Eine Woche lang war es für die Karlsruher Bahnnutzer nicht ganz einfach, von A nach B zu kommen: Weil rund ums Durlacher Tor Schienen verlegt und Fahrspuren vorbereitet wurden und zudem der Deckel für die künftige unterirdische Haltestelle entstand, wurden alle Straßen- und Stadtbahnen umgeleitet.

Verkehr Richtung Adenauerring wieder zweispurig

Das ist nun wieder Schnee von gestern. Seit Sonntagabend läuft der Stadtbahnverkehr wieder nach Plan - oder zumindest nach dem Plan, den die Bauarbeiten für die Kombilösung diktieren. Denn die Bahnen werden noch mindestens drei weitere Jahre einen großen Bogen ums Durlacher Tor fahren müssen, bevor sie schließlich im Stadtbahntunnel durch die Karlsruher Innenstadt rauschen. Die Tunnelbohrmaschine soll hier 2014 zum Einsatz kommen.

Bis dahin bringen die Bauarbeiten gerade am Durlacher Tor immer wieder Irritationen für Autofahrer, Radler und Fußgänger mit sich: veränderte Verkehrsführung, Absperrungen und Schilderwald. Für Autofahrer heißt es allerdings bald ein wenig aufatmen: In etwa drei Wochen soll der Verkehr in Richtung Adenauerring wieder zweispurig fließen, wie Kasig-Geschäftsführer Uwe Konrath bei einem Vor-Ort-Termin erläuterte.

Denn die Baumaßnahmen während der Herbstferien konnten fristgerecht beendet werden und den Planungen steht bis dato nichts im Wege - auch wenn die verschiedenen Baufelder in der Fächerstadt insgesamt eine gehörige Verzögerung vorzuweisen haben. Kronenplatz und Europaplatz hinken dem Zeitplan etwa ein Jahr hinterher, Lammstraße sogar 1,5 Jahre. Selbst dort gibt es jedoch gute Neuigkeiten: Bis Ende November sollen die Karlsruher wieder an der Karstadt-Fassade entlang gehen können.

Arbeiten 2019 beendet?

"Es geht voran", freute sich auch deshalb Erste Bürgermeisterin Margret Mergen über die Fortschritte der Kombilösung. Sie wirbt deshalb dafür, den "Fähigkeiten unserer Leute zu vertrauen". Außerdem wies sie darauf hin, dass viele Baustellen in der Fächerstadt unabhängig von der Kombilösung eingerichtet würden. Zum Beispiel werde Mitte des Monats der Ostring gesperrt und bekomme einen neuen Belag.

Insgesamt gehen Mergen und Konrath nach wie vor davon aus, dass die Arbeiten 2019 beendet sein werden, "auch wenn das zugegebenermaßen schwierig sein wird", wie Konrath eingesteht. Das Land Baden-Württemberg habe inzwischen befürwortet, dass der Umbau der Kriegsstraße in die Förderkategorie "a" beim Bund aufgenommen werde. Baubeginn für das zweite Teilprojekt der Kombilösung ist dann Ende 2014 oder Anfang 2015. Schon jetzt seien im Vorfeld des Umbaus der Kriegsstraße mit ihren bis zu zehn Fahrspuren bereits zwei Baumaßnahmen vorab genehmigt worden: Der bereits begonnene Bau der Haltestelle Karlstor und der ebenfalls begonnene Bau der Haltestelle Mendelssohnplatz - beide südlich der Kriegsstraße, die sich nach dem Umbau mit einer neuen Straßenbahntrasse, einem Tunnel für die Autos und deutlich mehr Grün als innerstädtische Allee präsentieren soll.

Erst Anfang Oktober hatte die Nachricht über den in Zahlungsschwierigkeiten steckenden Baukonzern Alpine auch die Kasig überrascht. Das Unternehmen ist maßgeblich an der Umsetzung der Kombilösung beteiligt und hat selbst finanzielle Probleme eingeräumt. "Wir beobachten die Entwicklung bei Alpine zur Zeit sehr genau", berichtet Margret Mergen deshalb auf ka-news-Anfrage. Bislang habe man aber kein Signal erhalten, dass sich für Karlsruhe etwas signifikant ändern werde. Man hoffe, dass Alpine solide konsolidiert werden könne. Zuletzt sei zu lesen gewesen, dass Firmenanteile verkauft würden und sich der Konzern aufs Baugeschäft konzentrieren wolle - womit Karlsruhe also nicht von weiteren Veränderungen bei Alpine betroffen wäre.

Was eine Pleite für die Kombilösung bedeuten würde und wer die anfallenden Mehrkosten bezahlen würde, scheint niemand so genau zu wissen. Zumindest das Verkehrsministerium (MVI) kann derzeit keine genauen Angaben darüber machen, ob das Land bei einem solchen Szenario aushelfen würde.

Zum Hintergrund der Baumaßnahmen am Durlacher Tor:

In den vergangenen Monaten wurde an der Nordwestecke des Durlacher Tors einer der Zugänge zur späteren Haltestelle gebaut. Die künftige Haltestelle Durlacher Tor wird nicht wie etwa die Haltestellen Europaplatz, Lammstraße, Kronenplatz oder Ettlinger Tor in mehreren Abschnitten - der so genannten Halbdeckelbauweise - hergestellt, sondern wegen der großzügigeren Platzverhältnisse durchgängig. Die Baustelle am Durlacher Tor ist das größte Baufeld. Im nächsten Jahr werden östlich vom Durlacher Tor in der Durlacher Allee die Gleise verschwenkt, um mit dem Rampenbau zu beginnen, der die Bahnen an dieser Stelle künftig in den Tunnel unter der Kaiserstraße hineinführt.

Künftige unterirdische Haltestellen entstehen derzeit auch am Europaplatz, an der Lammstraße, am Kronenplatz und am Ettlinger Tor. Auch an diesen vier anderen Baustellen laufen die Arbeiten nach Angaben der Kasig gut: Nach dem Seitenwechsel im Juni werden am Europaplatz Leitungen zur Baufeldfreimachung verlegt und Gebäude mit Zementinjektionen unterfangen, um Bewegungen auch im Millimeterbereich auszuschließen. Am Kronenplatz entstehen die Leitwände, die zum Herstellen der Schlitzwände benötigt werden. Am Ettlinger Tor sind die Schlitzwände auf den zwei Teilbaufeldern südlich und nördlich des Kreuzungsbereiches bereits hergestellt. An der Lammstraße werden bereits auf der Nordseite Leitungen verlegt und ebenfalls Häuser unterfangen, während im südlichen Arbeiten die Deckel hergestellt werden. Der Seitenwechsel findet Anfang des nächsten Jahres statt. Dann wird auch mit den ersten vorbereitenden Arbeiten auf dem Karlsruher Marktplatz begonnen.

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