidaten ins Rennen schicken sollten, sei noch nicht geklärt.

Für die einzelnen Parteien sei sicher die oberste Maxime einen Kandidaten aus den eigenen Reihen zum OB zu machen, so Jung. Aber spätestens vor einem zweiten Wahlgang werde man sich auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen, versicherte er. Denn man dürfe nicht den Fehler machen und sich gegenseitig Stimmen wegnehmen. Nach Fastnacht werde die Entscheidung feststehen. Ein genaues Datum wollte Jung allerdings nicht nennen.

Der Kandidat müsse auch nicht unbedingt aus Karlsruhe kommen, man bestehe aber auch nicht auf eine Politgröße von außen. Immer häufiger fällt der Name Martin Lenz. Ist der Karlsruher Sozialbürgermeister ein Kandidat für die SPD? "Martin Lenz wäre ein sehr guter Kandidat und ein sehr guter Oberbürgermeister", findet Jung.

Stapf drängt nicht in die erste Reihe

Die Fraktionssprecherin der Grünen Gemeinderatsfraktion, Bettina Lisbach, bestätigte gegenüber ka-news: "Wir sind in Gesprächen mit der SPD." Die weitere Vorgehensweise und ob die Grünen einen eigenen Kandidaten aufstellen werden, soll bei einer Klausur Mitte Januar vobereitet werden. Über den Kandidaten entscheide dann aber die Mitgliederversammlung, die wahrscheinlich im März stattfinde. Für einen zweiten Wahlgang werde es aber bestimmt eine Absprache mit den Sozialdemokraten geben, so Lisbach.

Ein gemeinsamer überregionaler Kandidat wäre aus Sicht des Grünen Umweltbürgermeisters Klaus Stapf die beste Lösung. "Auch einen Fritz Kuhn würde ich unterstützen", so Stapf gegenüber ka-news. Er selbst sehe sich nicht unbedingt als Kandidaten. "Ich habe kein Karrieredenken und dränge mich nicht in die erste Reihe." Er schließe eine Kandidatur aber auch nicht komplett aus. "Wir müssen letztlich sehen welche Konstellationen es geben könnte und welche Strategie verfolgt wird", so Stapf. Im Jahr 2006 kandierte Stapf bereits für das Amt des Stadtoberhaupts in Karlsruhe. Er erreichte damals 8,5 Prozent der Stimmen.

Mit Friedemann Kalmbach steht bereits ein weitere Kandidat in den Startlöchern. Der Karlsruher Stadtrat von Gemeinsam für Karlsruhe (GfK) erklärte gegenüber ka-news, dass auch er sich für das Amt des Oberbürgermeisters bewerben möchte.

Über Wahltermin entscheiden die Stadträte

Wann das neue Stadtoberhaupt gewählt wird, steht noch nicht fest. Nach Aussage einer Sprecherin der Stadt Karlsruhe entscheidet der Karlsruher Gemeinderat über den Wahltermin. Die Stadtverwaltung werde in Absprache mit dem amtierenden Oberbürgermeister Heinz Fenrich den Stadträten ein Datum vorschlagen. Diese stimmen dann darüber ab und legen somit den Wahlsonntag fest. Laut Gemeindeordnung ist die Wahl "frühestens drei Monate und spätestens einen Monat vor Freiwerden der Stelle durchzuführen". Die Amtszeit von Oberbürgermeister Heinz Fenrich endet aus Altersgründen am 9. Februar 2013.

Der OB-Wahlkampf hat begonnen. Unabhängig aller Personaldebatten wollen wir in unserer ka-news-Umfrage von Ihnen wissen: Was glauben Sie? Welche Partei stellt das künftige Stadtoberhaupt?

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