Bei Polizeieinsätzen geht es oftmals hoch her: Ob Krawalle auf den Straßen, randalierende Fanszenen oder nächtlicher Hausfriedensbruch. Regelmäßig werden dabei Beamten verletzt, oft sind sie Zielscheibe für die sich entladende Gewalt. Im vergangenen Jahr wurden im Stadt- und Landreis Karlsruhe 161 Polizeibeamte verletzt. Sieben von Ihnen trugen schwere körperliche Schäden davon.  

Wenn mit Pyrotechnik nach Polizisten geworfen wird

In Karlsruhe geriet im Jahr 2018 sogar ein Polizeihubschrauber unter Beschuss: Fans des Karlsruher SC zielten mit einer Leichtsignalrakete auf den Helikopter und warfen Pyrotechnik nach den Polizisten vor Ort. Acht von ihnen beendeten an diesem Abend ihren Dienst mit körperlichen Blessuren.

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Im Jahr 2018 geriet ein Polizeihubschrauber unter den Beschuss von Leuchtraketen. (Symbolbild) | Bild: TMC|Tim Carmele

Nimmt die Achtung gegenüber Polizisten immer weiter ab? Wie oft sind die Beamten Beleidigungen und Angriffen ausgesetzt? "Zu respektlosem Verhalten gibt es leider keine statistischen Daten", so Raphael Fiedler vom Polizeipräsidium Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news.de.

360 Straftaten im Jahr 2019 erfasst

Erfasst werden lediglich die Fälle, in denen ein Straftatbestand festgestellt werden kann. Hier bringt die Polizeiliche Kriminalstatistik Licht ins Dunkel. Laut ihr bewegt sich die Gewalt gegen Polizeibeamte "seit Jahren auf einem besorgniserregend hohen Niveau". Für das Jahr 2019 wurden in Karlsruhe und Umgebung diesbezüglich 360 Straftaten erfasst.

Doch die Zahlen können trügerisch sein. Seit dem Jahr 2018 geht ein breiteres Spektrum an Straftaten in die Statistik ein. Mit der Einführung des §114 Strafgesetzbuch (StGB) werden auch Angriffe bei "normalen" dienstlichen Tätigkeiten wie Reifenkontrollen, Befragungen oder Radarüberwachungen gezählt. Da dies zuvor nicht der Fall war, ist der tatsächliche Anstieg der Fallzahlen geringer.

VBK und Polizeikontrollen
Polizeikontrolle in Karlsruhe in der Nacht. | Bild: Polizei Karlsruhe

Ungeachtet dessen, ist im vergangenen Jahr die Zahl der Straftaten gegen Polizeibeamte auf einen Rekordwert geklettert. Bei den 360 registrierten Fällen wurden 154 Beamte leicht und sieben Beamte schwer verletzt.

Zwei Drittel der Täter sind Deutsche, ein Drittel Nichtdeutsche

Was sind die Profile der Menschen, die ihre Aggression gegen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes richten? Die Daten zeigen: Rund zwei Drittel der Täter sind deutscher Herkunft, ein Drittel Personen anderer Nationalitäten.

"Gemäß verschiedener Studien sind die Tatverdächtigen überwiegend männlich und zwischen 20 und 30 Jahren alt", sagt Polizeisprecher Raphael Fiedler. Das belegt auch die aktuellste Kriminalstatistik: 83,4 Prozent der Täter sind Männer. Oft seien die Beschuldigten zudem alkoholisiert und bereits polizeibekannt.

Symbolbild Polizei Karlsruhe
Wenn Polizisten bei "alltäglichen" Diensttätigkeiten angegriffen werden, geht das nun auch in die Statistik mit ein. | Bild: Thomas Riedel

Vor allem in den Nächten entlädt sich die Aggression vermehrt gegen die Polizisten. "Oftmals sind es emotional angespannte Situationen", so Fiedler. Vor allem die Beamten in den Nachtschichten des Wochenendes hätten mit einer Vielzahl an Delikten zu kämpfen.

Mini-Kameras sollen Polizisten schützen

Um die Beamten besser zu schützen, sind seit vergangenem Jahr Mini-Kameras im Einsatz - sogenannte "Bodycams". 154 dieser kleinen Videogeräte, die an der Uniform befestigt werden können, sind beim Karlsruher Polizeipräsidium im Einsatz.

Bodycams Polizei Karlsruhe
Bodycams im Einsatz bei der Polizei Karlsruhe. | Bild: Melissa Betsch

Sobald eine Situation zu eskalieren droht, schalten die Polizeibeamten unter Ankündigung die Kamera ein. Die Bilanz ist positiv: Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, reicht in den meisten Fällen bereits der "Pre-Recording-Modus" aus. Hier werden lediglich die ersten 60 Sekunden aufgezeichnet - doch alleine das helfe, die Gewalt gegen die Polizei in die Schranken zu weisen.

Lesen Sie im ersten Teil unserer Serie wie Rettungsdienstmitarbeiter in ihrem Alltag mit abnehmendem Respekt zu kämpfen haben:

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