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Karlsruhe: Neuer Liniennetzplan ist noch nicht fertig: Experten verraten, warum es so lange dauert

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Neuer Liniennetzplan ist noch nicht fertig: Experten verraten, warum es so lange dauert

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    Auf welchen Wegen werden die Karlsruher bald durch die Stadt fahren können?
    Auf welchen Wegen werden die Karlsruher bald durch die Stadt fahren können? Foto: Kasig/Archiv

    Neben dem Entwurf für das neue Wildparkstadion scheint der neue Liniennetzplan der Bahnen eines der bestgehüteten Geheimnisse der Stadt zu sein. Der letzte Entwurf der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), wie die Linien künftig durch die Stadt, ober- wie unterirdisch, fahren könnten, ist schon einige Jahre alt, datiert auf das Jahr 2004.

    Nur vorläufiger Entwurf vorhanden

    Doch wie wird das neue Netz aussehen? Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Knapp 1,5 Jahre, bevor der Tunnel in Betrieb gehen soll - Mitte 2021 sollen die ersten Bahnen unterirdisch unterwegs sein - steht noch nicht fest, von  wo nach wo die Bahnlinien künftig fahren sollen. Der Liniennetzplan ist (immer) noch in Arbeit. 

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    Foto: KVV

    Nach den ursprünglichen Planungen sollten die Bahnen bereits Mitte 2016 durch den Kombitunnel unter der Kaiserstraße fahren - diverse Schwierigkeiten im Bau verzögerten die Fertigstellung. Aktuelles Datum ist nun Mitte 2021.

    Laut Michael Krauth, Pressesprecher der VBK, gebe es auch nach wie vor nur einen "vorläufigen Entwurf", denn: "Der Plan muss noch vom KVV mit den Ratsfraktionen abgestimmt werden", sagt er gegenüber ka-news.de. Dieser Entwurf wurde gemeinsam von den VBK und Experten vom Zuse-Institut Berlin (ZIB) erarbeitet. 

    Komplexe Planungen im Bestandsnetz

    Diese Arbeit hat es wohl in sich, denn der Grund, warum es noch keinen "belastbaren" Netzplan gibt, ist recht simpel: "Das ist eine sehr komplexe Aufgabe, denn wir müssen die Linien der AVG und den VBK zusammenbringen, die Abläufe der einzelnen Linien in Einklang bringen", erklärt Michael Krauth im Gespräch mit ka-news.de.

    Bahn in Karlsruhe (Symbolbild).
    Bahn in Karlsruhe (Symbolbild). Foto: Thomas Riedel

    Dabei muss berücksichtigt werden, welche Bedürfnisse die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) und die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) haben sowie deren Fahrgäste. "Und was ist in anderthalb Jahren, wenn die Kombilösung fertig ist, wie ist dann der Bedarf?!", stellt Krauth die Frage in den Raum. 

    Überprüfung des Bestandsnetzes führt zu neuen Wegen

    Daher die Kooperation mit den Berliner Wissenschaftlern vom ZIB. Mit mathematischen Methoden errechnen sie die Bedürfnisse im ÖPNV. Denn, so schrieben die Verantwortlichen um Ralf Borndörfer vom ZIB und Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer der VBK, in einem Fachartikel über die "Optimierung des Liniennetzes in Karlsruhe", eine "erneute Überprüfung der Netzplanung ist sinnvoll". Als Begründung führen sie an: Das Einwohnerwachstum in der Stadt und die Stadtentwicklung als solche. Beispielsweise der Bau des City Parks oder Knielingen 2.0.

    Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG)
    Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) Foto: Carmele/TMC-Fotografie

    Die Idee der Planer: Einen 10-Minuten-Takt beibehalten, das sei eine Bedingung bei der Optimierung der Pläne. Doch dann wird es komplex, haben die ZIB-Experten mehrere Faktoren, nach denen sie das Netz beurteilen. Etwa der Kostenfaktor oder die Qualität des neuen Netzplans.

    "Je nachdem, wie man die Zielkriterien gewichtet, erhält man verschiedene Lösungen, die von eher kostengünstigen Liniennetzen, in denen öfter umgestiegen werden muss, bis zu qualitativ hochwertigen Angeboten reichen, die für alle Passagiere kurze und direkte Verbindungen bieten und dafür etwas teurer sind", so Borndörfer gegenüber ka-news.de. "Bei der Optimierung geht es darum, hierfür einen bestmöglichen Kompromiss zu finden - und dabei helfen wir mit unseren Methoden!"

