Wahrscheinlich schauen sich einige Karlsruher beim Überqueren der Kaiserstraße immer noch sicherheitshalber zweimal um. Bei den einen mag dies noch tief verankert von den durchfahrenden Straßenbahnen sein, welche inzwischen im unterirdischen Tunnel der Kombilösung verkehren.

Doch bei vielen ist der Grund ein ganz anderer: viele Radfahrer rasen kreuz und quer durch die Fußgängerzone. Auch E-Scooter-Fahrer sowie der Lieferverkehr nutzen den Straßenabschnitt vermehrt. Das Problem: Trotz vermehrter Kontrollen in der Kaiserstraße hat sich bislang keine Verbesserung der Situation eingestellt. 

Der Kommunale Ordnungsdienst und der Polizeivollzugsdienst haben dieses Jahr bereits die vierte Schwerpunktkontrolle auf der ...
Der Kommunale Ordnungsdienst und der Polizeivollzugsdienst haben dieses Jahr bereits die vierte Schwerpunktkontrolle auf der Kaiserstraße veranlasst. | Bild: Hammer Photographie

Allein im Sommer über 600 Verstöße

"Alleine schon diesen Sommer hatten wir in den Monaten Juni bis September insgesamt 26 Kontrollen in Karlsruhe, bei denen insgesamt 612 Verstöße mit dem Fahrrad, 164 Verstöße mit Kraftfahrzeugen und 76 mit dem E-Roller aufgenommen werden konnten", so Maximilian Lipp, Leiter des Ordnungsamtes.

Die Zahlen bleiben hoch, obwohl die Fußgängerzone nur zwischen 20 und 10 Uhr (ausgenommen Sonntage und Feiertage) für den Radverkehr freigegeben ist. "In der restlichen Zeit dient die Kaiserstraße als Flaniermeile, so haben wir es den Bürgern versprochen und so wollen wir das auch beibehalten",  merkt Bürgermeister Albert Käuflein an.

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Links: Bürgermeister Dr. Albert Käuflein. Rechts: Maximilian Lipp, Leiter des Ordnungsamtes. | Bild: Hammer Photographie

Der Lieferverkehr ist auf der Haupteinkaufsstraße zwar von 8 bis 11 Uhr tagsüber erlaubt, jedoch nur mit Schrittgeschwindigkeit. "Doch auch Kraftfahrzeuge sind zu jeder Tageszeit dort zu sehen, auch wenn sie keine Sondergenehmigung bei sich tragen", so Käuflein.

"Man merkt auf jeden Fall, dass die Polizeipräsenz eine Wirkung erzielt"

Gegen dieses Problem wollen Stadt und Land zusammen vorgehen: Der Kommunale Ordnungsdienst und der Polizeivollzugsdienst haben am Mittwoch bereits die vierte Schwerpunktkontrolle auf der Kaiserstraße in diesem Jahr veranlasst.  Fünf Beamte sanktionieren dabei die Verstöße, erklärt Polizeidirektor Martin Plate am Aktionstag: "zum jetzigen Stand haben wir bereits 10 Autofahrer und 21 Radfahrer aufgrund ihrer Verstöße angehalten."

Kurzum: die Polizeipräsenz entfaltet ihre Wirkung - schließlich kommt Einsicht oft erst über den Geldbeutel, und das kann teuer werden. 25 Euro für einen Verstoß müssen Radfahrer zahlen, 50 Euro Kraftfahrzeugfahrer.

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Doch im Rahmen der Kontrolle wird nicht nur mit Bestrafung gearbeitet, Regelkonformität wird nämlich belohnt. Die Bürger, die vor Beginn der Zone von ihrem Rad abgestiegen sind und ihr Fahrrad durchschieben, bekommen ein  Reflektorband als kleine Aufmerksamkeit geschenkt. Dies soll ein nachhaltiges Signal senden und eine wirksamere Lösung darstellen.

"Gegenseitiger Respekt ist unser Ziel"

"Die Mischung aus Aufklärung und Sanktionierung macht es aus. Prävention ist ein wichtiger Punkt im Rahmen der Verkehrssicherheit, der verstärkt werden muss", so Käuflein. Die Polizei hat daher im Rahmen der Kontrolle auch einen Infostand auf dem Marktplatz organisiert, bei dem sich Bürger rund zum Thema Verkehrssicherheit mit dem Fahrrad schlau machen können.

Plate ergänzt: "Uns geht es in erster Linie um die Sicherheit aller, natürlich auch um die der Radfahrer, welche aufgrund der Mobilitätswende ein wichtiges Segment unseres Verkehrssystems sind. In erster Linie wollen wir Verletzungen und schlimmeres vermeiden." Zum Stand August waren Radfahrer bei 471 Unfälle mit Verletzungsfolge involviert, das ist die Hälfte aller Unfälle dieser Art.

Der Kommunale Ordnungsdienst und der Polizeivollzugsdienst haben dieses Jahr bereits die vierte Schwerpunktkontrolle auf der ...
Der Kommunale Ordnungsdienst und der Polizeivollzugsdienst haben dieses Jahr bereits die vierte Schwerpunktkontrolle auf der Kaiserstraße veranlasst. | Bild: Hammer Photographie

Käuflein möchte zu diesem Thema eine ganz klare Botschaft vermitteln: "Wir wollen, dass alle Verkehrsteilnehmer allgemein mehr Rücksicht aufeinander nehmen und sich gemeinsam an unsere Regeln halten, so schwierig ist das nicht. Gegenseitiger Respekt ist unser Ziel."

 
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