    Ralf Borndörfer Zuse-Institut Berlin
    Ralf Borndörfer Zuse-Institut Berlin Foto: Zuse-Institut Berlin (ZIB)

    Schon seit 2004, also noch Jahre vor dem Baubeginn der Kombilösung, gibt es einen Entwurf, wie der Netzplan aussehen könnte. Eine erste Idee nur, die mittlerweile überarbeitet wurde. 

    Das geplante Liniennetz nach Fertiggstellung der Kombilösung.
    Das geplante Liniennetz nach Fertiggstellung der Kombilösung. Foto: Kasig

    Auf neuen Wegen durch Karlsruhe

    So könnte die Linie 6, die heute zwischen dem Hirtenweg und Daxlanden fährt, über die Gleise der Südostbahn weiter auf die neue Trasse der Kriegsstraße führen und statt im Westen der Stadt am Hauptbahnhof enden. Dafür übernimmt beispielsweise die Linie 2 (heute von Wolfartsweier zur Siemensallee) die Fahrten bis nach Daxlanden und Rappenwört.  Somit würden sechs Linien durch den Tunnel im Südabzweig fahren, durch den östlichen Abschnitt unter der Kaiserstraße ebenfalls sechs Linien, durch den westlichen Teil lediglich fünf Linien. 

    Gleise geraderücken: Zwischen Europaplatz und der Rampe Mühlburger Tor werden die Gleise auf ihren Einbau vorbereitet.
    Gleise geraderücken: Zwischen Europaplatz und der Rampe Mühlburger Tor werden die Gleise auf ihren Einbau vorbereitet. Foto: Kasig

    Etwas mehr als neun Monate hat es gedauert, das mögliche Liniennetz zu erstellen. "Bis alle Fehler gefunden wurden hat es lange gedauert, aber dann zeigt das System kreative Vorschläge für die neue Linienführung durch die Stadt."

    Ergebnisse werden überprüft

    Eine Herausforderung der ZIB-Planer: der Entwurf eines neuen Plans im Bestand. "Je größer die Infrastruktur ist, die dem Plan zugrunde liegt, desto komplexer werden die Berechnungen, denn wir pflegen alle Daten ein, die uns vorliegen", sagt Borndörfer. Auf dieser Grundlage basiert dann auch das neue Liniennetz, das die Bahnen durch Karlsruhe schickt. 

    Mitten zwischen die Gleise wird der „Übersteigschutz“ montiert, der ein Queren des Schie-nenfahrwegs verhindert
    Mitten zwischen die Gleise wird der „Übersteigschutz“ montiert, der ein Queren des Schie-nenfahrwegs verhindert Foto: Kasig

    "Das Netz ist allerdings noch in der Prüfung, daher kann ich über Schwachstellen noch keine Aussagen treffen", so Ralf Borndörfer vom Zuse-Institut Berlin im Gespräch mit ka-news.de weiter. "Wie das Ergebnis daher schlussendlich bewertet wird ist nicht unsere Aufgabe - wir wollen nur das Optimum für Karlsruhe erzielen."

    Noch in diesem Jahr, so Michael Krauth von den VBK, soll der neue Liniennetzplan im Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe vorgestellt werden und dann auch darüber abgestimmt werden - dann sind die Karlsruher wieder einen Schritt näher an der Fertigstellung der Kombilösung. 

    ka-news-Hintergrund: Die Kombilösung 

    Die Karlsruher Kombilösung besteht aus dem Bau eines Bahntunnels in der Innenstadt und eines Autotunnels in der Kriegsstraße. In der Innenstadt werden die Bahnen zukünftig in einem T-förmigen Tunnelsystem fahren: Vom Mühlburger Tor bis zum Durlacher Tor entsteht ein Ost-West Tunnel, ab dem Marktplatz zusätzlich ein Südabzweig bis zur Höhe Augartenstraße. Die Inbetriebnahme ist für Sommer 2021 geplant. Unter der Kriegsstraße entsteht ein 1,6 Kilometer langer Autotunnel: Vom Karlstor bis zur Ludwig-Erhard-Allee. Darüber sollen eine begrünte Bahntrasse und breite Fußgänger und Radwege angelegt werden. Bauende ist voraussichtlich im Jahr 2021.

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